Praxistest

Mini Cooper CabrioletGo-Kart mit Straßenzulassung

28.06.2004, 08:30 Uhr

Der Sommer existiert bisher nur auf dem Kalender, aber das Mini-Cabrio gibt es wirklich: Ab 3. Juli wird es bei den Händlern stehen und der Hersteller gibt mächtig Gas mit seiner knuffigen Erfolgsmarke.

Von Axel F. Busse

Der Sommer existiert bisher nur auf dem Kalender, aber das Mini-Cabrio gibt es wirklich: Ab 3. Juli wird es bei den Händlern stehen und der Hersteller gibt mächtig Gas mit seiner knuffigen Erfolgsmarke. Großflächige Anzeigen und TV-Spots promoten nicht nur ein kleines Auto mit Stoffdach, sondern „ein Stück Lebensstil“, wie es bei BMW heißt.

Der Absatz der geschlossenen Variante hat bereits alle Erwartungen übertroffen, mit dem Cabrio würde BMW gerne eine Modellvielfalt begründen, die möglicherweise auch eine verlängerte Kombi-Version („Wagon“) oder einen offenen Zweisitzer („Speedster“) umfasst. Das Hauptargument zur Kundenwerbung bleibt dabei der Fun-Faktor und wie Probefahrten mit dem 115 PS starken Cooper-Cabrio beweisen, ist das nicht übertrieben.

Im Unterschied zu anderen Cabriolets erlaubt der Mini zwischen offener und geschlossener Fahrt sogar noch eine dritte Variante: Die Stoffmütze öffnet auf Knopfdruck erst einmal um 40 cm, so dass sie als Schiebedach genutzt werden kann und auf Frischluft nicht verzichten muss, wer eine Komplettöffnung gerade nicht mag. Die anschließende Z-Faltung lässt das Dach elegant hinter den Sitzen verschwinden und zum Erstaunen des Testers darunter sogar noch Platz für Gepäck. Werksseitig wird das Volumen mit immerhin 120 Litern angegeben, wer die Rücksitze umlegt, kommt auf respektable 605 Liter.

Mit Ordnung und Übersichtlichkeit nicht viel zu tun, was der Fahrer nach dem Einstieg vor sich sieht. Auch beim Cockpit-Design stand offenkundig „Fun“ im Vordergrund, wobei die beweglich auf der Lenksäule sitzenden Hauptinstrumente originell und dem Minifan durchaus vertraut sind. Die tiefe Sitzposition und die integrierten, verchromten Überrollbügel tragen dazu bei, dass der Cabriofahrer sich mit eingeschränkter Sicht nach hinten arrangieren muss.

Der vergleichsweise große Abstand zwischen Fahrerkopf und Frontscheiben-Rahmen hat aber auch einen sehr angenehmen Effekt. Selbst bei verschärfter Gangart halten sich Luftzug und Wirbel in Grenzen, was dem Mini „offen gestanden“ klare Vorteile gegenüber so manchem Wettbewerber bringt. Das schon sprichwörtliche „Go-Kart-Feeling“ hat der Mini mit dem Verlust des festen Daches natürlich nicht eingebüßt. Flott und geschmeidig lassen sich kurvige Bergstraßen durchmessen, eine aufwändige Vorderachs-Konstruktion vermeidet Antriebseinflüsse in der Lenkung.

Sie ist hydroelektrisch unterstützt und vermittelt direkten Kontakt zur Fahrbahn. Da Cabrios gegenüber ihren geschlossenen Modellvarianten normaler Weise an Verwindungssteifigkeit einbüßen, hat BMW kräftigere Seitenschweller sowie eine verstärkte Bodengruppe montiert. Dank des vergleichsweise üppigen Radstandes von mehr als 240 cm lässt der Fahrkomfort kaum zu wünschen übrig. Das Fahrverhalten ist robust, aber gutmütig, leichtes Untersteuern nahe am Grenzbereich in jedem Fall unschädlich. Die Spurtqualität des knapp 1200 Kilo wiegenden Spassmobils ist nicht atemberaubend, jedoch mit weniger als 10 Sekunden auf 100 km/h durchaus im konkurrenzfähigen Bereich.

Mit mehr als 8 Litern Testverbrauch gehörte der 1,6-Liter-Benziner sicher nicht zu den Spar-Fanatikern. Bei forschem Marschtempo lag das Aggregat damit rund einen Liter über seinem EU-Normverbrauch von 7,3 Litern. Wer statt „Fun“ beim Fahren etwas mehr die Vernunft regieren lässt, dürfte diesem Wert durchaus nahe kommen.

Rund ein Fünftel des Gesamtabsatzes der Marke Mini soll das Cabrio übernehmen. Die Preise: Mindestens 18 300 Euro sind für den Mini-Spaß anzulegen. Wer die Power des im August angekündigten Modells Cooper „S“ spüren will, ist mit 24.000 Euro dabei – wahrlich kein Sonderangebot für 3,65 Meter Auto. Aber wer es einmal gefahren hat, weiß: Im Mini Cabrio sind zweifellos die vergnüglichsten Momente ohne Dach über dem Kopf zu erleben.