Noch ein Rennzwerg von FiatGrande Punto auch als Abarth
Kleine Autos mit viel Power stehen hoch im Kurs. Deshalb legt Fiat nach dem 500er noch einen getunten Grande Punto nach. Trotz dezenter Optik steckt viel Gift hinter dem Skorpion.
Rennzwerge stehen bei den Kunden hoch im Kurs: Klein und handlich, dafür mit großem Spoiler und ordentlich Leistung - nach diesem Rezept haben zahlreiche Hersteller ihre Modellpalette um einen PS-starken Mini-Flitzer ergänzt. Das Teilsegment verzeichnet bei den Zulassungen in Deutschland und Europa anhaltende Zuwächse. Doch anstatt einen Kleinwagen mit sportlich klingenden Buchstabenkombinationen wie "RS" oder "GT" zu versehen, holte Fiat einen prestigeträchtigen Namen aus der Versenkung: Abarth.
Der Grande Punto Abarth ist seit kurzer Zeit in Deutschland im Handel. Außer ihm darf nur noch ein Sondermodell des Fiat 500 das rennsporterprobte Prädikat tragen. Für den italienischen Hersteller ist die Wiederbelebung der Abarths gar "die Rückkehr einer Kultmarke".
Dass Abarth bei auch Jahrzehnte nach den letzten Rennerfolgen immer noch so einen guten Klang hat, liegt daran, dass sie seinerzeit kaum zu überhören waren. Für den eifrigen Bastler oder ambitionierten Kleinwagenfahrer waren unter dem Namen des gebürtigen Österreichers Karl Abarth kernig klingende und leistungssteigernde Auspuffanlagen zu haben. Das Logo mit dem Skorpion signalisierte: "Achtung, giftig!"
Fiat bleibt ganz inkognito
Um diesen Eindruck möglichst nachhaltig in die Gegenwart zu retten, verzichtet Fiat bei seinem Grande Punto auf die Zurschaustellung der eigenen Identität. Das schwarze Frontgitter, die Seiten in Höhe der Türgriffe sowie die Heckklappe sind sämtlich mit dem rot-gelben Skorpion-Wappen dekoriert. Außer den üblichen Schwellern, Kotflügelverbreiterungen und einem Dachkantenspoiler dokumentiert dieser Grande Punto seine Sonderstellung auch durch eine verbreiterte Spur, ein tiefer gelegtes Fahrwerk und Brembo-Bremsen, die durch die 17-Zoll-Alufelgen gut zu sehen sind.
Der 1,4-Liter-Motor schöpft seine zusätzliche Kraft aus der Turboaufladung. Ganze 155 PS liegen an, was bei dem knapp 1200 Kilo schweren Fahrzeug auf ein Leistungsgewicht von etwa 7,6 Kilogramm je PS hinaus läuft. Durch zusätzlichen Kapitaleinsatz kann der leistungshungrige Kunde auch noch den Nachrüstsatz "Super Sport" ordern, der dann für die Entfaltung von 180 PS sorgt.
Auch ohne Nachrüstung kann der Fahrer per Boost-Taste ein zusätzliches Feuer entfachen: Statt der sonst vorhandenen 201 Newtonmeter Drehmoment stehen dann kurzfristig 230 Nm zur Verfügung. Das macht sich beim Fahren in ganz ordentlichem Schub bemerkbar. Schon bei 3000 Umdrehungen ist die maximale Durchzugskraft abrufbar. Das bedeutet zum Beispiel mehr Sicherheitsreserve bei spontanen Überholmanövern. Wenn er soll, rennt der Punto Abarth bis 208 km/h und absolviert den Sprint von Null auf hundert in wenig mehr als acht Sekunden.
Doch die Reue folgt an der Tankstelle. Zwar hat das Auto den Normtest mit einem Durchschnittswert von 6,9 Litern absolviert, im Praxistest mochte der kleine Skorpion sich aber nur unwillig mit weniger als neun begnügen. Wer gern und oft im Sport-Boost-Modus unterwegs ist, hat zwar viel Freude am Fahren, muss dann aber auch mit einem deutlich zweistelligen Verbrauch rechnen. Das ist für einen 1,4-Liter-Motor schon recht happig.
Für die Fahrfreude ist nicht nur der leistungswillige und drehfreudige Motor verantwortlich, sondern auch die sportlich-komfortable Innenausstattung. Die Sitze sind nicht nur sehr bequem, sondern bieten auch bis in die Schulterpartie eine stabile Seitenführung. Ein angenehm weicher und griffiger Lederbezug umgibt das Lenkrad, das deshalb sehr gut in der Hand liegt. An den Griffen für Feststellbremse und Tür fand das gleiche Material Verwendung. Diese Handschmeichler sorgen für eine angenehme Atmosphäre.
Präzise und leichtgängige Lenkunterstützung
Wer den mit 275 Litern übersichtlich bemessenen Kofferraum häufig nutzt, wird sich erst einmal an das Fehlen eines Klappengriffs gewöhnen müssen. Fernentriegelt wird die Tür zum Heckabteil entweder per Taste an der Mittelkonsole oder auf dem Funk-Schlüssel. Dass man anschließend die möglicherweise verschmutzte Klappenkante anfassen muss, ist auch kein Grund zur Freude. Dies, sowie fehlende Höhenverstellung für die Gurte oder Öffnungsmöglichkeiten der hinteren Seitenfenster sind zwar nur Petitessen, doch auch kleine Ärgernisse können die Ausgewogenheit des Gesamteindruck trüben.
Außer auf kurvigen Landstraßen, wo die Güte des sportlichen Fahrwerks voll ausgekostet werden kann, fühlt sich der Grande Punto Abarth auch in der Stadt recht wohl. Die Lenkunterstützung ist präzise justiert, vermittelt einerseits guten Kontakt zur Straße, macht die Lenkung aber beim Rangieren so leichtgängig, dass jede Umdrehungen Freude macht. Die vorderen Insassen fühlen sich bei üppigen Platzverhältnissen sehr wohl, hinten sollte man besser nur Kinder mitfahren lassen. Ihnen fällt es auch leichter, sich beim Einsteigen an den Vordersitzen vorbei zu zwängen.
Außer der soliden Ausstattung, die Fiat für den Grundpreis von 18.100 Euro mitliefert, kann für 350 Euro extra noch ein monitorfreies Navigationssystem bestellt werden. Origineller Weise sitzt der Knopf zur Aktivierung des Systems nicht auf der - übrigens in Wagenfarbe lackierten - Mittelkonsole, sondern am Dachhimmel über dem Innenspiegel. Eher verzichtbar erscheint die Bestellung der Mittelarmlehne für 150 Euro, denn sie kann am Griff zur Handbremse hindern.