Praxistest

Schön, sparsam und skurril Peugeot 508 - ein Löwe zum Verlieben

DSC_5932.jpg

Der Peugeot 508 gehört zweifellos zu den schnittigsten Coupé-Limousinen, die derzeit auf dem Markt sind.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem 508 hat Peugeot eine wirklich schöne Coupe-Limousine auf die Räder gestellt. Mit 225 PS unter der Haube und 8-Gang-Wandlerautomatik wird der Franzose auch noch zu einem echten Sportler. Seinen Eigenheiten bleibt er aber treu.

DSC_5826.jpg

Am Heck des Peugeot 508 strahlen die Löwenkrallen in LED.

(Foto: Holger Preiss)

Es bauchpinselt einen schon, wenn man mit seinem Auto an die Tankstelle fährt, der Tankwart mit großen Augen auf einen zukommt und sagt: "Das ist aber ein geiles Rot! Und überhaupt sieht der echt schick aus. Was ist denn das für einer?" Da man diese Ansprache nicht erwartet hat, schwillt einem jetzt nicht der Kamm über die 800 Euro, die man für das Metallic Ultimate Red extra berappt, sondern die Brust und man verkündet: "Ein Peugeot 508!" "Oh, das hätte ich jetzt nicht gedacht", kommt es zurück. "Ich hatte mal einen 5er BMW in einer ähnlichen Farbe, mit V8."

Na gut, denkt der Angesprochene jetzt fast wieder ein wenig verprellt, ein 540i (E60) ist der 508 nicht. Unter seiner Haube pumpt kein 4,0-Liter-V8, sondern ein 1,6-Liter-Vierzylinder. Der leistet auch keine 306 PS, sondern hier galoppieren "nur" 225 Pferde. Doch betrachtet man die schnöden Leistungsdaten, ist der kleine Franzose gar nicht so weit von dem dicken Achtender entfernt. Immerhin schmettert er auf Wunsch 300 Newtonmeter auf die Vorderachse, beim BMW waren es seinerzeit 390 Newtonmeter maximales Drehmoment, das da an die Hinterräder geleitet wurde.

Genug mit den Vergleichen

DSC_6068.jpg

Für den Peugeot 508 ein wirklich gelungenes Triebwerk, der 1,6 Liter PurTech mit 225 PS.

(Foto: Holger Preiss)

Doch genug mit den Vergleichen! Der Löwenmarke ist mit dem aufgepumpten Vierzylinder ein ganz famoses Triebwerk gelungen, das im Zusammenspiel mit der neuen Achtgang-Wandlerautomatik ein feines Paar abgibt. Über drei Fahrmodi kann man entscheiden, wie die Gänge durch die Gassen gleiten. Die Spielarten reichen vom nicht zu spürenden Hinübergleiten in Comfort bis zum knackigen Überschalten in Sport. Bei letztgenannter Übung gibt es einen sanften Schlag ins Kreuz, wenn die nächste Stufe eingelegt wird, und eine deutlich gesteigerte Tonalität des Triebwerks.

Das macht besonderen Spaß, wenn sich der Käufer des 508 1,6 l PureTech für die Ausstattungslinie GT entschieden hat. Der hat nämlich auch ein ASC, also eine adaptive Fahrwerksregelung. Die detektiert nicht nur die Straßenbeschaffenheit und lässt den Franzosen bei Unebenheiten fein ausfedern, es strafft ihn auch, wenn den Pilot der Hafer sticht und sich auf Autobahn oder Landstraße in die Rolle des legendären Jean Alesi träumt. Jetzt liegt der 4,75 Meter lange 508 satt auf dem Asphalt und folgt willig den Lenkvorgaben des Fahrers. Selbst das skurril kleine Lenkrad, das Peugeot nicht nur im 508 verbaut, stört hier nicht mehr. Es kommt sogar etwas Go-Kart-Feeling auf, wenn man sich an den kleineren Einschlagwinkel gewöhnt hat.

DSC_5946.jpg

Das schicke Rot für den Peugeot 508 kostet 800 Euro Aufpreis.

(Foto: Holger Preiss)

An der Ampel schießt das viertürige Coupé locker aus den Startblöcken und verbläst mit 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h auch gern die nicht so potente deutsche Konkurrenz, mit der sich der Franzose seit Jahrzehnten misst. An Stellen, an denen es statthaft ist, kann der Pilot den Löwen auch problemlos bis auf Tempo 250 beschleunigen. Erfreulich ist auch der Verbrauch. Peugeot hat es tatsächlich geschafft, dem kleinen potenten Benziner den Durst abzugewöhnen. Über 1000 Testkilometer über alle Wege begnügte sich das Triebwerk im Schnitt über 100 Kilometer mit 8,4 Litern Super. In Summe ist das alles so erfreulich, dass man die schon erwähnten Design-Skurrilitäten, die mit dem Volant nicht abgeschlossen sind, gerne übersieht. Denn bei aller Eigenwilligkeit hat Peugeot sich schon bemüht, den Fahrer aufs Engste in das Fahrzeug einzubinden.

Es fehlt der Faden der Ariadne

Das Cockpit ist dem Piloten, ebenso wie der 12,3 Zoll große TFT, zugewandt, die Erreichbarkeit der optisch wie Klaviertasten wirkenden "Toggle Switchs" für die Direktsteuerung der Menüs ist problemlos und auch die Sensortasten, die die Sitz- oder Scheibenheizung und die Klimaanlage steuern, verkünden ihren Arbeitswillen über einen dezenten Piepton. Warum man allerdings für die Feinjustierung in die Menüs über das TFT wie Theseus in die Höhle des Minotaurus absteigen muss, erklärt sich nicht. Zumal dem Suchenden hier der rote Faden der Ariadne fehlt.

