Praxistest

Naturbursche nur für die City? Kia Stonic - Lausbube mit rauem Tonfall

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Mit Mut zur Farbe und kurzen Überhängen: Der Kia Stonic hat sich seinen Platz unter den Mini-SUV verdient.

(Foto: Axel F. Busse)

Das erste volle Verkaufsjahr in Deutschland hat der Kia Stonic hinter sich und mit rund 9000 Neuzulassungen eine ganz gute Figur abgegeben. Da er in einem reich bestückten Segment antritt, müssen die Entwickler irgendetwas richtig gemacht haben. Was, das zeigt der n-tv.de Praxistest.

Oft in knalligem Gelb, aber auch in anderen Tönen sehr farbenfroh rollt der Stonic durch die Straßen. Seiner Optik nach möchte man ihm zutrauen, auch jenseits des Asphalts einen souveränen Auftritt hinzulegen, doch das täuscht wie bei so vielen Autos seiner Klasse. Die rustikale SUV-Optik wird nicht durch einen Allradantrieb unterstützt. Anders als zum Beispiel beim Mazda CX-3 ist für Kias kleinen Kracher keine 4x4-Option vorgesehen.

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Mit 17-Zoll-Leichtmetallfelgen wächst die Bodenfreiheit des Kia Stonic auf 183 Millimeter.

(Foto: Axel F. Busse)

Mehr als ein Dutzend Fahrzeuge ließen sich nennen, die auf dem deutschen Markt um die Gunst der SUV-affinen Kleinwagen-Kundschaft werben. In diesem Getümmel wird es für die Hersteller immer wichtiger, sich durch optische Merkmale abzugrenzen. Ausgestellte Radhäuser, Beplankung und ein kantig-rustikales Design reichen schon nicht mehr aus. Die Farbpalette spielt eine große Rolle, am besten mit Kontrastlackierung am Dach und möglichst noch mit Applikationen der Außenfarben im Innenraum. Der Stonic kann dies alles, Kia lässt es sich aber auch gut bezahlen. Metallic-Effekte und Kontrasttöne sind mit 850 Euro zu vergüten.

Der kleinste Motor im Sortiment ist der ein Liter große Dreizylinder-Turbo, eine Spezifikation, die sich auch bei anderen Herstellern findet. Frühzeitig hat Kia dafür die Abgasnorm 6d-Temp verwirklicht. Im Testwagen leistete diese Antriebsvariante 120 PS und sie gibt im günstigsten Fall 172 Newtonmeter Drehmoment ab. Das ist nicht wirklich viel, da tut es schon gut, wenn diese Durchzugskraft schon ab 1500 Umdrehungen zur Verfügung steht. Eine erstaunliche Vielfalt bietet das Antriebsprogramm. Für fünf verschiedene Motorisierungen – davon zwei Diesel - werden drei Getriebevarianten vorgehalten.

Diesel führt ein Schattendasein

Dies ist außer der 6-Gang-Handschaltung und einer Automatik auch ein Doppelkupplungsgetriebe. Dafür werden 1500 Euro Aufpreis verlangt, während der Wandler-Automat für 1200 Euro zusätzlich zu haben ist. Ob die beiden 115 und 136 PS starken Diesel dauerhaft im Programm bleiben werden, muss sich noch erweisen. Nicht einmal drei Prozent der deutschen Stonic-Kunden entschieden sich 2018 für einen Selbstzünder.

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Während der Kia Stonic außen peppig daherkommt, gibt er sich im Inneren eher traditionell.

(Foto: Axel F. Busse)

Technisch kann der seit September 2017 erhältliche Stonic die Verwandtschaft mit dem Modell Rio zwar nicht verleugnen, optisch lässt sie sich aber nicht belegen. Dazu ist der Rio zu bieder und Stonic mit den schmalen Scheinwerfern und dem breiten Lufteinlass sowie den kurzen Überhängen an Front und Heck einfach zu flippig. Die schwarz umrandeten Radhäuser, die kecke Dachreling und der Unterfahrschutz am Heck sind Signale für das erwünschte Rabauken-Image. Mit 4,14 Metern Länge emanzipiert sich die Karosserie vom Kleinwagen und ragt schon fast an die Kompaktklasse heran.

Kia bietet das Modell Stonic in vier verschiedenen Ausstattungslinien an. Der Testwagen gehörte zur Variante "Spirit", die mit dem Einliter-Turbobenziner mindestens 22.350 Euro kostet. Für diese Summe bringt der Wagen einiges an kleidsamem und nützlichem mit, zum Beispiel 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Berganfahrhilfe, Isofix-Kindersitzhalterungen, Müdigkeitssensor, beheizbares Lenkrad und Sitzheizung vorn, höhenverstellbaren Fahrersitz, Multifunktionslenkrad, USB-, AUX- und Bluetooth-Schnittstellen, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Fernlichtassistent, Abbiegelicht, Klimaautomatik, Regensensor, Nebelscheinwerfer und Rückfahrkamera. Für das Fahrzeug verbaute Navigationssystem berechnet Kia 790 Euro Aufpreis.

