Auto

Kia Picanto 1.0 im TestWürzig - mit etwas zu viel Salz

04.09.2011, 12:52 Uhr

Optisch fährt der Kia Picanto in der Kleinstwagenklasse weit vorne mit. Auch in anderer Hinsicht kann er überzeugen - allerdings mit Abstrichen.

Mit dem Picanto der ersten Generation hat sich Kia deutlich sichtbar im deutschen Straßenbild etabliert. Als Nachfolger schickt sich die zweite Modellgeneration nun an, die vielversprechende Modellbezeichnung erstmals auch mit Leben zu füllen: mit einem moderneren Design samt "Tigernasen"-Front, sparsameren Motoren und einem insgesamt kultivierteren Auftritt. Bei knapp 9.000 Euro beginnt die Preisliste für den neuen Picanto, aber es zeigt sich wieder einmal, dass von den Kunden in diesen Preisregionen auch Nehmerqualitäten verlangt werden.

Wobei das nicht für den Antrieb gilt: Mit dem 51 kW/69 PS starken 1,0-Liter-Dreizylinder ist man für die Stadt und auch für das lockere Mitschwimmen auf der Autobahn ausreichend motorisiert. Die verbesserte Geräuschdämmung steigert den Wohlfühlkomfort an Bord, das Fahrwerk federt ausgewogen und mag dabei auch vom geringfügig verlängerten Radstand profitieren. Allerdings mangelt es dem Benziner an jener Spritzigkeit, die man sonst an den etwas rappeligen Dreizylindern zu schätzen weiß. Zudem mag es der Motor nicht, wenn er in unteren Drehzahlen betrieben wird – häufige Schaltarbeit ist die Folge. Die auf dem Papier ausgezeichneten Verbrauchswerte von 4,2 Litern je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß 99 g/km) lassen sich dann aber nicht mehr verwirklichen. Fahrspaßmindernd wirkt sich zudem die schwergängige und insbesondere in der Mittellage unpräzise Lenkung aus.

Im Gegenzug gefällt der wohnlich gestaltete Innenraum, dessen solide Material- und Verarbeitungsqualität auf den ersten Blick erkennbar ist. Vor allem die griffgünstige Platzierung der Regler für Audiosystem und Klimaanlage und die klare Gestaltung der Instrumente können überzeugen. Der Kofferraum ist etwas größer geworden, mit 200 Litern hinter einer hohen Ladekante aber immer noch mickrig. Die Rücksitzlehnen lassen sich umklappen und machen Platz für bis zu 870 Ladevolumen, wobei im Gepäckabteil eine Stufe verbleibt.

Abstriche bei der Ausstattung

Vom optionalen Clarion-CD-Radio, das der Importeur nachträglich in die Mittelkonsole einbaut, sollte man übrigens die Finger lassen; zumindest in unserem Testwagen war der Radioempfang mäßig und die Anzeigen bei Tageslicht praktisch nicht ablesbar. Die Alternative ist ein Kia-Radio mit Lenkradfernbedienung, das es aber erst in der höchsten Ausstattungslinie "Spirit" gibt.

Die Ausstattungspolitik hat das Zeug, die deutlich würziger gewordene Picanto-Suppe gehörig zu versalzen. Die Bezeichnung "Attract" für die ab 8.990 Euro erhältliche Basisversion mit drei Türen (Aufpreis für Fünftürer: 400 Euro) dürfte weniger vom attraktiven Umfang dieser Linie herrühren, sondern eher vom Ziel, Kunden mit günstigen Preisen in die Autohäuser zu locken. Dabei ärgert weniger, dass man auch bei der mittleren Linie "Vision" anstelle eines Drehzahlmessers eine blanke Fläche in der Instrumentenanzeige anstarren muss, sondern eher das eingeschränkte Sicherheitsniveau: ESP und Scheibenbremsen hinten sind erst ab "Vision" gegen Aufpreis verfügbar, aktive Kopfstützen und den Knieairbag für den Fahrer gibt es erst in der höchsten Ausstattungslinie "Spirit".

Nicht sonderlich inspirierend ist auch der Umstand, dass das Start-Stopp-System nur für die Ausstattung "Spirit" und nur in Verbindung mit Klimaautomatik, Sitzheizung und Nebelscheinwerfern für 760 Euro Aufpreis erhältlich ist. Mit einer solchen Ausstattungspolitik wird man dieser Technik wohl kaum zum Durchbruch verhelfen.