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Tokyo Motor Show Von Kleinstwagen bis zu großen Visionen

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In Japan setzt man auf die Brennstoffzelle. Toyota präsentiert in Tokio die Neuauflage des Mirai.

(Foto: Fabian Hoberg)

Die Tokyo Motor Show in Japan ist anders als andere Automessen. Neben Autos werden auch Lkw, Motorräder, Studien und Neuheiten der Robotertechnik präsentiert. Doch eine Autogattung bekommt hier einfach keinen Reifen in die Tür.

Kleine Roboter flitzen über die Gänge, begrüßen die Besucher freundlich. Daneben wummert es aus den Lautsprechern und eine Wasserdampf-Brause duscht Vorbeiziehende ab. Die Tokyo Motor Show ist die etwas andere Automesse im weltweiten Autozirkus. Seit 65 Jahren zeigen hier alle zwei Jahre vor allem japanische Hersteller ihre Neuheiten - insbesondere die für den heimischen Markt. Denn längst produzieren und präsentieren sie die für den US- und europäischen Markt wichtigen Fahrzeuge in den Ländern und auf deren großen Messen.

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Ein Aushängeschild der Tokyo Auto Show sind futuristische Kei-Cars.

(Foto: Fabian Hoberg)

Neben Autos und Robotern präsentieren die japanischen Hersteller auch noch Motorräder, Lkw, Quads und E-Bikes. Die Tokyo Motor Show ist im Grunde eine Mobilitätsmesse mit dem Schwerpunkt Japan - für japanische Hersteller. Neben Mercedes und Alpina zeigen nur Renault und Alpine als europäische Hersteller ihre Neuheiten.

Das lässt sich außerdem an den vielen neuen Kei-Cars erkennen. Das sind steuerbegünstigte Kleinstfahrzeuge, die nicht länger als 3,39 Meter und nicht breiter als 1,47 Meter sein dürfen. Der Hubraum des Motors ist auf maximal 660 Kubikzentimeter begrenzt. Kei-Cars machen rund ein Drittel der Neuzulassungen in Japan aus. Sie werden in Europa nicht angeboten. Andere japanische Modelle schon: Gleich mehrere Weltneuheiten parken in den vier Messehallen, darunter ein paar interessante Fahrzeuge, die es bald auch in Deutschland geben wird.

Honda Jazz und Mazdas Stromer

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Der Honda Jazz zeigt sich in Japan in seiner Neuauflage und wird so auch nach Deutschland kommen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Mit dem Jazz zeigt Honda in Tokio die vierte Generation des Kleinwagens. Diesmal ausschließlich als Hybridversion für Europa. Der Honda Jazz heißt in Japan Fit und soll ab Mitte 2020 in Europa zu haben sein. Angaben zum Hybridantrieb machte Honda nicht, dafür aber zu den Sicherheitssystemen. Eine hochauflösende Kamera soll die Fahrzeugumgebung noch genauer wahrnehmen, um dem Fahrer zu assistieren und Unfälle zu vermeiden. Passagiere sind durch einen WLAN-Hotspot permanent vernetzt. Die neue Version Crosstar macht aus dem Kleinwagen optisch einen Crossover, mit mehr Bodenfreiheit, einem geänderten Kühlergrill und einer Dachreling.

Mazda enthüllt in Tokio sein erstes Elektroauto. Den MX-30 e-Skyactive genannte Stromer will Mazda ab Mitte 2020 in Europa verkaufen. Optisch gleicht das neue Elektro-SUV dem Volvo CX-40, die Portaltüren könnten dem BMW i3entlehnt sein - und alles zusammen dem alten Mazda RX-8. Im Innenraum kommen Bezüge aus recycelten Plastikflaschen und Kork zum Einsatz.

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Das erste Elektroauto von Mazda ist der MX-30e.

(Foto: Fabian Hoberg)

Als Antrieb dient ein Elektromotor, die Energie stammt aus der im Fahrzeugboden platzierten Lithium-Ionen-Batterie. Mit einer Kapazität von 35,5 kWh reicht eine Akkuladung allerdings nur für eine theoretische Reichweite von 200 Kilometern. Genaue technische Angaben macht Mazda noch nicht, wahrscheinlich wird die Leistung aber bei rund 140 PS liegen. Das 4,39 Meter lange und 1,57 Meter breite sowie 1,79 Meter hohe SUV ist ab sofort bestellbar, für 33.900 Euro.