Das Platzangebot im Stonic zeugt von einer gelungenen Raumaufteilung. Die Schulterbreite für die Passagiere vorn beträgt 1,38 Meter. Auch hinten geht es dank 2,58 Metern Radstand einigermaßen komfortabel zu, und dann bleiben sogar noch 352 Liter Kofferraum übrig, was den in der Kompaktklasse üblichen Dimensionen nahe kommt. Durch Umlegen der Rücksitzlehnen werden 1155 Liter daraus und es gibt keine Stufe, die das Beladen erschweren könnte. Die Coolness der Außengestaltung findet im Cockpit keine Entsprechung, es spiegelt eher die Technikverliebtheit überholter Gestaltungs-Prinzipien wider. Viele Knöpfe und Schalter sollten technologische Kompetenz vermitteln, nur gut, dass in diesem Falle die Übersichtlichkeit nicht gar so sehr gelitten hat.

Ruhig mal ins Gelände wagen?

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Für üppige Beinfreiheit reichen 2,58 Meter Radstand zwar nicht, aber der Platz ist ausreichend.

(Foto: Axel F. Busse)

Der kernige Klang des Dreizylinders passt zum rustikalen Auftritt des Stonics, doch machen ein rauer Tonfall und ein Lausbuben-Gesicht noch keinen Naturburschen vom Schlage eines Offoaders. Auch dann nicht, wenn der Hersteller in den technischen Daten den Böschungs- und Rampenwinkel nennt, wie es bei Geländewagen üblich ist. Immerhin bringt es der Fünftürer mit seinen 17-Zoll-Alus auf 183 Millimeter Bodenfreiheit. Er hat seine Stärken dennoch auf der Straße, der Rest in gut gemeintes Schaulaufen. Federn und Dämpfer kommen minderer Fahrbahnqualität ganz gut zurecht, nur bei Querfugen geht so mancher Ruck durch die Kabine. Dank des früh einsetzten Drehmoment-Maximums steht ausreichend Temperament zur Verfügung, denn mit rund 1300 Kilogramm Masse hat der Motor keine Probleme.

Ein wenig mehr als zehn Sekunden vergehen, bis die 100 km/h-Marke geknackt ist. Dazu sollte man nicht nur ein geübter Handschalt-Fahrer sein, sondern auch mit dem knochigen Gefühl seinen Frieden gemacht haben, das der Ganghebel bei jedem Übersetzungs-Wechsel überträgt. Mit der wohltemperierten Lenkung hat man die Fuhre gut im Griff und beim Rangieren auf engem Raum hilft die Rückfahrkamera. Auf der Autobahn so richtig aus sich heraus gehen wollte der Testwagen freilich nicht: Statt der werksseitig angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h verharrte die parallele GPS-Messung bei Tempo 172.

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Mit 352 Litern Kofferraum reicht der KIa Stonic schon fast an die Werte der Kompaktklasse heran.

(Foto: Axel F. Busse)

Dreizylinder-Aggregate folgen der Idee, dass eine Verkleinerung des Hubraums einen günstigen Verbrauch nach sich zöge. Die Beispiele, wo das in der Praxis und uneingeschränkt zuträfe, sind leider rar gesät. Der Kia-Motor macht da keine Ausnahme. Zwar soll er, je nach Bereifung, zwischen 5,2 und 5,5 Liter/100 km im kombinierten Betrieb verbrauchen, doch der Langzeitspeicher des Testwagens sagte etwas anderes. Demnach waren es 7,1 Liter auf den zurück liegenden 7000 Kilometern. Rund zehn Prozent davon wurden für diesen Test gefahren mit einem Ergebnis von 6,9 Litern.

Fazit: Bunt und peppig, handlich und vielseitig – so punktet der Kia Stonic beim Publikum. Mit ordentlich Platz und Zweckmäßigkeit untermauert er, dass auch ein Showman Sinn fürs Praktische haben kann. Zwar erfüllt der neue Dreizylinder nicht alle Erwartungen an seine Wirtschaftlichkeit, dafür hat Kia aber das Prinzip der umfangreichen Ausstattung ab Werk wiederbelebt, mit dem die koreanischen Marken einst groß wurden.

Datenblatt

Kia Stonic 1.0 T-GDI Spirit

Abmessungen LxBxH

4,14 / 1,76/ 1,52 m

Radstand

2,58 m

Leergewicht (EU)

max. 1278 kg

Sitzplätze

5

Ladevolumen

352 - 1155 l 

Maximale Zuladung

455 kg

Motor

3-Zylinder Reihenmotor, 998 ccm Hubraum

max. Drehmoment

172 Nm bei 1500 - 4000 U/min

Getriebe

6-Gang manuell

Leistung

120 PS (88 kW) bei 6000 U/min

Kraftstoffart

Super-Benzin 

Antrieb

Vorderachsantrieb

Höchstgeschwindigkeit lt. Herst.

184 km/h

Messwert

172 km/h

Beschleunigung 0 - 100 km/h

10,3 Sekunden

Krafstoffverbrauch nach NEFZ
 

5,5 Liter/100 km  

Testverbrauch

6,9 Liter/100 km

Tankinhalt

45 Liter

CO2-Emissionen
(Normverbrauch)

130 g/km

Grundpreis

22.350 Euro

Preis des Testwagens

24.880 Euro

Quelle: n-tv.de

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