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Schick sieht der Mazda CX-3 in seinem Kodo-Kleid schon aus.
Schick sieht der Mazda CX-3 in seinem Kodo-Kleid schon aus.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 02. Januar 2018

Der kann noch auf allen Vieren: Mazda CX-3 - besser ohne Turbo?

Von Holger Preiss

Die SUV erobern seit einiger Zeit auch das Segment der Kleinwagen. Mazda fährt mit dem CX-3 ganz vorne mit. Optisch überzeugt der Kleine durch sein Design und auch technisch hat der Japaner einiges zu bieten. Aber reicht das in der Praxis?

Kraftvolles Heck und Allradantrieb zeichnen den Mazda CX-3 aus.
Kraftvolles Heck und Allradantrieb zeichnen den Mazda CX-3 aus.(Foto: Holger Preiss)

Vor rund zwei Jahren in den Markt gebracht, führt der kleine Bruder des CX-5, der Mazda CX-3, die Verkaufsrangliste der Japaner in Deutschland an. Das hat seinen Grund: Das kleine SUV kommt in seinem Kodo-Design-Anzug nicht nur recht schick daher, es hat auf Wunsch auch einige technische Raffinessen an Bord, die Mitbewerber in dieser Klasse bis dato vermissen ließen. Aber die Konkurrenz schläft nicht und mit dem Seat Arona oder einem Hyundai Kona treten Gegner auf den Plan, die man nicht unterschätzen sollte. Und auch VW plant mit dem T-Cross einen Schlag in die Mini-SUV-Richtung.

Volle Kraft ohne Turboloch

Doch wie dem auch sei, zum Test bei n-tv.de fuhr der Mazda CX-3 in seiner wohl interessantesten Motorisierung vor. Unter der Haube arbeitet der 2,0-Liter-Vierzylinder mit 150 PS, ein Benzin-Direkteinspritzer ohne Turboaufladung. Ohne Turboaufladung? Ja, tatsächlich hat Mazda sich vom Downsizing ferngehalten und so ein Triebwerk ohne Turboloch geschaffen. Das Aggregat reagiert erstaunlich spontan auf Gaspedalbewegungen und schiebt angenehm linear an. Das macht umso mehr Spaß, wenn die 204 Newtonmeter maximales Drehmoment ab 2800 Kurbelwellenumdrehungen anliegen. Wer die volle Kraft der 150 Pferde erleben möchte, muss das Gaspedal solange gedrückt halten, bis die Nadel des Drehzahlmessers, der wie bei Porsche das zentrale Instrument im Blickfeld des Fahrers bildet, die 6000 geknackt hat. Ohne Turbo dreht es bis dahin aber nur langsam aus. Das ist auch der Grund, warum es dem Triebwerk in den oberen Gängen deutlich an Punch fehlt.

Ohne Turboaufladung sparsam: der Skyactive-Motor von Mazda.
Ohne Turboaufladung sparsam: der Skyactive-Motor von Mazda.(Foto: Holger Preiss)

Der Vortrieb erfolgt umso angenehmer, als dass der 150-PS-Benziner einen Allradantrieb offeriert und die Elektronik die Kraft je nach Bedarf an die Vorder- und Hinterachse schickt. Das sorgt für Fahrstabilität in flott durchfahrenen Kurven, die auch durch die serienmäßig verbaute Fahrdynamik-Regelung G-Vectoring Control unterstützt wird. Das alles bringt erstaunlich viel Fahrspaß für ein Crossover-SUV dieser Größenordnung. Getrübt wird das Vergnügen nur durch eine etwas hakelige Sechsgangschaltung. Vor allem an der Kreuzung, wenn es darum geht, den ersten Gang einzuschieben, musste einige Male ziemlich geruckelt werden, um vom Fleck zu kommen.

