Für Stock und Stein gemachtUnterwegs mit dem Defender Trophy Edition - durch nichts aufzuhalten
Von Patrick Broich, Wülfrath
Am Land Rover Defender muss nichts mehr umgebaut werden, um abseits der Straße überleben zu können. "Trophy Edition" heißt das neueste Stück, das ntv.de ausprobiert hat und das an die legendäre Camel Trophy erinnert.
Lange ist es her, als gelb lackierte Land Rover Defender begleitet von Medienteams durch die weite Welt zogen. Nicht etwa über Asphaltstraßen, sondern abseits der geteerten Piste. Dort, wo es matschig, schlammig und steil, also richtig ungemütlich, wurde. Der ab 1980 jährlich wiederkehrende Expeditionsmarathon hat Geländewagen plötzlich einen Sinn gegeben. Denn wer einen leistungsfähigen Kraxler fährt, hat hierzulande quasi keine legalen Möglichkeiten, sein Gerät mal richtig auf die Probe zu stellen. Ein bisschen Matsch, Schotter oder eine rutschige Wiese sind das höchste der Gefühle.
Während im Jahr 1980 die Zigarettenmarke Camel maßgeblich an der später berühmt gewordenen Trophy beteiligt war, ist es nun das Label Land Rover selbst, das sein Profil mit einer neu ins Leben gerufenen Trophy schärfen möchte. Den Offroader dort einsetzen, wo er wirklich gebraucht wird - das geht bald wieder im Rahmen von Abenteuer und Teamgeist.
Jeder Autofahrer oder Enthusiast, der interessiert ist und sich für widerstandsfähig genug hält, darf sich über ein Formular auf der Land-Rover-Website anmelden, um sich dann über nationale Auswahlverfahren (wo auch schon ordentlich 4x4 gefahren wird) bis ins Finale zu kämpfen. In dessen Rahmen muss man sich dann untergrundtechnischen Widrigkeiten auf dem afrikanischen Kontinent stellen.
Trophy Edition nur in zwei Farben
Wer jedoch keine Mühen investieren möchte in ein derart exklusives Vergnügen, aber finanziell gut aufgestellt ist, kann als Ersatz die Defender Trophy Edition käuflich erwerben zum Preis von 103.100 Euro. Unter dem Blech des dann im geschichtsträchtigen "Deep Sandglow Yellow" lackierten Defender - wahlweise gibt es auch Keswick Green - werkelt die stärkste Ausbaustufe des Reihensechszylinderdiesels mit drei Litern Hubraum und 350 PS.
ntv.de hatte die Gelegenheit, das Lifestyle-Ungetüm im Land-Rover-Experience-Center in Wülfrath zu bewegen. Vorab muss man aber sagen: Wer es wirklich ernst meint mit dem Überwinden unwägbaren Terrains, sollte noch das Trophy Pack (6280 Euro) mitordern. Es bietet genau die Features, die es zum Überleben in der Wildnis braucht. Als da wären: ein stabiler Dachgepäckträger für bis zu 132 Kilogramm Proviant. Ein sogenannter Außenträger mit einem Fassungsvermögen von 24 Litern dient nicht etwa dazu, mehr Sprit zu bunkern, sondern, um weiteren anfallenden Kleinkram zu verstauen. Er ist wasserdicht und abschließbar.
Wirklich wichtig in staubigen Gegenden aber ist der erhöht positionierte Luftansaugstutzen; denn je höher der Motor Luft ansaugt, desto sauberer ist diese - nicht ganz trivial, wenn man im Gelände auf sich allein gestellt ist und keinen Schaden am Triebwerk riskieren sollte.
Zum Glück kämpft man im nahe Düsseldorf gelegenen Wülfrath bloß mit hausgemachten Hindernissen - auch wenn diese es in sich haben. Jetzt kann ein Defender auch schon ohne Trophy Pack oder Editionsphilosophie ganz schön viel, aber es ist immer wieder faszinierend, diese Skills in der Praxis zu erleben.
Da wäre beispielsweise die 90-Prozent-Steigung. Zu Fuß käme man dort weder hinauf noch hinunter. Aber der Defender? Man hört hier und da ein bisschen Knirschen, wenn die elektronisch fein geregelte Bergabfahrtskontrolle eingreift. Sie sorgt mit einzeln abgebremsten Rädern dafür, dass der 2,7-Tonnen-Koloss bei perfekter Geradeaus-Disziplin diese Abfahrt meistert. Und umgekehrt?
Bergauf belassen wir es, also mein Instruktor und ich, bei gemütlichen 70 Prozent. Ein Wert, bei dem das Ende der Steigung gar nicht abzusehen ist, sondern man schaut nur noch gen Himmel. Mitten auf der Steigung anhalten und dann wieder losfahren? Erledigt der bloß zart schnarrende 700-Newtonmeter-Treibsatz unter der mattschwarz abgesetzten Haube ziemlich souverän. Allerdings dann in der deutlich kürzeren Geländeuntersetzung.
Aber wo sieht man den Defender ehrlicherweise meist? Richtig, auf den Flaniermeilen dieses Landes à la Ku'damm, Kö und Maximilianstraße. Aber das Schöne für Autoenthusiasten mit Geschichtssinn und Sammelleidenschaft ist, dass die Trophy Edition auch einen Platz in manch privater Hall of (Auto-)Fame bekommen dürfte.
Blöd nur, dass der Offroader mit den ausgeprägten Komfort- und Reisefähigkeiten so unfassbar teuer geworden ist. Große Offroad-Fans finden in den einschlägigen Gebrauchtwagen-Börsen zum Glück günstigere (unter 20.000 Euro) Exemplare des alten ikonischen Defender. Die fahren auch noch, überwinden ebenfalls fast alle Hindernisse, haben aber mitunter Beulen im Blech abbekommen. Dafür jedoch sind sie an Charme und Charakter kaum zu überbieten. Der moderne Defender ist universal einsetzbar und ziemlich kommod auf langen Strecken, hat allerdings auch seinen Preis. Und der ist für die meisten Menschen leider das wahre Hindernis.