Praxistest

Viel fürs Geld Kia Sportage - Power-Diesel im Praxistest

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Der Kia Sportage war schon immer ein gestandenes SUV, sieht aber jetzt noch besser aus.

(Foto: Holger Preiss)

Der Diesel ist noch nicht tot und das SUV stellt alle anderen Karosserieformen in den Schatten. Dennoch kämpfen beide um ihr Image. Neue Technologien wie der Mildhybrid im Kia Sportage sollen Abhilfe schaffen. Aber klappt das in Gänze?

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Vor allem im GT-Kleid macht der Kia Sportage eine richtig dynamische Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Es ist schon erstaunlich, aber tatsächlich fuhr der letzte Kia Sportage im Juli 2015 zum Praxistest bei n-tv.de vor. Drei Jahre später hat sich nicht nur das Design des koreanischen SUV verändert, sondern auch die Technik. Heute steht ein 2,0-Liter-Turbodiesel mit Euro 6d-Temp vor der Tür, der stärkste Selbstzünder, den Kia im Sportage verbaut. Satte 185 PS generiert das Triebwerk und drückt bereits ab 1750 Kurbelwellenumdrehungen 400 Newtonmeter auf alle vier Räder. Das verspricht nicht nur einen flotten Ampelstart, es erfüllt ihn auch. In 9,5 Sekunden schiebt sich das 4,49 Meter lange und immerhin 1,8 Tonnen schwere SUV an der 100-km/h-Marke vorbei. Das geschieht nicht ganz geräuschlos, aber wenn das neue 8-Stufen-Wandlerautomatikgetriebe die ersten drei Ebenen überlaufen hat, geht es deutlich leiser voran. Wird der Druck auf den Pin unvermindert beibehalten, fährt der Kia am Ende 200 km/h schnell.

Zu beachten gilt, dass der sportliche Vortrieb in der oben beschriebenen Form nur funktioniert, wenn auch der entsprechende Modus Sport eingestellt ist oder der Pilot die wohlgeformten Schaltwippen hinter dem Lenkrad benutzt. Dann spricht der Motor auf die Gaspedalbewegung noch einen Tick spontaner an, das Getriebe schiebt die Gänge bei höheren Drehzahlen ein und die Lenkunterstützung wird etwas reduziert. Das macht den Sportage in Summe aber nicht zu einem Sport-SUV. Dazu ist die Lenkung etwas zu indirekt und das Fahrwerk, das Unebenheiten von den Reisenden gut fernhält, bei schnellen Lastwechseln deutlich überfordert. Hier fängt es an, sich weit zur Seite zu neigen und über die Vorderachse zu schieben, obgleich der Allradantrieb mit Torque-Vectoring einen größeren Versatz verhindert.

Sportlicher Antritt, aber kein Sportler

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Auch in der Silhouette fehlt es dem Kia Sportage nicht an den Attributen der Sportlichkeit: große Räder, Seitenschweller, abfallende Dachlinie und Dachspoiler.

(Foto: Holger Preiss)

Selbst im schicken GT-Look mit schwarzem Kühlergrill, Nebelscheinwerfern mit vierfachem LED-Strahl, den 19-Zoll-Leichtmetallrädern oder den wirklich fetzigen Doppelendrohren am Heck wird der Sportage keine Sportskanone. Die will der Wagen aber auch gar nicht sein. Fakt ist: Man kommt mit ihm flott voran, kann Kurven ebenso durchlaufen und freut sich im normalen Fahrbetrieb über die angenehme Laufkultur des Selbstzünders. Genau der ist aber seiner Gattung entsprechend vor allem auf der Langstrecke zu Hause, wo er mit einem niedrigen Verbrauch punkten soll.

Das gelingt ihm aber nicht per se, sondern durch eine technische Finesse, die dem Sportage, dessen korrekte Bezeichnung eigentlich 2.0 CRDi 185 EcoDynamics+ ist, unter die Haube und das Heck gezaubert wurde: ein 48-Volt-System. Bei dem Testwagen handelt es sich also um einen Mildhybrid, der dem Turbodiesel elektrisch unter die Arme greift. Im Wesentlichen zeichnet sich das System durch drei Komponenten aus: eine Lithium-Ionen-Batterie, einen Mildhybrid-Startergenerator und einen Gleichspannungswandler für den Energieaustausch zwischen den beiden Bordnetzen, also dem 48-Volt- und dem 12-Volt-System.

