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Abschied vom Heckantrieb So kommt der neue BMW 1er

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Mit dem neuen 1er will BMW wieder ganz nach vorne fahren.

(Foto: BMW)

Mit dem neuen BMW 1er endet die Ära der hinterradgetriebenen Kompaktwagen. Dennoch verspricht der Autobauer für das kommende Modell mehr Agilität und das für die Marke typische Fahrverhalten. Aber das ist nicht alles, was sich am Einstiegs-Bayern ändert.

Noch in diesem Jahr schickt BMW die dritte Generation des 1er ins Rennen. Und das wird auch Zeit, denn Mercedes wildert seit 2012 mit der neuen A-Klasse ganz gewaltig in diesem Segment, das hier als Einstieg in die Premium-Welt des jeweiligen Herstellers betrachtet wird. Bei BMW kommt noch hinzu, dass der 1er das wichtigste Volumenmodell der Marke ist. Bis Ende 2018 verkauften die Bayern 1,3 Millionen Exemplare des Kompakten, wobei 80 Prozent der Kunden aus Europa stammen.

Frontantrieb für mehr Platz und Agilität

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Eigenständig und dennoch vertraut, die Front des neuen 1er BMW.

(Foto: BMW)

Mit der Neuauflage wird für den 1er auch der komplette Wechsel auf die Frontantriebsarchitektur vollzogen, was vor allem ein besseres Raumangebot verspricht. Dabei schrumpft der Kompakte im Vergleich zum Vorgänger sogar um fünf Millimeter auf eine Länge von 4,32 Meter. In der Breite wächst er hingegen um 3,4 Zentimeter und in der Höhe werden 1,3 Zentimeter drauf gepackt. Was allerdings erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass auch der Radstand um 2,0 Zentimeter auf 2,67 Meter schrumpft.

Äußerlich passt sich der 1er an die Großen an. Seine Niere ist präsenter, die Frontscheinwerfer sind schräg angestellt und leuchten auf Wunsch als Voll-LED. Natürlich gibt es in der Seitenansicht die bekannte Sharknose, eine flache, nach hinten ansteigende Fenstergrafik und den typischen "Hofmeisterknick" in der C-Säule, der die Fensterlinie über die Tür hinaus weiterführt. Am Heck sorgen eine zweigeteilte Heckklappe und weit in die Kotflügel gezogene Heckleuchten für einen breiten Stand. In der Basis fährt der 1er auf 16-Zoll-Rädern, optional kann er aber erstmals auch mit 19 Zoll großen Felgen auf die Straße gehen.

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Das Cockpit des neuen 1er BMW orientiert sich an den großen Brüdern.

(Foto: BMW)

Auch bei der Cockpit-Aufteilung orientiert sich der neue 1er an den großen Brüdern. Im zentralen Blickfeld des Fahrers liegt ein bis zu 10,25 Zoll großes Digitaldisplay, wie man es zum Beispiel aus der X-Reihe oder dem Z4 kennt. Wie bei denen gibt es auch im 1er ein zentrales, touchfähiges Control Display, das ebenfalls 10,25 Zoll misst, sich dem Fahrer leicht zuneigt und auch auf Gesten reagiert. Für eine leichtere Bedienbarkeit aller Elemente hat BMW eine sogenannte "Bedieninsel" geschaffen, wobei das Bedienzentrum im unteren Bereich der Mittelkonsole integriert ist. Natürlich lässt sich ein Großteil der Funktionen auch über die Sprache bedienen. Aktiviert wird der "Intelligent Personal Assistant" mit der Ansprache "Hey BMW!", wobei BMW auch durch jeden anderen Namen ersetzt werden kann.

Radschlupfbegrenzung und simulierte Differentialsperre

Fahrseitig verspricht BMW für den 1er mit Front- und Allradantrieb im Vergleich zum Vorgänger ein Plus an Agilität. Ein wichtiger Baustein soll hier die aus dem i3s adaptierte Radschlupfbegrenzung (ARB) sein. Damit wird die Traktion beim Anfahren, in Kurven und auf nasser Fahrbahn nachhaltig verbessert. Der Schlupfregler sitzt direkt im Motorsteuergerät statt im Steuergerät der Fahrstabilitätsregelung DSC. Dadurch können die Informationen dreimal schneller weitergegeben werden, wobei der Fahrer diese Regelung laut BMW sogar zehnmal so schnell erlebt.

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Die Spitze der 1er-Reihe bildet der M135i xDrive mit 306 PS.

