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Runderneuerte ReifenZweites Leben mit Profil

19.01.2010, 11:38 Uhr
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Neues Gummi für den alten Reifen: In sogenannten Belegautomaten bekommen runderneuerte Reifen eine neue Lauffläche. (Foto: AiR/dpa/tmn)

Runderneuerte Reifen sind im Kommen. Nicht nur die Kostenfrage spricht für die Aufgemöbelten. Sie auch umweltfreundlicher. Allerdings sollte man beim Kauf von Runderneuerten auch Vorsicht walten lassen, denn es gibt auch schwarze Schafe.

Sie sind preiswert, umweltfreundlich und meist besser als ihr Ruf: Nachdem runderneuerte Reifen längst an jedem zweiten Lkw zum Einsatz kommen, lassen inzwischen auch immer mehr Pkw-Fahrer welche aufziehen.

"Zwar gibt es wie bei den Neureifen auch eine Reihe schwarzer Schafe und gefährliche Billigimporte", sagt der Prüfingenieur Thorsten Helfen von der Sachverständigenvereinigung KÜS in Losheim am See (Saarland). "Doch wenn der Reifen fachgerecht und regeltreu erneuert wurde, steht er einem fabrikneuen Reifen in Haltbarkeit und Sicherheit in nichts nach."

Preisvorteil von 40 Prozent

Für die zweite Verwendung auf der Felge sprechen nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft industrieller Runderneuerer (AiR) im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk vor allem der Preis und der Umweltgedanke. "In der Regel sind unsere Produkte bis zu 40 Prozent günstiger als Neureifen", sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Drechsler. Außerdem würden bei der Produktion weniger Energie und Rohöl benötigt: "Während die Produktion eines neuen Reifens etwa 28 Liter Rohöl beansprucht, brauchen wir im Schnitt nur 5,5 Liter. Und unser Energiebedarf liegt bei etwa 70 Prozent."

Möglich ist das, weil bei der Runderneuerung der Unterbau des Reifens, die sogenannte Karkasse, ein zweites Mal verwendet wird und computergesteuerte Maschinen nur das abgefahrene Gummi auf der alten Lauffläche entfernen, erläutert Erich Kraft. Er leitet bei Reifen Ihle in Günzburg die Herstellung der Eigenmarke Rigdon. Danach bringen sogenannte Beleg-Extruder eine Rohgummimischung für den neuen Laufstreifen auf, die in der Zusammensetzung der von Neureifen entspricht. "Abschließend kommt der bis dahin noch blanke Reifen bei 15 bar und etwa 160 Grad in die Heizpresse." Wie der Kuchenteig in der Form wird das Gummi dort "gebacken" und bekommt so sein Profil.

Nicht jeder Reifen hat Potenzial

"Allerdings hat längst nicht jeder Reifen die Chance auf ein zweites Leben", sagt AiR-Mitglied Wolfgang Köberl, Leiter der Runderneuerung bei RESPA in Passau. "Von über 120 Reifenmarken nehmen wir nur die Karkassen von 15 Fabrikaten in unsere Auswahlliste auf." Außerdem werden nur Reifen erneuert, die bis maximal Tempo 210 zugelassen sind. Luxuslimousinen und Sportwagen mit höheren Geschwindigkeiten fahren deshalb garantiert auf neuen Gummis.

Und auch die verengte Auswahl der Altreifen muss gründlich überprüft werden, sagt KÜS-Experte Helfen: "Reifen mit sichtbaren Schäden, die durch Überbeanspruchung oder zu niedrigen Luftdruck entstanden sind, darf man nicht runderneuern." Risse, Verletzungen an der Karkasse oder der Reifendecke, ein gebrochener Wulst, Abnutzungen der Innenbeschichtung oder Schäden durch die Einwirkung von Öl und Chemikalien führten deshalb zwangsläufig zum Aus. Dabei setzen die Runderneuerer nicht nur auf die scharfen Augen ihrer Mitarbeiter, sondern zum Teil auf Laseranalysen, erläutert AiR-Chef Drechsler. "Deshalb bestehen nur etwa 30 Prozent aller anfallenden Reifen die Eingangskontrolle."