DSC_6037.jpg

Der Fahrer wird in den Peugeot 508 fest eingebunden.

(Foto: Holger Preiss)

Aber egal, die Sitze sind ein Traum, von der Aktion Gesunder Rücken zertifiziert und mit ihrer Massagefunktion machen sie die Fahrt im 508 zur Wellness-Fahrt. Auch die dicke Steppung der Lederpolster ist sehr schön anzusehen und die Seitenwangen bieten einen ausgesprochen guten Halt in schnell gefahrenen Kurven. Denn, wie gesagt, das kann der Franzose. Was aber mehr als ärgerlich ist, ist der Umstand, dass im Testwagen die Kopfstütze nicht mehr richtig arretiert und am Hinterkopf wackelt wie der berühmte Lämmerschwanz. Auch der Blick auf die äußeren Seitenwangen bereitet keine Freude. Bereits nach 15.000 Kilometern sind sie zerknittert wie das Leder in anderen Fahrzeugen nach 115.000 Kilometern. Das sorgt in zweierlei Hinsicht für Unmut. Zum einen zieht man die sonst wirklich gute Qualität des Wagens in Zweifel, zum anderen kommt die Frage auf, ob die 1350 Euro für das Leder - neben der Farbe die einzige Zusatzzahlung die man beim GT leisten muss - wirklich notwendig gewesen sind.

Beim Parken ein echter Franzose

Keine Fragen kommen bei den Assistenten auf. Die sind umfänglich und beim GT schon in den 46.000 Euro drin. Dazu gehört ein adaptiver Spurhalteassistent ebenso wie ein automatischer Lenkeingriff oder ein Abstandsradar mit Stauassistent, der den Wagen selbständig abbremst und wieder in Bewegung setzt. Selbst der aktive Totwinkelassistent funktioniert ganz ausgezeichnet. Welche Schritte gerade eingeleitet werden, erfährt der Fahrer über das volldigitale Display in seinem Blickfeld, in dem sich Tacho und Drehzahlmesser immer noch gegenläufig bewegen. Natürlich kann der Franzose auch ohne Zutun des Fahrers einparken. Warum aber dafür von der Wahl des Wie bis hin zum Einlenken vier Schritte notwendig sind, erschließt sich nicht.

Peugeot 508 Innenraum.jpg

Super bequeme Sitze im Peugeot 508. Leider scheint das Leder früh seine Gebrauchsspuren zu bekommen.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn es denn aber so weit ist, merkt man, dass der 508 ein echter Franzose ist. Kein anderer Hersteller würde seiner Elektronik erlauben, ein Auto in Lücken zu schieben, in denen zu Vorder- und Hintermann nur noch jeweils vier Zentimeter Platz sind. Chapeau dafür! Wenn der Wagen sich dann aber auch noch trauen würde, etwas dichter an den Kantstein zu fahren, wäre der Einparkvorgang perfekt und für jeden Großstadteinsatz tauglich.

Tauglich ist auch der Kofferraum. Durch die abfallende Dachlinie wird man mit dem Wagen nicht den Schrank aus dem Möbelhaus holen, aber die Urlaubssachen für vier Personen sollten sich auf den 487 Litern Stauraum schon unterbringen lassen. Und wenn es ganz eng wird, lässt sich die Rücklehne im Verhältnis 40/60 umlegen. Allerdings bleibt an der Knickfläche eine Kante, plan wird der Ladeboden - der sich so auf 1537 Liter erweitert - nicht. Und noch ein Hinweis für die Urlaubsreise: Die Besatzung in der zweiten Reihe wird nicht über zu wenig Platz klagen. Allerdings könnte es sein, dass kleineren Menschen der weit nach hinten geneigte Winkel der Rückenlehne nicht gefällt, weil so der Schluss zwischen Lenden und Lehne verloren geht. Der Grund, warum Peugeot diesen Winkel gewählt hat, ist klar: Personen, deren Kopf weiter nach hinten geneigt ist, sind weiter vom Autodach entfernt.

DSC_6063.jpg

Einen Besuch im Möbelhaus empfiehlt sich mit dem Peugeot 508 als Coupé-Limousine nicht. Für den Urlaub reichen aber 487 Liter allemal aus.

(Foto: Holger Preiss)

Fazit: Peugeot hat mit dem 508 nicht nur ein schnittiges Auto im Portfolio, sondern bietet mit dem 225 PS starken GT für 46.000 Euro auch eine echte Alternative zur deutschen Premium-Konkurrenz an. Natürlich muss man sich auch hier mit den französischen Eigenarten anfreunden. Wer das nicht will, der sollte die Finger vom 508 lassen. Wer hier aber offen ist, der findet ein bis in die letzte Lüftungsdüse sehr individuell gestaltetes Auto, das mit Sicherheit nicht nur dem Tankwart ins Auge sticht, den man gar nicht so oft besuchen muss.

DATENBLATTPeugeot 508 1.6 L PURETECH 225
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,75 / 1,86 / 1,40 m
Radstand2,80 m
Leergewicht (DIN)1632 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen487 / 1537 Liter
MotorVierzylinder mit 1598 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Wandlerautomatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor225 PS (165 kW) ab 5500 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Tankvolumen62 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)300 Nm / ab 1900 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,3 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)5,7 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert)8,4 Liter
CO2-Emission kombiniert131 g/km (Euro 6d-Temp)
Grundpreis46.000 Euro
Preis des Testwagens48.500 Euro

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema