Praxistest

Der steckt alle in die Tasche Cupra Ateca - ein echtes Sport-SUV

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Der Cupra Ateca ist wohl die beste Möglichkeit, sich für ein Sport-SUV zu entscheiden.

(Foto: Holger Preiss)

Sportwagen sind beliebt. Noch besser ist es, wenn sie sich in die Riege der SUV eingliedern. Vor allem dann, wenn auch unter der Haube ordentlich gezündet wird. Ein geradezu berauschendes Gesamtpaket hat Cupra mit dem Ateca geschnürt. Im n-tv.de Praxistest hat er sich jedenfalls auf allen Wegen bravourös geschlagen.

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Vier Endrohre des Cupra Ateca sind nicht nur ein Zeichen, sondern auch ein Versprechen.

(Foto: Holger Preiss)

Im vergangenen Jahr hat Seat auf dem Autosalon in Genf die Marke Cupra als selbständige Sportwagenmarke inthronisiert. Mit eigenem Logo und Design präsentiert sich in der Schweiz neben der Studie des e-Racers auch der Cupra Ateca. Nun gut, dachte der Autor seinerzeit, das ist ein Seat Ateca mit fetten Endrohren, Dachspoiler und allen anderen Devotionalien, die so ein Sport-SUV braucht. Unter der Haube findet sich der bereits aus dem noch mit Seat-Logo fahrenden Leon Cupra bekannte 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 300 PS. Also alles nicht Neues?

Mitnichten! Bereits als der Cupra Ateca in der Redaktion vorfuhr, machte er eine ganz andere Figur als in den Messehallen am Lac Léman. Straff und stämmig wirkt das Äußere. Verzichtet wurde auf die mit Kupferstreifen durchzogenen Felgen. Dafür trägt das Sport-SUV Bicolor-19-Zoll-Alus, die mit 245er Pneus von Pirelli bespannt sind. In der Frontschürze prangt der Schriftzug Cupra und auch auf der Kofferraumklappe ist er zu lesen. Auf die einstigen Race-Flaggen als Erkennungszeichen wird verzichtet, dafür sticht aus der Front und am Heck das kupferfarbene Cupra-Logo hervor.

"Das Logo ist geil!"

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Ein indianisches Stammeszeichen? Ein stilisierter Stierkopf? Völlig egal! Das Cupra-Logo ist "geil".

(Foto: Holger Preiss)

Die Interpretation des Logos ist mannigfach. Und das soll sie wohl auch sein. Seinen Zweck erfüllt es allemal. Beim Anblick kommentiert der 14-jährige Sohn: "Das Logo ist geil!", auf der Straße wird der Fahrer angesprochen, was das denn wohl für ein Auto sei. Ein Cupra natürlich! Und nur um das mit dem Logo auch geklärt zu haben: "In seiner Symbolik soll es an indianische Stammeszeichen erinnern und repräsentiert die Werte, die die neue Marke vermitteln möchte: Leidenschaft, Präzision, Entschlossenheit und Mut." Okay, man kann es aber auch als stilisierten Stierkopf interpretieren. Kommt ja schließlich aus Spanien und wird dem Wagen irgendwie umfänglich gerecht.

Denn die 300 PS und die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment, die bereits ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen anliegen, haben mit dem knapp 1,7 Tonnen schweren Sport-SUV leichtes Spiel. Wer die Launch-Control an den Start bringt - ESP off, Cupra-Mode wählen, linken Fuß fest auf die Bremse, rechten voll aufs Gas, Bremse lösen und ab - der wird in 5,2 Sekunden sehen, wie die digitale Tachonadel die 100 überfliegt und der Wagen mit absoluter Leichtigkeit bis auf Tempo 230 nach vorne schießt. Als Endgeschwindigkeit gib Seat, äh Cupra, 247 km/h an. Ja, auch das ist möglich, wirkt aber bei voller Besatzung und mit Last im Kofferraum nicht mehr ganz so spritzig.

Der geht knackig nach vorne

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SUV oder Sportwagen? Der Cupra Ateca ist im besten Sinne beides.

(Foto: Holger Preiss)

Seine Stärken hat der Spanier unten heraus. Jedenfalls, wenn er im Sport- oder Cupra-Mode beschleunigt wird. In Komfort bleibt eine kurze Verzögerung nicht aus, bis der Turbo die nötige Luft zur Verfügung stellt. Das ist aber auch die einzige Lücke, die man dem Cupra Ateca bescheinigen möchte. Das 7-Gang-DSG schiebt die Gänge ohne Verzug hoch und runter. Wer den Pin kraftvoll ins Blech drückt, wird mit knackigen Überschaltvorgängen, also dem Schlag ins Kreuz beim Einlegen der nächsten Schaltstufe und einem sonoren Cupra-Race-Sound belohnt. Der generiert sich übrigens nicht über eine Klappensteuerung, sondern über einen Aktuator. Der ist allerdings so geschickt programmiert, dass er immer präsent ist, aber nie nervt. Auf der Langstrecke grollt er verhalten aus dem Hintergrund, im Sport- und Cupra-Modus schwingt er sich auf und verbreitet echtes Race-Feeling.