(Foto: BMW)

Unterstützt wird das ARB durch eine ebenfalls in Serie verbaute Gier-Moment-Verteilung. Bereits vor dem Erreichen des Grenzbereichs werden die kurveninneren Räder gezielt eingebremst. Damit soll ein Untersteuern unterbunden und ein neutrales Einlenkverhalten erreicht werden. Natürlich lässt sich das DSC zu Gunsten einer sportlichen Fahrweise auch deaktivieren. Dann simuliert die Funktion EDLC (Eletronic Differential Lock Control) durch Bremseingriffe eine mechanische Differentialsperre. Durch den Bremseingriff am entlasteten Vorderrad wird dieses am Durchdrehen gehindert, was beim Herausbeschleunigen aus Kurven eine deutlich höhere Traktion liefern soll.

Die maximale Sportlichkeit gibt es natürlich auch in der 1er-Reihe bei dem Fahrzeug mit dem M in der Nomenklatur, dem M135i xDrive. Hier ist neben dem Sportfahrwerk auch noch eine Sportlenkung mit variabler Lenkkraftunterstützung verbaut. Unter der Haube arbeitet der aus dem X2 M35i bekannte 2,0-Liter-Vierzylinder mit 306 PS und einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmeter. Die Kraftverteilung übernimmt eine Achtgang-Sport-Automatik wobei der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden abgeschlossen sein soll. Bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Den Einstieg in die 1er-Reihe markiert der 118i mit einem Dreizylinder, der aus 1,5 Litern Hubraum 140 PS schöpft. Dank Overboost-Funktion stehen ab dem vierten Gang kurzfristig statt der 220 Newtonmeter 230 zur Verfügung, was vor allem spontane Überholvorgänge souveräner machen dürfte. Von Null auf 100 km/h vergehen im 118i 8,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird im Datenblatt mit 213 km/h angegeben.

Drei- und Vierzylindermotoren

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Der neue 1er wirkt in der Linie deutlich dynamischer als seine Vorgänger.

(Foto: BMW)

Zum Marktstart des neuen 1er wird BMW auch drei Dieseltriebwerke anbieten. Wobei auch hier ein Dreizylinder im 116d den Einstieg markiert. Mit 116 PS und einem maximalen Drehmoment wird der Bayer bis zu 200 km/h schnell und soll laut Datenblatt lediglich 3,8 Liter über 100 Kilometer verbrauchen. Hinzu kommen der 118d, der einen 2,0-Liter-Vierzylinder mit 150 PS unter der Haube trägt und der 120d, der aus dem gleichen Aggregat 190 PS schöpft. Alle Motoren erfüllen die Euro6d-Temp-Norm. Beim neuen 1er kommen erstmals drei Getriebevarianten zum Einsatz. Während der 116d, der 118d und der 118i serienmäßig mit dem weiterentwickelten 6-Gang-Handschaltgetriebe ausgerüstet sind, ist im 120d eine 8-Gang-Automatik für die Kraftverteilung zuständig, die optional auch für den 118d geordert werden kann. Alle anderen 1er-Varianten schalten über eine 7-Gang-Automatik.

Bei den Assistenzsystemen gehört die Auffahr- und Personenwarnung mit City-Bremsfunktion, die auch auf Radfahrer hinweist, zur Serienausstattung. Serienmäßig an Bord ist auch die bei Geschwindigkeiten zwischen 70 und 210 km/h nutzbare Spurverlassenswarnung mit aktiver Rückführung. Premiere feiert im 1er ein 9,2 Zoll großes Head-up-Display. Ebenfalls eine Premiere ist der Rückfahrassistent, der den Fahrer beim Ausparken und Rangieren auf engem Raum unterstützt. Über eine Strecke von 50 Metern speichert das System Lenkbewegungen, die mit einer Geschwindigkeit von maximal 36 km/h gefahren werden. Muss das Fahrzeug jetzt auf Grund eines Hindernisses zurückgesetzt werden, kann das System das selbständig und ohne Lenkeingriffe des Piloten machen. Lediglich Gas- und Bremspedal müssen betätigt werden.

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Das Kofferraumvolumen des neuen 1er BMW liegt jetzt zwischen 380 und 1200 Litern.

(Foto: BMW)

Zu welchen Preisen die 1er Modelle angeboten werden, hat BMW noch nicht bekanntgegeben. Momentan starten die Preise für den 116i Fünftürer bei 26.550 Euro, für einen M140i xDrive rufen die Bayern 50.550 Euro auf. Die Diesel-Modelle starten bei 29.650 Euro für den 116d mit manuellem Getriebe und enden beim 125d für 42.200 Euro. Es ist zu erwarten, dass das auch die Spanne sein wird, in der sich die neue 1er-Reihe mit leichtem Aufpreis einsortieren wird.

Quelle: n-tv.de

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