Richtig schnell geht's nicht

Zieht der Vierender dann aber an, geht er gut zur Sache: Lediglich 8,7 Sekunden dauert es aus dem Stand, bis Tempo 100 erreicht ist. Das Datenblatt verspricht in der Spitze übrigens die doppelte Geschwindigkeit. Letztlich kann das an dieser Stelle nicht bestätigt werden. Ab 192 km/h ließ sich der digitale Tacho nur noch in Minischritten in die angestrebte Richtung bewegen. Und ganz ehrlich? Die Fahrt in diesem Bereich macht keinen Spaß mehr. Ab etwa 170 km/h wird das Triebwerk, das ohnehin kein Leisetreter ist, im Ton deutlich rauer. Hinzu kommen Wind- und Rollgeräusche, die jede sprachliche Kommunikation verhindern. Als Reisegeschwindigkeit empfiehlt sich hier Tempo 160. Damit ist man gut unterwegs, kann sich von den hohen Seitenwangen der sportlichen Sitze umfangen lassen, die keinen unangenehmen Druck aufbauen und die Fahrt auch über längere Strecken genießen.

Die Sitze im Mazda CX-3 laden zum Verweilen ein und auch im Fond gibt es für kleine Erwachsene ausreichend Platz.
Die Sitze im Mazda CX-3 laden zum Verweilen ein und auch im Fond gibt es für kleine Erwachsene ausreichend Platz.(Foto: Holger Preiss)

Apropos lange Strecken. Wer wie oben beschrieben mit dem CX-3 durch die Lande rauscht, der darf sich über einen Durchschnittsverbrauch von 7,6 Litern freuen. Im Stadtverkehr wird es mit knapp 8,0 Litern kaum mehr. Wer einen Blick ins Datenblatt wirft, stellt fest, dass es im Stadtverkehr sogar 0,1 Liter weniger, im Drittelmix hingegen 1,2 Liter mehr sind, die konsumiert werden. Insgesamt sehr ordentliche Werte, die vor allem abseits des Downsizings zu überraschen wissen. Nun könnte man angesichts des Gesagten meinen, der kleine Crossover Mazda wäre ein ideales Urlaubsauto. Ja, könnte er sein, aber er ist bei aller versprochenen Größe mit 4,27 Metern Länge und 1,76 Metern Breite ein Kleinwagen. Für Fahrer, Beifahrer und Kinder in der zweiten Reihe reicht der Platz ohne Weiteres aus. Eng wird es beim Verstauen der Koffer. Der Stauraum wird zwar mit 350 Litern angegeben, ist aber in der Tiefe mit einer Sporttasche von 62 Zentimetern Länge ausgefüllt. Wer die Rücklehne der Fondsitzbank umlegt, erhält aber immerhin eine plane Fläche, die 1260 Liter fasst.

Platz ist, was man daraus macht

Dass das Platzangebot knapp ist, wird noch an anderer Stelle deutlich. Die Ablagefläche für das Smartphone in der Mittelkonsole fasst nicht mal ein Endgerät mit einer maximalen Seitenlänge von 14 Zentimetern. Wer also ein iPhone 6, 7 oder 8 dort ablegen will, wird scheitern. Wer es gar mit S-Größen versucht, könnte gar verzweifeln. Unklar auch, warum lediglich der Beifahrersitz ein Staufach an der Rückenlehne hat. Schön sind dafür das große Handschuhfach und das Brillenfach im Dachhimmel. Ansonsten gibt es noch Staufächer in den Türinnenseiten, die auch 1,0-Liter-Flaschen aufnehmen und guten Halt bieten.

Die 350 Liter Kofferraumvolumen hören sich nach mehr an, als sie am Ende zu bieten haben.
Die 350 Liter Kofferraumvolumen hören sich nach mehr an, als sie am Ende zu bieten haben.(Foto: Holger Preiss)

Was den Mazda CX-3 dann aber doch wieder für die Langstrecke prädestiniert, ist die Vielzahl der verfügbaren Helferlein. Für zusätzlich 690 Euro gibt es ein Navigationssystem, das kostenpflichtig mit weiteren Onlinediensten erweitert werden kann. Gesteuert wird die Multimediaeinheit übrigens kinderleicht über einen Druckdrehsteller in der Mittelkonsole. Auf Wunsch sollen auf dem 7 Zoll großen Touchscreen auch die Blitzer angezeigt werden, die den Weg der Reisenden säumen. Im Falle des Testwagen blieb die Warnung allerdings über drei Bundesländer und insgesamt sechs stationären Porträtmaschinen aus. Wer weitere 1200 Euro investiert, der bekommt einen Spurhaltewarner, der mit brummenden Ton vor dem Überfahren des Seiten- oder Mittelstreifens warnt, einen Müdigkeitswarner, eine Verkehrszeichenerkennung – die allerdings das Navi voraussetzt -, ein dynamisches Kurvenlicht, Fernlichtassistenten, City-Notbrems-Funktion und Bose-Soundsystem. Am wichtigsten ist aber der adaptive Geschwindigkeitsassistent mit Abstandsradar. Leider arbeitet der erst ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h, taugt also nicht als Stauassistent. Seine Arbeit auf der Autobahn im fließenden Verkehr verrichtet er aber tadellos.

