Praxistest

Denk nicht an M, denk an N Hyundai i20 N - Performance wie ein Großer

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Mit dem Hyundai i20 N steht einer der letzten potenten Kleinwagen zum Kauf, der nicht nur verspricht, sondern auch ganz klar abliefert.

(Foto: Holger Preiss)

Es gibt sie kaum noch, die kleinen kurvenverschlingenden Straßensportler. Wer heute sportlich fahren will, denkt an AMG oder M. Aber warum nicht mal an N? Hyundai bietet mit dem i20 N nämlich eine preiswerte Alternative, bei der man weder beim Fahrspaß noch beim Sound Abstriche machen muss. Im Gegenteil!

Es gab wahrscheinlich noch nie viele von ihnen, aber im Zuge der Elektrifizierung der Mobilität fallen sie im Straßenbild mehr auf und im vermeintlich umweltschädlichen Gesamtbild hinten runter. Die Rede ist von potenten Kleinwagen, die einst mit Polo GTI, Peugeot 205 GTi oder Renault 5 GT Turbo ihre Hochzeit feierten. Heute ist das Feld dieser gnadenlosen Rennzwerge ausgedünnt und wirklich viel Herzblut wird man seitens der Hersteller wohl auch nicht mehr in deren Entwicklung stecken. Insofern ist es eine wahre Freude, einen der mutmaßlich letzten Vertreter dieser Art in Form des Hyundai i20 N zum Test durch ntv.de zu bitten.

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Hinter dem armdicken Endrohr des Hyundai i20 N verbirgt sich eine Sportabgasanlage mit Klappensteuerung, die ganz feine Musik macht.

(Foto: Holger Preiss)

Wer glaubt, der Koreaner müsse sich vor einem VW Polo GTI verstecken, der irrt. Ja, er hat mit seinen 204 PS glatte 3 PS weniger als der Wolfsburger, aber der Treibsatz, bestehend aus einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, ist ein echter Glücksfall für die 4,07 Meter lange Straßenrakete. Egal in welchem Gang, egal bei welchen Drehzahlen - wenn der Pilot hier per Pedaldruck Leistung haben will, dann bekommt er sie. Natürlich geht das im Drehzahlbereich zwischen 5500 und 6000 am besten, denn da traben tatsächlich 204 Pferde im Galopp über den Asphalt. Bereits ab 1750 Kurbelwellenumdrehungen liegt an den Vorderrädern ein Drehmoment von 257 Newtonmetern an, was die Gummis ordentlich am Straßenbelag kratzen lässt. Keine 250 Newtonmeter später gibt es aber einen Overboost und 304 Newtonmeter reißen den 1,2 Tonnen schweren i20 N samt Besatzung nach vorn.

Wann der richtige Schaltpunkt gekommen ist

Damit der Fahrer auch weiß, wann der richtige Schaltpunkt gekommen ist, haben die Hyundai-Ingenieure das Ganze im Zentraldisplay - wie bei einem echten Rennwagen - visualisiert. Von weiß bis rot laufen im volldigitalen Display die Farbbalken zur Mitte zusammen. Spätestens, wenn die roten zusammenstoßen, sollte der Fahrer den Schaltknüppel bewegt haben. Ja, auch das ein feiner Zug der Koreaner: Beim i20 N ist der Fahrer noch Herr der Gänge. Und damit das im Fahrspaßgefüge hier zu keinen Missverständnissen kommt, ist die Schaltung so knackig und so kurz, dass man sich auch vorstellen könnte, in einem dieser Premiumrenner aus dem Süden Deutschlands zu sitzen. Um dem Fahrvergnügen dann aber noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen und den Pisten-Zwerg noch näher an den Rundkurs zu rücken, hat die Sportschmiede N das N Grin Control System erfunden. Hinter dem Namen verbergen sich fünf Fahrprogramme: Eco, Normal, Sport und N und ein frei konfigurierbares.

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N-Tasten und eine Rev-Taste für die spontane Anpassung des Zwischengas. Feinheiten des Hyundai i20 N, die man sonst nur bei den ganz Großen findet.

