Auto

V8 zum HammerpreisFord Mustang verspricht klassisches Autofahren wie früher

15.03.2026, 06:05 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
00:00 / 05:44
Ford_Mustang_GT_VO
Auch der jüngste Ford Mustang ist leicht zu erkennen, wenngleich die LED-Scheinwerfer jetzt ein bisschen futuristisch anmuten. (Foto: Patrick Broich)

Coupés wie der Ford Mustang sorgen für das Salz in der automobilen Suppe. Dicker Achtzylinder-Sauger unter der betont langen Motorhaube, eine gehörige Portion Coolness und wenig Schnickschnack - so lautet das Rezept. ntv.de hat den Athleten ausgeführt.

Auch wenn die eine oder andere weltanschauliche Gewissheit in diesen Zeiten in sich zusammenzubrechen droht oder zumindest ins Wanken zu geraten scheint, kann man sich auf eine Sache verlassen: Das Coupé war, ist und bleibt die höchste Ausdrucksform automobiler Kultur. Und es ist sogar exklusiver geworden angesichts des sich fortsetzenden SUV-Trends. Dann aber kommt der Mustang und zerstört dieses Muster mal eben nebenbei.

Denn statt die Exklusivität zu wahren, kommt Ford mit einem geradezu unverschämt günstigen Angebot um die Ecke für Menschen, die sich so gar nicht anpassen wollen. Elektromobilität, was ist das? Vierzylinder-Langweiler-Ware? Nicht mit mir! Dann los, ab zum Händler und den Mustang GT erkunden. Beim Vorgänger gab es ja sogar noch einen ebenfalls nicht ganz schwächlichen 2,3-Liter-Vierzylinder. Aber jetzt sucht man diesen Motor vergeblich in der Preisliste. Wollte offenbar niemand.

Ford_Mustang_GT_SE
Mit betont langer Motorhaube bedient der Mustang eine unzerstörbare automobile Sehnsucht nach klassischem Designmuster: So hat ein Sportwagen auszusehen. (Foto: Patrick Broich)

Stattdessen gibt es weiterhin Hubraum satt mit fünf Litern, und Ford macht nicht nur keinen Hehl daraus, sondern nagelt ein fettes "5.0"-Badge auf die vorderen Kotflügel, damit es auch bloß jeder sieht. Deutlicher geht ein Statement nicht zu transportieren. Doch, geht wohl! Und zwar akustisch. Spätestens nach dem Anlassen und kurzen Hochdrehen des Fünfliters wissen die Menschen im Umkreis von 50 Metern, was Sache ist. Da ist nämlich ein Achtzylinder zum Leben erwacht. Und dann, Fahrstufe D rein, ab geht die Post.

Doch vorher noch einen Moment innehalten und schauen, wie Ford den Fahrgastraum umgestaltet hat. Ja, auch im traditionellen Mustang dreht sich die Zeit weiter. Statt mickrigen Mäusekinos hat jetzt der große Bildschirm Einzug gehalten. Der ganz große Raum ist aber ausgeblieben, stattdessen sitzt der Mustang wie ein Maßanzug. Warum die Architekten aber unbedingt noch den Handbremshebel zwischen Mittelkonsole und Sitz quetschen mussten, darf man sich fragen. Doch er birgt eine Besonderheit. Kleinen Moment.

Ford_Mustang_GT_HI
Das Mustang-Rückleuchten-Layout ist seit Jahrzehnten wiedererkennbar. (Foto: Patrick Broich)

Mustang bleibt klassisches Drift-Car

Erst noch kurz die Frage: Wie reitet das potente Pferd denn überhaupt? Ein bisschen amerikanisch, so viel steht fest. Will heißen, auch im Jahr 2026 ist das 4,81 Meter lange Coupé ein - sagen wir mal - spezieller Dynamiker. Kein Geradeaus-Auto wie früher, als die Blattfeder noch regierte, aber auch kein Querperformance-Monster, jedenfalls nicht gefühlt.