Im Zusammenspiel mit der direkten Lenkung, dem straffen Fahrwerk und einem bei Bedarf alle Räder bedienende Allradantrieb kann der Cupra Ateca dann auch echt sportlich bewegt werden. Schnelle Kurven mit richtig engen Radien sind kein Problem. Wie an der Schnur gezogen feuert das SUV durch sie hindurch. Die Sportsitze halten die Mannschaft fest und der Fahrer freut sich, weil die Kiste vorn nicht eintaucht, von hinten nicht schiebt, sondern einfach das tut, was der Pilot befiehlt. Kurz, es ist schon extrem schwer, den Sportfreund aus der Ruhe zu bringen. Einzig, und das sei hier erneut mahnend angemerkt: Wer mal richtig Gas geben will, der sollte vorher den Spurhalteassistent deaktivieren. So denn im Vorfeld das sehr zu empfehlende Fahrsicherheitspaket für 975 Euro geordert wurde. Der Spurhalter, der bis 210 km/h aktive ist, sorgt bereits ab Tempo 180 für eine gewisse Unruhe im Fahrzeug, weil durch die Elektronik ständige kleine Spurkorrekturen vorgenommen werden, was eine unangenehme Bewegung in die Längsbeschleunigung bringt.

"Feuer frei" auf allen Wegen

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Für 42.850 Euro ist der Cupra Ateca bereits üppig ausgestattet.

(Foto: Holger Preiss)

Also aus das Ding und Feuer! Ja, mit Blick auf die wenigen offenen Strecken der Autobahn und der Tempo-Limit-Diskussion soll nicht verschwiegen werden, dass man mit dem Cupra Ateca auch ganz geschmeidig dahingleiten kann. Beide Spielarten wurden im Test ausprobiert und zwar mit gut gefülltem Gepäckabteil. Erfreuliches Ergebnis der über 1400 gefahrenen Kilometer: der Verbrauch. Mit 9,8 Litern im Schnitt empfiehlt sich der Spanier für alle Wege. Und das tut er wirklich. Selbst wenn das Navi - Achtung, Kritik! - den Unwissenden auf abgelegene und völlig vereiste und verschneite Waldwege schickt, ist für den Cupra noch lange nicht Ende im Gelände. Der Fahrmodischalter offeriert nämlich neben den oben angesprochenen Dynamik-Programmen auch eines für Schnee und ein anderes für Offroad. Wenn es richtig arg wird, koppelt die Steuersoftware das XDS-Differenzial, das Doppelkupplungsgetriebe und die Haldex-Kupplung. Und jetzt wird der Cupra Ateca zum Rallye-Wagen. Pflügt über die Piste, zieht vorn, drückt hinten und zwingt mithilfe des Lenkeinsatzes den ausbrechenden Wagen immer wieder in die Spur.

Aus dieser Erfahrung heraus ist dann auch der Umstand verkraftbar, dass der Allradantrieb dem Cupra-Fahrer 25 Liter Kofferraumvolumen klaut. Aber ganz ehrlich, die verbleibenden 485 Liter reichen immer noch für eine unbeschwerte Urlaubsfahrt zu viert. Wer mehr zuladen will, kann die Rückbank umlegen und das Volumen auf 1604 Liter erweitern. Skifahrer wird freuen, dass die Rückbank serienmäßig mit einer Durchreiche versehen ist. Erfreulich ist auch das Platzangebot für die Fahrgäste. Es unterscheidet sich selbstredend nicht von dem des Serienbruders. Einen deutlichen Unterschied mutmaßt der Leser jetzt im Preis. Nicht ganz zu Unrecht. Der Cupra Ateca steigt mit 42.850 Euro ein und ist damit 9000 Euro teurer als ein Seat Ateca mit 150 PS und ähnlicher Ausstattung.

In den Premium-Rang erhoben

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Mit Allrad verliert der Kofferraum des Cupra Ateca gegenüber dem Alltagsbruder 40 Liter Stauraum.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich werden hier Äpfel und Birnen verglichen. Denn fairer wäre der Vergleich mit einem Mercedes-GLA AMG 45. Der geht mit 57.000 Euro an den Start. Unter der Haube pumpt hier ebenfalls ein 2.0-Liter-Vierzylinder mit 381 PS. Der Sound ist klappengesteuert und das gekaufte Image mag ein anderes sein. Aber braucht es das? Man möchte fast die Marke mit dem Slogan "Für alle, die kein Statussymbol brauchen" zitieren. Doch kommen wir zu den Fakten zurück. Nicht nur, dass der Cupra Ateca für den genannten Preis bereits üppig ausgestattet ist, er bietet für weitere 5000 Euro auch noch den Rest an Beigaben, die ihn in den Rang der Premium-Klasse aufsteigen lassen.