(Foto: Holger Preiss)

Und genau da beginnt der Spaß dann richtig. Im N Custom Modus lässt sich nämlich jede einzelne Komponente aus den Einstellungen frei wählen. Ein Netzdiagramm auf dem Touchscreen über der Mittelkonsole soll dabei unterstützen. Wichtig! Die Elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) arbeitet in zwei Modi und kann tatsächlich komplett deaktiviert werden. Mit dem "Rev Matching" wird die Zwischengasfunktion aktiviert, die die Motordrehzahl auch beim Herunterschalten in einem idealen Bereich hält und dafür sorgt, dass jeder Kick auf den Pin in spontane Leistung umgesetzt wird.

Zwischengas mit Rev

Damit das übrigens in jedem Fahrprogramm unabhängig von den Einstellungen gelingt, gibt es am Lenkrad neben den zwei N-Tasten einen roten Rev-Knopf. Mit dem gibt es die Zwischengasfunktion sozusagen auf Daumendruck. Und natürlich darf im Gesamtbild das Soundmanagement nicht fehlen, denn unter dem Bodenblech sorgt eine Sportabgasanlage mit variabler Klappensteuerung für ein bezauberndes Feuerwerk, das aus einem mächtig verblendeten Endrohr tönt. Nun sei aber einschränkend angemerkt, dass es sich hierbei nicht um eine ohrenbetäubende Klangkulisse handelt. Vielmehr ist es im Stand ein sonores, aber kraftvolles Brabbeln und in der Fahrt ein sportlich potentes Spratzen. Und letztlich kann, wer die Nachbarschaft nicht erzürnen möchte oder selbst empfindlich am Gehör ist, das Ganze auch einfach ausschalten.

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Der Dachspoiler des Hyundai i20 N sorgt ab 200 km/h für 20 Kilogramm mehr Anpressdruck.

(Foto: Holger Preiss)

Ob nun mit oder ohne Ton, der i20 N beschleunigt mit serienmäßiger Launch Control in 6,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Damit rechnet übrigens kaum einer, der zur spaßigen Ausfahrt neben dem Fahrer den Platz als Copilot einnimmt. Auch nicht damit, dass der Zwerg am Ende die Tachonadel bis an die 230 bewegen kann. Wobei hier einschränkend gesagt werden muss, dass es bis 215 ohne längere Verweildauer geht, die restlichen 15 km/h müssen dann schon mit einem Quäntchen Geduld aufgebaut werden. Aber wie so oft gilt auch für einen i20 N: Wenn man nicht den Audi- oder Mercedes-Fahrer auf der Autobahn eine lange Nase zeigen will, dann ist die eigentliche Kunst des kleinen Kraft-Koreaners eine ganz andere. Nämlich die der schnellen Kurve.

Knochenhart an den Asphalt gepresst

Das Fahrwerk, die Aufhängung sowie die Bremsen und die Lenkung wurden für den N so verfeinert, dass das Fahren im Grenzbereich zu einem echten Spaß wird. Die Empfehlung an dieser Stelle lautet natürlich für alle, die das bis zum Exzess ausprobieren wollen, sich eine Rennstrecke mit entsprechenden Auslaufzonen zu suchen. Denn wie man weiß: Die Physik kennt ab einem gewissen Punkt keine Gnade. Abgesehen davon kann dem Hyundai aber bescheinigt werden, dass er sogar bei nasser Straße und Dauerregen eine unglaubliche Präzision und Straßenlage garantiert. Kurven werden wie mit dem Zirkel gezogen und es entstand während des Tests nie das Gefühl, als würde der Sport-Zwerg irgendwann den Kontakt zur Fahrbahn verlieren. Dafür hat sicherlich neben der neuen Unterbodenverkleidung und den zusätzlichen Haltepunkten des Fahrwerks der mächtige Dachspoiler gesorgt, der bei 200 km/h zusätzliche 20 Kilogramm Abtrieb garantiert.

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Auch über die Sportsitze des Hyundai i20 N muss kein Klagelied gesungen werden.

