Direktlenkung gegen AufpreisNeustart mit SLK
Von älteren Modellen unterscheidet sich der neue SLK optisch kaum. Unter dem Motto "mehr Leistung, weniger Verbrauch" will Mercedes an den Markt zurückfinden, gegen Bares mit angenehmen Extras.
Wenn zur Markteinführung am nächsten Sonnabend sich die Neugierigen zu den Mercedes-Händlern aufmachen, um den neuen SLK in Augenschein zu nehmen, wäre es gut, wenn die Sonne schiene. Dann nämlich könnte so mancher sein derzeitiges Benz-Cabrio anspannen und im direkten Vergleich die Frage beantworten: Was ist eigentlich neu am modellgepflegten Roadster?
Denn wie immer, wenn der Absatz eines Autos schwächelt, bringt der Hersteller auch diesmal eine aufgefrischte Ausgabe auf den Markt. Zwar hält der SLK in seinem Segment einen hohen und stabilen Marktanteil, aber mehr als 27 Prozent Absatzrückgang in Deutschland, den der SLK 2007 gegenüber dem Vorjahr zu verkraften hatte, lassen es als gute Entscheidung erscheinen, in diesem Frühjahr das Verdeck eines gründlich renovierten SLK zu öffnen. Auch wenn er fast aussieht wie der alte.
Mehr Leistung für zwei Motoren
Dem Zeitgeschmack entsprechend wird von Mercedes die Formel "Mehr Leistung, weniger Verbrauch" propagiert. Diese Eigenschaft ist in erster Linie zwei der vier angebotenen Motoren zuzuschreiben, denn der SLK 200 Kompressor und der SLK 350 können auf einen beachtlichen PS-Zuwachs verweisen. Der 1,8-Liter-Einsteiger leistet nun 184 PS (plus 21 PS), und der Dreiliter-V6 derer 305, was einem Plus von 33 PS entspricht. Unverändert blieben der SLK 280 mit 231 PS und die V8-Topmotorisierung SLK 55 AMG mit 360 PS. Der Vierzylinder-SLK soll laut Werksangabe 7,7 Liter verbrauchen, der 350er mit 7-Gang-Automatik 9,2 Litern je 100 Kilometer. Das sind 0,3 Liter weniger als das Auto nach Norm mit Schaltgetriebe konsumiert, allerdings ist die G-Tronic nur beim AMG-Modell serienmäßig. Für alle anderen Modelle kostet sie 2261 Euro extra.
Da die zweite Generation des Stahlklappdach-Pioniers noch immer zeitgemäß und elegant wirkt, sind die Veränderungen an der Optik zurückhaltend ausgefallen. Eine subtile Veränderung ist deshalb wichtig, um die Vorgängermodelle nicht zu alt aussehen zu lassen. Gleichzeitig soll aber eine für den Kunden spürbare Attraktivitätssteigerung erreicht werden. Durch eine stärkere Pfeilung der Bugschürze unterhalb des Kennzeichenträgers und eine stärkere Profilierung rund um den Markenstern wird eine dynamische Frontoptik erreicht. Das Heck wird nun bestimmt durch fünf zwischen den jetzt eckigen Endrohren angedeutete Diffusor-Lamellen. Das bewirkt den Eindruck einer angehobenen Heckpartie und betont die keilförmige Gesamterscheinung.
Griffiger Fahrbahnkontakt
Die abgesehen von der Motormodifikation wichtigste technische Änderung gibt es leider nur gegen Aufpreis. Die Direktlenkung. Für zusätzliche 315 Euro gibt es spürbar mehr Fahrvergnügen und mehr gefühlte Agilität. Der Fahrbahnkontakt ist förmlich mit Händen zu greifen und die Fahrwerksrückmeldung ist unmittelbar. Nicht umsonst hat Mercedes die erste Präsentation des überarbeiteten SLK an die Côte d'Azur gelegt, wo es an verwegenen Bergpässen und engen Spitzkehren nicht mangelt. In solcher Umgebung, wo die rein mechanisch arbeitende Lenkhilfe schon wenig außerhalb der Mittellage direkt und prompt den Einschlag in Seitwärtsbewegung übersetzt, kommt wahrlich Freude auf.
Die kann auch nicht dadurch getrübt werden, dass der jetzt "Sportmotor" genannte V6 die versprochenen 9,2 Liter deutlich übertrifft. Fahrfreude gibt es eben nicht zum Nulltarif und einen SLK ordert niemand, um damit den Hungerkünstler zu geben. Wer den Ausritt mit einer aktiven Bedienung der 7G-Tronic per Lenkradpaddel krönen will (+273 Euro) sollte vorher bewusst in den manuellen Getriebemodus wechseln. Zwar nimmt das Getriebe auch in Automatikstellung die Schaltbefehle an, jedoch kann es dann zu unnötigem Ausdrehen der Fahrstufen oder doppeltem Zurückschalten kommen, was der bis auf 6500 Umdrehungen ausgelegte Motor mit fauchendem Missfallen quittiert.
"Airscarf" gegen lästige Zugluft
Auch wenn das eilige Kurvenwedeln mit dem SLK ungeheuren Spaß macht, so ist er fürs gemütliche Cruisen ebenso gut geeignet. Die Luftdüsen unterhalb der Kopfstützenpolster, Airscarf genannt, sind jeden Cent ihrer 470 Euro Aufpreis wert. In drei Stufen lässt sich die warme Luft in den Nacken fächeln, was zu Freiluftvergnügen auch deutlich jenseits des kalendarischen Sommers einlädt. Das Gebläse macht jedoch nicht das Windschott überflüssig, dessen Standardvariante mit 83 Euro erstaunlich preisgünstig ist. Standesgemäß und optisch ansprechender ist das transparente Schott, für das der Händler weitere 303 Euro auf die Rechnung schreibt.
Nicht für Geld erhältlich, aber äußerst sinnvoll wäre jedoch, die beim Öffnen des Daches im hinteren Kotflügel verschwindenden kleinen Seitenscheiben von Hand wieder hervorholen zu können. Die paar Quadratzentimeter Glas können eine erstaunliche Wirkung gegen Zugluft entfalten, wie andere Roadster beweisen. Mercedes hat diese Funktion nicht vorgesehen, und zwar mit der Begründung, die notwendige Stabilität für diese Scheibe könnte nur die Einfassung des geschlossenen Daches garantieren. Sei's drum, wird der Airscarf eben auf maximale Leistung aufgedreht oder die lederne Sturmhaube reaktiviert.
Mit 36.500 Euro, sagt die Preisliste, ist der Zustieg in den flotten Zweier möglich. Besser man kalkulierte gleich mit 40.000, damit man die aufgezählten Extras auch genießen kann. Mit der Überarbeitung zeigt der SLK, dass er zu Unrecht lange als "Friseusen-Benz" verunglimpft wurde. Und ganz nebenbei bringt das Auto mit 300 Litern Kofferraumvolumen noch mehr Alltagstauglichkeit mit als manche Konkurrenten.