Ist der CX-3 zu teuer?

Was am Ende aber einen richtig bitteren Beigeschmack hat, ist der Preis. Nicht die 1890 Euro für die mehr als sinnvollen Assistenten trüben hier den insgesamt guten Eindruck, sondern die Summe, die bereits vor den Sonderausstattungen steht. Das sind nämlich immerhin 25.740 Euro. Ja, dafür ist der Fahrersitz elektrisch verstellbar, die Polster sind beledert und auch die Türinnenverkleidungen und die Seitenflächen der Mittelkonsole. Für das Geld gibt es auch einen Querverkehrs- und Totwinkelwarner sowie ein Head-up-Display, das allerdings seine Daten auf einer Plexiglasscheibe darstellt, die ziemlich ungünstig vor dem Scheibenwischer und der Kante der Motorhaube steht, was das Ablesen eher schwierig gestaltet. Hinzu kommt eine recht plastiklastiges Dashboard. Natürlich ist der harte Kunststoff dort verbaut, wo sich nur die Finger eines Autojournalisten hin verirren und die eines Autobesitzers, der sein Fahrzeug liebevoll putzt.

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt, nur auf das Dashboard mögen sich die Finger nicht verlieren.
Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt, nur auf das Dashboard mögen sich die Finger nicht verlieren.(Foto: Holger Preiss)

Doch wenn wir uns hier schon über den Preis mokieren, soll nicht unerwähnt bleiben, dass ein Hyundai Kona mit ähnlicher Ausstattung 30.000 Euro kostet und ein Seat Arona mit 27.000 Euro zu Buche schlägt. Der hat allerdings keine elektrisch verstellbaren Sitze und kein Leder. Hinzu kommen 35 PS weniger als beim CX-3. Auf Allrad müssen beide verzichten, hier hat Mazda die Nase eindeutig vorn. Ein Automatikgetriebe gibt es für alle drei. Allerdings handelt es sich bei dem Japaner um einen 6-Gang-Wandler mit Überbrückung. Die Koreaner und die Spanier nutzen hingegen ein Doppelkupplungsgetriebe. Die einen nennen es DCT, die anderen DSG.

Fazit: Der Mazda CX-3 mag mit 27.630 Euro teuer wirken, reiht sich damit aber in die Preispolitik der Konkurrenten ein. Der Testwagen konnte vor allem durch sein 150 PS starkes Triebwerk und den damit einhergehenden Verbrauch punkten. Der kleine Crossover aus Japan ist kein Raumwunder, glänzt aber mit guter Verarbeitung und einigen Features, die die Hartplastikeinlagen schnell vergessen machen. Eine Sportskanone ist der Mazda nicht, überzeugt dafür aber in der Stadt durch gutes Handling und auch bei gemessener Gangart auf der Langstrecke. Wer keine Lust hat, den Handschalter etwas hakelig durch die Gassen zu schieben, der sollte bei Interesse eine Testfahrt mit dem Automaten wagen.

DATENBLATTMazda CX-3 SKYACTIV-G 150 AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,27 / 1,76 / 1,53 m
Radstand2,57 m
Leergewicht (DIN)1235 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen350 / 1260 Liter
Motor4-Takt Ottomotor SKYACTIV-G mit 1998 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Systemleistung110 kW / 150 PS bei 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Tankvolumen44 Liter
max. Drehmoment204 Nm bei 2800 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,7 Sekunden
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)8,1 / 5,5 / 6,4 Liter
Testverbrauch (kombiniert)7,6 Liter
CO2-Emission kombiniert150 g/km
EffizienzklasseD / EU6
Grundpreis23.240 Euro
Preis des Testwagens27.630 Euro

Quelle: n-tv.de