(Foto: Holger Preiss)

Was den Fahrspaß betrifft, muss man beim Hyundai i20 N nicht den kleinsten Abstrich machen. Anders ist es beim Fahrkomfort. Der Koreaner macht nämlich keinen Hehl daraus, dass er in erster Linie ein Rennwagen ist. Die Dämpfer und Federn sind extrem straff und arbeiten über wirklich kurze Wege. Das fällt auf feinem Asphalt nicht ins Gewicht, macht sich aber bei Straßenschäden, in welcher Form auch immer sie auftreten, deutlich für die Insassen bemerkbar. Wer die Fuhre schocken will, sucht sich eine Kopfsteinpflasterstraße und schaukelt sie mal so richtig durch. Die Wette gilt: Der Wunsch nach Wiederholung wird so schnell nicht wieder geäußert.

Heißer Preis

Nun geht der i20 N mit 24.990 Euro zu einem echt attraktiven Preis an den Start, für die nochmal ein wenig dynamischere Performance-Ausführung werden 26.990 Euro fällig. In der Letztgenannten gibt es dann neben der wirklich empfehlenswerten Differentialsperre an der Vorderachse auch noch so Feinheiten wie Start-Stopp-Knopf und Smart-Key-System, Klimaautomatik und Sitzheizung. Die ausgezeichneten Stoff-Leder-Sportsitze, 18-Zoll-Räder, Voll-LED-Scheinwerfer und natürlich das digitale Cockpit gibt es bereits in der Grundausstattung. Viel kann am Ende auch nicht mehr in den N konfiguriert werden. Da gibt es lediglich das Assistenzpaket für 690 Euro. Darin enthalten sind Parkpiepser vorn, Querverkehrswarnung, Spurfolgeassistent und Totwinkelwarner. Für die zweite Beigabe in Form des Navigationspakets werden dann schon 1480 Euro fällig. Ob man das in Zeiten von Google Maps und Apple Karten braucht, ist ohnehin die Frage. Und das Bose-Soundsystem kommt auch nicht an die Klappensteuerung ran. Jedenfalls für den einen oder anderen nicht.

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Gut für den Alltag ist der 352 Liter fassende Kofferraum, dessen Volumen auf 1165 Liter erweitert werden kann.

(Foto: Holger Preiss)

Und ansonsten? Ist der I20 N durchaus auch ein Alltagsauto! Denn selbst in dem sensiblen Punkt Verbrauch hat sich der Sportfreund erstaunlich souverän geschlagen. Aus dem Test ging er mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,2 Litern. Das ist aller Ehren wert und bei anderen Herstellern mit weit weniger Engagement des Fahrers nicht mal bei Dreizylindern mit Mild-Hybrid zu erreichen. Ansonsten bietet der i20 N jetzt keine üppigen Platzverhältnisse, aber immerhin so viel, dass auch Gäste in der zweiten Reihe je nach Körpergröße ganz angenehm sitzen können. Und bei einem Kofferraumvolumen von 352 bis 1165 Litern ist zwar keine Weltreise, aber eine Urlaubs- oder Einkaufsfahrt ohne größeres Bangen möglich.

DATENBLATTHyundai i20 N Performance
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,07 / 1,77 / 1,44 m
Leergewicht (DIN)1190 - 1220 kg
Radstand2,58 m
Sitzplätze5
Ladevolumen352 / 1165 Liter
MotorVierzylinder-Turbo-Benziner mit 1598 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Leistung150 kW/204 PS
KraftstoffartSuper
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
max. Drehmoment275 Nm bei 1750 - 4500 U/min Overboost: 304 Nm bei 2000 - 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,2 s
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert) NEFZ6,7 / 6,0 / 7,0 l
Testverbrauch8,2 l
Tankinhalt40 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
158 g/km
EmissionsklasseEU 6d
Grundpreis24.990 Euro
Preis des Testwagens29.730 Euro

Fazit: Der Hyundai i20 N ist für Freunde der ernst zu nehmenden dynamischen Fahrt, der vielleicht auch mal auf die Rennstrecke gehen möchte, die erste Wahl. Denn ein VW Polo GTI kostete mindestens 5000 Euro mehr und kann es ganz bestimmt nicht besser. Zudem wird man auch unter den teureren Angeboten keines finden, bei dem wie bei Hyundai fünf Jahre Garantie gegeben werden.

Quelle: ntv.de

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