Wirklich empfehlenswert ist hier das schon angesprochene Fahrassistenz-Paket, in dem sich neben dem adaptiven Spurhalter auch noch Stau-, Fernlicht-, Parkassistent, Totwinkelwarner, Verkehrszeichenerkennung und Abstandsradar verstecken. Auch die elektrische Heckklappe mit Sensorsteuerung, schlüssellosem Zugang und Alarmanlage für 510 Euro ist eine Überlegung wert. Zudem sollte man nicht auf das Winterpaket für 410 Euro verzichten. Da gibt es nämlich beheizbare Scheibenwaschdüden, beheizbare Vordersitze und eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage. Genauso wenig sollte man sich dem Ablagenpaket für 70 Euro verweigern. Dafür gibt es nämlich nicht nur ein Ablagefach unter dem Sitz, sondern auch eine 12V-Steckdose im Kofferraum. Geschmackssicher ist das Glas-Panoramadach für 1130 Euro. Verzichtbar ist die Brembo-Bremsanlage für 2695 Euro. Es sei denn, man verspürt das dringende Bedürfnis, mit dem Cupra die Bestzeiten auf diversen Rundkursen zu pulverisieren. Für den sportlichen Ausritt im Alltagsprogramm reichen die ab Werk verabreichten Cupra-Stopper allemal aus. Denn bei Bedarf beißen die schon ordentlich zu.

Bomben-SUV auch ohne Navi

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Im Cupra Ateca gibt's perfekte Sportsitze, die für die Langstrecke ebenso taugen wie für die Kurve.

(Foto: Holger Preiss)

Jetzt könnte die Frage aufpoppen, was denn wohl mit einem Navigationssystem wäre. Nichts! Angesichts der Tatsache, dass die neuesten Autobahnabschnitte nicht erkannt und Abfahrten versemmelt wurden und eine Zieleingabe auf wirklich nur für SUV zugänglichen Wegen endete, kann diese Ausgabe getrost eingespart werden. Die Alternative für die Wegführung ist die Spiegelung des Smartphones über Full Link. Ob Google Maps, Apple Karten oder Waze - geht alles und ist 100 Prozent zuverlässiger als das interne Navigationssystem, das aus dem VW-Konzern stammt. Über die Schnittstelle kann auch Musik gestreamt werden und Radioprogramme aus aller Welt sind zu hören. Wer jetzt die 540 Euro für die Beats-Anlage investiert hat, bekommt das alles noch in einem prächtigen Sound serviert.

Zu der Grundausstattung gilt es als noch mal 1000 Euro zu investieren, alles darüber sind schicke Zugaben. Bleibt am Ende ein Bomben-SUV für knapp 45.000 Euro. Dafür gibt es in diesem Segment mit vergleichbaren Parametern momentan nichts. Schon gar nicht ein Auto, das das Interesse der Mitbürger so auf sich zieht wie ein Cupra Ateca.

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Das Herz des Cupra Ateca passt mit seinen 300 PS ganz hervorragend zum spanischen Sport-SUV.

(Foto: Holger Preiss)

Fazit: Wer sich bis dato fragte, warum es neben Seat noch eine Sportmarke Cupra geben muss, der sollte eine Fahrt im spanischen Sport-SUV wagen. Nicht, dass das nicht auch unter der Muttermarke hätte vermarktet werden können, aber es ist ungleich cooler, mit dem Tattoo-Logo unterwegs zu sein und dabei zu wissen, dass man alle Vorzüge des VW-Konzerns unter dem scharf gezeichneten Blechkleid vereint hat. Das Ganze aber gewürzt mit ordentlich spanischem Pfeffer.

DATENBLATTCupra Ateca
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,38 / 1,84 / 1,62m
Radstand2,632 m
Leergewicht (DIN)1615 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen485 / 1604 Liter
MotorReihenvierzylinder Benziner mit 1984 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor300 PS (221 kW) ab 5300 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit247 km/h
Tankvolumen55 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)400 Nm ab 2000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)8,5 - 8,9 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert)9,8 Liter
CO2-Emission kombiniert192 - 201  g/km /Euro 6 (WLTP)
Grundpreis42.850 Euro
Preis des Testwagens48.359 Euro

Quelle: n-tv.de

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