Praxistest

48 Volt für den Kleinen Kia Rio - der hat schon was Besonderes

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Im GT-Line-Kleid bekommt der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 auch optisch etwas Sportliches.

(Foto: Holger Preiss)

Eine 48-Volt-Technologie gibt es bei Kleinwagen eher nicht. Kia hat sich diesen Luxus beim Rio 1.0 T-GDI 120 geleistet und macht ihn damit schon zu etwas Besonderem. Im ntv.de-Praxistest zeigte der Koreaner aber auch noch andere Vorzüge.

Im Zuge der Elektrifizierung beschleicht einen das Gefühl, dass das auch das Todesurteil für die Kleinwagen ist. Denn machen wir uns nichts vor, der hier für den Akku zur Verfügung stehende Bauraum ist gering, SUVs sind im Trend und Stauraum hat so ein City-Flitzer dann auch nicht. Also warum hier investieren, wenn die Leute eh anderes bevorzugen? Angesichts dieser natürlich rein fiktiven Denkweise ist der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 so etwas wie das gallische Dorf von Asterix und Obelix, das sich mutig gegen die Römer wehrt, die natürlich immer in der Überzahl sind.

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Mit seiner 48-Volt-Technologie ist der Kia Rio eine Ausnahme im Revier der Kleinwagen.

(Foto: Holger Preiss)

Der Zaubertrank für den Rio ist die 48-Volt-Technologie, die zum einen mit dem neuen "intelligenten Schaltgetriebe" - wie es Kia nennt - angeboten wird. Zum anderen mit einem Sieben-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe. Da im Kleinwagensegment aber häufiger zum manuellen Getriebe gegriffen wird und es ja zudem was ganz Neues sein soll, hat ntv.de den Rio mit intelligentem Rührgriff zum Praxistest gebeten. Und das gleich mal vorneweg: Es schaltet sich prima. Was jetzt aber nicht an der elektronisch gesteuerten Kupplung liegt. Die hat eine andere Funktion. Wer im Eco-Modus fährt - und in dem eröffnet der Rio jede Fahrt - der hat die Möglichkeit zu segeln, weil hier der Verbrenner abgeschaltet und vom Getriebe getrennt wird.

Echter Gewinn auf der Langstrecke

Genau das ist einer der Vorteile des hier verwendeten Mildhybridsystems, das eine 48-Volt-Batterie und einen Startergenerator beinhaltet, der sowohl beim Beschleunigen den Verbrenner unterstützt als auch die Energierückgewinnung gewährleistet. Allerdings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass sich der Gewinn beim Spritverbrauch hier besonders auf der Langstrecke bemerkbar macht. Mit seinem knapp 45 Liter fassenden Tank schafft der kleine Koreaner bei zurückhaltendem Gasfuß bis zu 630 Kilometer. Wer es etwas schneller mag, und der Rio schafft in der Spitze 190 km/h, der zieht 100 Kilometer ab, was aber immer noch ein beachtlicher Wert ist. Am Ende stehen hier im Schnitt 6,2 Liter auf der Uhr.

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Mit einer Länge von 4,07 Meter wuselt der Kia Rio auch ganz patent durch die Stadt.

Etwas durstiger gibt sich der aufgrund seiner Länge von 4,07 Metern ausgezeichnet in die Stadt passende Rio dann aber schon. Trotz der 48-Volt-Batterie wurden im steten Stop-and-Go satte 8,2 Liter verbrannt. Erst wenn der Koreaner rollen kann, wird er wieder sparsamer im Verbrauch. Nun ist der Durst das eine, der Fahrspaß das andere. Zugegeben, ein Sportwagen wird aus dem Kleinwagen auch mit GT-Line-Label nicht. Aber der Standardsprint gelingt im Sportmodus in 10,2 Sekunden. Und richtig stark ist, dass die Elektronik dann im zweiten Gang Zwischengas gibt. Eben wie bei einem echten Boliden. Ja, der Dreizylinder-Sound passt da nicht so ganz ins Bild, aber der ist ja bekanntermaßen der Sechszylinder des kleinen Mannes.

Dabei bleibt es dann auch auf der Autobahn. Hier sollte man das nutzen, was man mit drei Töpfen, 120 PS und leichtem Nachschub aus der 48-Volt-Batterie hat, aber um Gottes Willen keine Rennen fahren. Weil die, die einem Rio 1.0 T-GDI 120 zeigen wollen, wo ihr Auspuff sitzt, schaffen das in der Regel auch. Auf kurvigen Landstraßen sieht das etwas anders aus, denn zum einen glänzt der Koreaner mit einer recht passablen Lenkung, zum anderen macht auch das Fahrwerk einen guten Job. Einzig bei Querfugen reagiert es etwas sensibel und vor allem an der Hinterachse recht nervös. Das tut dem Gesamtbild und dem Fahrspaß aber keinen Abbruch, den hat der Fahrer dennoch.

Ein bisschen viel Hartes

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Optisch ist das Cockpit gelungen, nur bei der Materialwahl überwiegt der harte Kunststoff.