Der Mustang mutet immer ein bisschen sperrig an, leicht indirekt am Lenkrad, dafür brutal am Gaspedal. Das bullige 540-Newtonmeter-Biest unter der Haube ist immer für einen Drift zu haben. Und jetzt der Fun-Fact: Ford hat das Driften mit einer speziellen geregelten Handbremse kultiviert und unterstützt mit verschiedenen Kennlinien. Eine Spielerei, deren Nutzen zwar fragwürdig ist (auf welchem öffentlichen Parkplatz soll man das überhaupt machen?), aber dennoch cool zu haben.

Ford_Mustang_GT_IN
Der Ford Mustang ist modern geworden innen mit gewaltigem Panorama-Display. Physische Tasten gibt es dennoch weiterhin. (Foto: Patrick Broich)

Wichtiger jedoch ist, dass die Power saugermäßig linear und nie tückisch kommt wie bei einem giftigen Turbo, was solche Manöver kontrollierbar macht. Aber dass der 1,8-Tonner durchaus mit Traktionsproblemen an der Hinterachse kämpft, spiegelt sich nicht zuletzt im Einsatz einer Differenzialsperre wider. Wenn 446 PS auf lediglich ein angetriebenes Radpaar wirken, ist das immer ein bisschen teuflisch, aber eben teuflisch gut. Denn klassische Sportwagen wie der Mustang leben von gezielt provozierbarer Bewegung des Hecks.

Ist der Asphalt griffig und hält man den Lenkwinkel flach, funktioniert das mit der Traktion aber ganz gut. Gut genug jedenfalls, um den bollernden Budget-Boliden binnen 4,9 Sekunden auf 100 km/h zu treiben. Wobei es gar nicht auf die Zehntelsekunde Papierwert ankommt, sondern die Art und Weise, wie der Ami das Schnellerwerden inszeniert. Nämlich akustisch immer untermalt von einer überwältigenden Präsenz des Treibsatzes inklusive Druck im Kreuz.

Ford_Mustang_GT_Motor
Ein klassischer Sauger-Achtzylinder bleibt für viele Fans weiterhin der Traum-Motor schlechthin. (Foto: Patrick Broich)

Woraufhin sich die Anschlussfrage stellt, wie ein Mustang im Alltag funktioniert. Denn die permanente Beschallung kann bei Dauereinsatz auch mal ermüdend werden, so schön sie zwischendurch auch sein mag. Die Dosis macht das Gift und so. Aber sonst? Wenn schon der Platz für die Passagiere begrenzt ist (im winzigen Fond sowieso), muss es eben der Kofferraum richten, oder? Na ja, 381 Liter reichen zumindest für den Ausflug über ein langes Wochenende. Ob der Mustang als Haupt- oder Zweitfahrzeug eingesetzt wird, ist natürlich auch ein Anwendungsfall. Mit großer Familie und viel Gepäck dürfte das Unterfangen schlechter funktionieren als im Single- oder Zweipersonen-Haushalt.

Verrückt ist, wie viel Auto Ford hier für überschaubares Geld anbietet. Denn mit 60.400 Euro im Grundpreis bleibt der Spaßmacher wirklich erschwinglich für Kunden, die sonst budgetär eher nicht in den Genuss eines Achtzylinders kämen, weil das Segment im Zuge des Downsizing einfach spitz geworden ist. Und dann gibt es ihn ja auch noch mit Schaltgetriebe statt Zehngang-Automatik. Das ist klassisches Autofahren wie früher.

Ein bisschen moderne Welt hat der designmäßig eher evolutionär weiterentwickelte Mustang dann aber doch abbekommen. Ein adaptiver Tempomat mit geregelter Längsführung (bremst und beschleunigt automatisch) ist genauso - übrigens serienmäßig - vorhanden wie neuestes Infotainment. So sieht also 2026 mit Alte-Zeiten-Vibes aus.

Quelle: ntv.de

Ford-ModelleCoupé