Neue Ideen von Nissan

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Der Nissan Ariya, der in Tokio noch als Studie zu sehen ist, soll in Zukunft den Leaf ablösen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Ab 2021 will auch Nissan im Elektro-SUV-Markt mitmischen. Die nun erstmals einem Publikum gezeigte Studie Ariya Concept wird es mit Allradantrieb oder nur einer angetriebenen Achse geben, zwei unterschiedlichen Batteriegrößen und verschiedenen Leistungsstufen. Je nach Batterie, die im Fahrzeugboden montiert ist, wird die Reichweite pro Akkuladung bei rund 500 Kilometer liegen.

Im Innenraum erhält der Fahrer seine Informationen über ein breites 12,3 Zoll großes Display, das bei Nichtgebrauch unsichtbar ist. Das neue 4,60 Meter lange SUV wird eines von vier neuen Elektromodellen sein, die Nissan bis 2022 auf den Markt bringen will. 2021 soll das Modell Ariya nach Deutschland kommen.

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Der Nissan Leaf präsentiert sich in Japan mit mehr Leistung und Reichweite. Der Preis dürfte die Käufer in Deutschland verhalten stimmen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Bis dahin macht Nissan den Leaf für die Kunden attraktiver: Statt des bisherigen 40-kWh-Akkus mit einer Reichweite von bis zu 270 Kilometern bekommt das Elektroauto in der Version Leaf e+ eine 217 PS starke E-Maschine und einen 62-kWh-Akku. Damit schafft er mit einer Akkuladung eine WLTP-Reichweite von bis zu 385 Kilometern. Der neue Nissan Leaf e+ kostet in Deutschland mindestens 44.700 Euro. Was mit Blick auf die erstarkende Konkurrenz in diesem Bereich sehr viel Geld ist und die Erfolgschancen hierzulande deutlich minimieren dürfte.

Subaru mit neuem Levorg und Toyota hisst die Wasserstoff-Flagge

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Subaru zeigt in Tokio den neuen Levorg.

(Foto: Fabian Hoberg)

Subaru erneuert den in die Jahre gekommenen Kombi Levorg. Optisch unterscheidet sich die nächste Generation vom Vorgänger nur durch Details, wie zum Beispiel durch eine geänderte, aber immer noch prägnante Lufthutze auf der Motorhaube. Technisch gibt es mehr Unterschiede. Der neue Levorg teilt sich die Plattform mit Impreza, Legacy, Outback und Accent. Als Antrieb kommt ein neuer 1,8-Liter-Boxermotor zum Einsatz, genaue Details gab Subaru noch nicht bekannt. Derzeit kostet der Levorq in Deutschland 26.990 Euro. Das dürfte auch in etwa der Preis sein, mit dem die Neuauflage in hiesigen Gefilden einsteigen wird.

Statt auf Benzin oder Strom setzt der Toyota Mirai auf Wasserstoff (aus dem dann Strom gewonnen wird). Das bisher eher unkonventionell gezeichnete Fahrzeug wird in der nächsten Generation deutlich gefälliger, ja sogar sportlicher. Eine acht Zentimeter längere (4,97 Meter) sowie vier Zentimeter breitere (1,85 Meter) Karosserie bietet künftig mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Statt vier können im nächsten Mirai bis zu fünf Personen Platz nehmen.

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Toyota hat dem Mirai mit Brennstoffzelle ein recht attraktives Sportkleid verpasst.

(Foto: Fabian Hoberg)

Dazu erhöht sich die Reichweite von 500 auf bis zu 650 Kilometer pro Tankfüllung. Ab 2020 soll der neue Mirai nach Deutschland kommen, die Preise stehen noch nicht fest. Das Vorgängermodell kostet bisher 78.600 Euro. Hier könnte es unter Umständen sogar preislich nach unten gehen. Zum einen haben die Japaner mit dem Brennstoff mehr vor, als nur Fahrzeuge anzutreiben, zum anderen lassen größere Stückzahlen in der Produktion die Preise ohnehin purzeln.

Doch nun zu dem japanischen Messe-Phänomen. Im Gegensatz zu anderen Automessen auf der Welt findet der Besucher in Tokio kaum SUV in den Hallen. Jedenfalls keines mit Verbrennungsmotor. Für den Außenstehenden hat es den Eindruck, als sei der SUV-Boom am Land der aufgehenden Sonne spurlos vorbeigegangen. Vielleicht haben ihn die Japaner aber auch einfach nur ignoriert. Denn in den ohnehin übervollen Großstädten wäre ein SUV alles andere als nützlich.

Quelle: ntv.de