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Der 2,0-Liter-Diesel im Kia Sportage ist ein feines Triebwerk und mit 48-Volt-Technologie richtig druckvoll. Leider mit 7,9 Litern im Schnitt nicht so sparsam wie erwartet.

(Foto: Holger Preiss)

Der Startergenerator ist über einen Riemen mit der Kurbelwelle verbunden und mobilisiert bis zu 16 PS Leistung. Das Aggregat kann als Elektromotor den Antrieb unterstützen und als Generator die Batterie laden. Im Antriebsmodus stellt es bei starker Beschleunigung zusätzliches Drehmoment zur Verfügung, während es beim leichten Beschleunigen dem Verbrenner Arbeit abnimmt und dadurch dessen Motorlast und Kraftstoffverbrauch reduzieren soll. Im Lademodus wandelt der Startergenerator beim Abbremsen, Bergabfahren oder Ausrollen die dadurch gewonnene kinetische Energie in elektrische um, die dann in der 48-Volt-Batterie gespeichert wird. Es wird also rekuperiert. Die Arbeitsweise des Systems kann auch auf dem 8 Zoll großen rahmenlosen Touchscreen in der Mittelkonsole verfolgt werden.

Keine Überraschung beim Verbrauch

Nun müsste die Arbeitsweise des Mildhybrid in einem Praxistest gar nicht so ausführlich erklärt werden, denn der Fahrer spürt von dem ganzen Hintergrundgedöns eigentlich nichts. Lediglich im Stadtverkehr mit vielen dicht aufeinander folgenden Ampel-Stopps kann es etwas ruckelig werden. Denn wenn die Batterie ausreichend geladen ist, wird der Motor beim Ausrollen oder Bremsen ab 30 km/h automatisch abgeschaltet. Sobald der Fahrer das Gaspedal betätigt, schaltet sich der Motor wieder zu und der Wagen zieht unvermittelt an. Dieses Hoppeln, das einen sehr schnell unangenehm nah an die Stoßstange des Vordermanns bringt, kann nur unterbunden werden, wenn die Start-Stopp-Automatik deaktiviert wird.

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Der Innenraum ist gut verarbeitet und lässt nichts vermissen.

(Foto: Holger Preiss)

Leider zeigt das System am Ende des Tages nicht den gewünschten Einsparungseffekt. Nachdem die Reichweitenanzeige und der Momentan-Verbrauch in einem üblen Missverhältnis standen, wurde der Dreisatz angewendet und ein Durchschnittsverbrauch von 7,9 Liter über 100 Kilometer errechnet. Erfahren wurde dieser Wert wie immer im Wechsel von Stadtverkehr, Autobahn und einem verhältnismäßig kleine Teil Landstraße. Mit Blick auf die Fahrzeuggröße, und die Jahreszeit geht der Wert dann auch in Ordnung, hätte aber wahrscheinlich mit einem Diesel ohne Batterieunterstützung ebenso erreicht werden können.

Der kann auch ziehen

Hier relativiert sich dann auch der Preis des Testwagens: 45.660 Euro will Kia für den Sportage mit großem Diesel und 48-Volt-Technik haben. Allerdings gibt es dafür eben nicht nur die Technologie für den kleineren Durst und mehr Druck, sondern auch das Sportkleid in Form der GT-Line-Ausstattung und einen Allradantrieb mit "Downhill"- und "Lock"-Funktion. Wird letztgenannte auf rutschigem Untergrund betätigt, erfolgt die Kraftverteilung zu gleichen Teilen an Vorder- und Hinterräder. Zudem gibt es für das Geld eine serienmäßige Gespannstabilisierung, was den Koreaner, der 2,2 Tonnen an den Haken nehmen kann, gleichsam zu einer veritablen Zugmaschine macht.

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In der ersten Reihe gibt es nicht nur Ledersitze, die sind auch noch beheizbar und zu belüften.

