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Ein Monster für die Viertelmeile BMW R 18 fährt als Dragster mit Lachgas

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Die BMW R 18 als Drag Bike? In Teilen sogar für das geneigte Publikum.

(Foto: BMW)

Die BMW R 18 hat seit ihrem ersten Auftritt mit ihrem Big Boxer in der Customizing-Szene für Aufsehen gesorgt. Und so wundert es nicht, dass sich jetzt auch Designer Roland Sand an der dicken Bayerin vergriffen und einen waschechten Dragster aus ihr gemacht hat.

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Inspiriert von den Viertelmeilen-Rennen in den USA wurde die BMW R 18 zum Dragster.

(Foto: BMW)

Dragster haben ihren Ursprung in den USA. Ob mit Auto oder Motorrad: Ziel eines Drag Races ist es, eine exakt 402 Meter lange, gerade Strecke in möglichst kurzer Zeit aus dem Stand zurückzulegen. Die schnellsten Motorräder, die sogenannten Drag Bikes, schaffen die Distanz in weniger als 5,5 Sekunden. Die Ziellinie überqueren die Fahrer solcher zweirädrigen Boliden dann mit einer Geschwindigkeit von 400 km/h. Klar, dass es hierfür Motoren braucht, die leistungstechnisch weit über dem liegen, was normalerweise zwischen die zwei Räder eines Motorrades gesetzt wird.

Auf das Wesentliche reduziert

Doch neben dieser unmenschlichen Beschleunigung begeistern die Dragster auch durch ihr Äußeres. Und manchmal inspiriert genau das dann auch Custom Bike Designer wie Roland Sand. Der US-Amerikaner sah den letzten Paukenschlag von BMW, die R 18, und dachte sich: "Bei einem Motor, der so sichtbar im Mittelpunkt steht, muss man das Drumherum einfach auf das Wesentliche reduzieren." Aber das war nicht alles. Sands Vater fuhr selber Drag Races und so lag es für den Designer nah, die R 18 so umzubauen, "dass es auf einer geraden Strecke schnell fährt", ein Drag Bike eben.

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Drei Monate hat das Team um Robert Sand (Mitte) an der Interpretation der BMW R 18 getüftelt.

(Foto: BMW)

Das Team um Sands tüftelte dreieinhalb Monate an der R 18 Dragster. Dabei wurde die serienmäßige Lenkachse beibehalten. Auch an der Karosserie wurde nichts verändert. Dafür wurden die Kotflügel entfernt, um sie an den veränderten Rahmen anzupassen. Die Modifikation wurde durch die umbaufreundliche Architektur der R 18 erleichtert. So konnte das ursprüngliche Heck einfach entfernt und leicht in das eines Dragsters verwandelt werden.

Um wirklich an einem Drag Racing teilnehmen zu können, musste die Hinterradaufhängung grundlegend geändert werden. Auch bei der Lackierung ging Sand eigene Wege. Ein zweifarbiges Metallic-Blau mit klassischer weißer Doppellinierung, die vom Lackierer Chris Wood aufgebracht wurde, ziert jetzt die R 18. Um das Ungetüm am Ende der Viertelmeile wieder zum Stillstand zu zwingen, hat Sand das Vorderradbremssystem der BMW S 1000 RR verbaut.

Die Elektronik war kompliziert

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Ein Doppel-Megaphonsystem ersetzt den Serienauspuff der R 18.

(Foto: BMW)

Doch fragt man den Designer, was das Komplizierteste am Umbau war, antwortet er: "Die Elektronik war definitiv am schwierigsten zu bearbeiten, da wir Lachgas für höhere Geschwindigkeiten hinzugefügt haben. Auch den Serienauspuff haben wir entfernt und durch ein handgefertigtes Doppel-Megaphonsystem aus Edelstahl ersetzt. Zudem haben wir das Einlassystem des Motors drastisch verändert." Um die Funktionsfähigkeit der einzelnen Komponenten zu prüfen, fuhr das Team nach der Endmontage auf die Rennstrecke. "Es war ein Experiment, aber wir haben es geschafft", frohlockt Sand nach den Tests.

Doch nicht bei allen Teilen, die Sand veränderte, griff er auf eigene Anfertigungen zurück: Handhebel, Heldenbrust, Räder, Scheinwerfer und Ventildeckel schnappte er sich kurzerhand aus der Kollektion der Design-Frästeile von BMW. Die Frontpartie des Dragsters wurde sogar von der R nineT übernommen. Aus dem Hause Sand kommen sowohl der Sitz als auch der Auspuff. Beides wurde individuell und von Grund auf neu gefertigt.

Jedes Konzept ist ein Lernprozess

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Auf der Rennstrecke wurde der Dragster R 18 dann auf seine Leistungsfähigkeit getestet.

(Foto: BMW)

Warum sich Sand bei den Veränderungen auf die erwähnten Teile beschränkt hat, erklärt der US-Amerikaner so: "Jedes Motorrad benötigt je nach Bauart unterschiedliche Bezugsquellen, spezielle Materialien und Teile. Auch nach dem Bau von über 200 Bikes ist jedes neue Konzept ein Lernprozess. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das Genre, in dem wir uns befinden, verstehen zu wollen. Unserer Meinung nach ist genau das der Schlüssel dafür, um es authentisch und funktional zu halten."

Natürlich ist die R 18 Dragster ein Einzelstück. Doch BMW war nicht dumm und bat Sand, fußend auf seiner Interpretation für die neue R 18 individuelle Teile zu designen. Und so gibt es für den Harley-Jäger jetzt neben Vorder- und Hinterrädern auch eine ganze Reihe exklusiver Frästeile. Die reichen vom Tachometergehäuse über Lenkerklemmböcke, Lenkererhöhungen oder Spiegel bis hin zu Motorgehäuse-Zierleisten, Tankdeckel und Airbox-Abdeckungen.

Ob die Dragster R 18 von Sand irgendwann über die Viertelmeile geht und mit welcher Zeit sie am Ende die Strecke verlassen wird, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Auch nicht, ob ein solcher Event für das Designstück überhaupt infrage kommt. Aber interessant wäre es schon, denn schnell sieht der Umbau allemal aus.

Quelle: ntv.de