(Foto: Holger Preiss)

Einzig die Geräuschkulisse im Innenraum ist doch bei einigen Straßenbelägen sehr dicht am Kleinwagen dran. Etwas mehr Dämmung wäre hier wünschenswert. Wünschenswert wäre auch etwas weniger Hartplastik im Innenraum. Das Dashboard, Türinnenverkleidungen und Mittelkonsole machen schon einen recht knochigen Eindruck. Aber weil man ja auch nicht ständig mit den Händen da rumfummelt, die lieber am belederten Lenkrad hält, hat man auch Zeit, sich über das analoge Zentraldisplay zu freuen, das mit Tacho, Drehzahlmesser und roten Zeigern irgendwie mehr Sportlichkeit vermittelt als die ganzen bunten Welten der digitalen Anzeigen. Zugegeben, diese Meinung ist absolut subjektiv.

Die, dass das Display in der Mittelkonsole mit Navi für über 1000 Euro Aufpreis auch Apple CarPlay und Android Auto spiegeln kann, hingegen nicht. Das funktioniert ebenso reibungslos wie die Verbindung des Smartphones über Bluetooth. Wer sein Handy allerdings laden will, muss den USB-Anschluss in der Mittelkonsole nutzen, eine induktive Ladefläche gibt es nicht. Schön übrigens auch der Umstand, dass unterhalb des 8 Zoll großen Touchscreens echte Menütasten sind, über die sich häufig gebrauchte Anwendungen wie zum Beispiel Medien, Radio oder das Navi direkt ansteuern lassen. In dem Display spiegelt sich selbstredend auch das Bild der Rückfahrkamera. War das vor Jahr und Tag in dieser Klasse noch kurz vor unterirdisch, zeigt der Kia Rio hier ein geradezu perfektes Bild und das selbst bei wenig Licht.

Wirklich viel fürs Geld

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Die Sitze im Kia Rio sehen nicht nur ganz schick aus, sie taugen auch für die Langstrecke.

(Foto: Holger Preiss)

Weil der Autor vorhin den wirklich sparsamen Verbrauch des Kia Rio 1.0 T-GDI 120 auf der Langstrecke ins Feld geführt hat, soll nicht verschwiegen werden, dass auch die Sitze für diese Distanz taugen. Jedenfalls in der ersten Reihe und auch hier sollte der Fahrer die 1,90 Meter nicht überschritten haben. Alles, was darunter ist, darf sich mit dem Kleinen ruhig auf die Fernreise wagen. Dabei sollte die Rückbank aber nur mit Kindern besetzt sein, denn bereits normal gewachsene Erwachsene dürften hier nach einiger Zeit keinen Spaß mehr haben.

Wer hingegen zu zweit reist, findet mit 325 Litern Stauraum ein für diese Klasse geradezu üppiges Gepäckabteil vor. Wenn die Rückenlehne der Rücksitze flach gemacht wird stehen hier nicht nur 1103 Liter Stauraum zur Verfügung, sondern auch ein nahezu planer Ladeboden. Insofern hat der Kia Rio gerade als Mildhybrid richtig viel zu bieten. Nur beim Preis von 22.350 Euro könnte der eine oder andere etwas schlucken, denn alles oberhalb der magischen 20.000 Euro ist für einen Kleinwagen schon eine Stange Geld. Denn der Einstieg in einen Rio beginnt bei 84 PS und 14.590 Euro. Aber Achtung: Die meisten der hier beschriebenen Zutaten gibt es dafür natürlich nicht. Insofern ist das im Vergleich immer ein schwieriges Ding. Was es hingegen immer gibt, sind sieben Jahre Garantie. Ein immer noch einzigartiges Versprechen, das sich auch noch kein anderer Hersteller getraut hat zu geben.

DATENBLATTKia Rio 1.0 T-GDI 120
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,07 / 1,72 / 1,45m
Leergewicht (DIN)1205 - 1303 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen325 / 1103 Liter
MotorDreizylinder-Benziner mit Turboaufladung, 998 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Leistung88 kW/120 PS
KraftstoffartSuper
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
max. Drehmoment200 Nm 2000 - 3500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 s
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)4,9 / 4,3 / 4,5 l
Testverbrauch6,2 l
Tankinhalt45 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
125 - 122 g/km
EmissionsklasseEU 6 (AP)
Grundpreis21.350 Euro
Preis des Testwagens23.780 Euro

Fazit: Der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 ist schon etwas Besonderes. Nicht nur wegen seiner langen Garantie, auch wegen seiner 48-Volt-Technologie, die man sonst nur in größeren und wesentlich teureren Fahrzeugen findet. Hinzu kommt seine universelle Anwendbarkeit. Vom Stadtabenteuer bis zum lang ersehnten Strandurlaub ist hier alles drin. Selbst sportlich kann der Koreaner sein, wenngleich es hier dann doch ein paar Einschränkungen gibt, die im Alltagsbetrieb aber nicht ins Gewicht fallen dürften.

Quelle: ntv.de

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