(Foto: Holger Preiss)

Und im Innenraum? Wird der Fahrer nichts vermissen. Ja, Tacho und Drehzahlmesser machen ihre Angaben analog und vielleicht hätte man auf den einen oder anderen Knopf in der Mittelkonsole verzichten können, aber ansonsten ist alles da, wo es hingehört. Der Touchscreen passt sich fein in das Dashboard ein, was vor allem die Menschen freut, die es nicht frei schwebend mögen, die Schalter und Knöpfe haben akzeptable Druckpunkte, das Lenkrad ist beledert und angenehm griffig und im Testwagen ballert auch noch die Lieblingsmusik aus einer JBL-Anlage mit acht Lautsprechern und einer externen Endstufe.

Wie aus einem Guss

Bespielt wird das Ganze entweder über das Multimediasystem direkt oder über das durch Apple CarPlay oder Android Auto gespiegelte Smartphone. Fahrer oder Beifahrer können das aus elektrisch verstellbaren, belüfteten und beheizbaren Lederpolstern bedienen, die straff, aber nicht unbequem sind, gerne aber etwas mehr Seitenhalt bieten dürften. In der zweiten Reihe haben die Passagiere angenehm viel Platz, wobei sich die Rücklehne im Neigungswinkel verstellen lässt. Wegen der Batterie unterhalb des Kofferraums ist das Volumen an dieser Stelle etwas reduziert. Lediglich 439 Liter stehen zur Verfügung. Allerdings darf angemerkt werden, dass das zu keinem Moment des Praxistests ein Problem war. Zudem kann das Ladevolumen hinter der elektrisch aufschwingenden Heckklappe nach dem Umlegen der Rückbank auf 1428 Liter auf einer planen Fläche erweitert werden.

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Der Kofferraum des Kia Sportage schrumpft durch den darunterliegenden Akku auf 439 Liter bei aufgestellter Rückenlehne.

(Foto: Holger Preiss)

Noch etwas gibt es für die fast 46.000 Euro: zeitgemäße Assistenten. Dazu gehört die Rückfahrkamera mit 360-Grad-Blick, der Totwinkelwarner ebenso wie der Querverkehrswarner, ein adaptiver Tempomat, der bis Tempo 180 selbständig arbeitet und der aktive Spurhalteassistent. Allerdings ist dessen Wirkweise doch arg limitiert. Zwar verspricht Kia, dass er durch leichte Lenkbewegungen das Fehlverhalten des Fahrers korrigiert, spürbar war das aber nicht. Wer also beim Verlassen der Spur nicht selber am Volant dreht, der wird sich schnell im Graben wiederfinden. Dafür erfreut der Stauassistent, den Kia wohl nicht so nennt, mit akkuraten Leistungen. Tempo an den Vordermann anpassen, Abstand halten, bremsen und wieder anfahren, alles wie aus einem Guss. Und weil es keinen Hersteller gibt, der seine Fahrzeuge mit sieben Jahren Garantie versieht, außer eben Kia, sei dies an dieser Stelle auch noch erwähnt.

Fazit: Mit dem Sportage hat Kia in der zweiten Generation ein schickes SUV auf die Beine gestellt, das als Mildhybrid in dieser Klasse eine Seltenheit und etwas sparsamer unterwegs ist. Auch was Ausstattung und Verarbeitung betrifft, muss sich der Koreaner nicht verstecken. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass es hier eine Garantiezeit von sieben Jahren gibt.

DATENBLATTKia Sportage 2.0 CRDi 185 EcoDynamics+
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,49 / 1,85 / 1,65 m
Radstand2,67 m
Leergewicht (DIN)1747 - 1880 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen439 / 1428 Liter
MotorReihenvierzylinder mit 1995 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Wandlerautomatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor185 PS (136 kW)
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Tankvolumen55 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)400 Nm bei 1750-2750 min
Beschleunigung 0-100 km/h9,5 Sekunden
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)6,2 / 5,4 / 5,8 Liter (NEFZ)
Testverbrauch (kombiniert)7,8 Liter
CO2-Emission kombiniert153 g/km /Euro 6d-Temp
Grundpreis41.690 Euro
Preis des Testwagens45.660 Euro

Quelle: n-tv.de

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