Praxistest

Der Kleine für viele Wege Seat Arona - Stadtfreund mit Offroad-Attitüde

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Der Seat Arona sieht höher aus, als er am Ende ist.

(Foto: Holger Preiss)

SUV liegen im Trend - nicht nur in der Oberklasse. Selbst bei den Kleinwagen setzen die Hersteller auf die trendigen Kraxler. Seat bietet mit dem Arona ein Stadt-SUV an. Aber reduziert man den Spanier darauf, wird man seiner Universalität nicht gerecht.

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Angedeuteter Unterfahrschutz, verplankte Radhäuser und ein kräftiger Schweller: Der Seat Arona hat optisch alles, was ein SUV auszeichnet.

(Foto: Holger Preiss)

Neben den großen SUV zeigen sich auf den Straßen immer mehr kleine Urban-Offroader. Kaum ein großer Hersteller, der dem Boom folgend nicht ein solches Fahrzeug ins B-Segment stellt. Auch Seat hat mit dem Arona ein Stadt-SUV im Portfolio. Seit vergangenem Herbst bietet sich der Spanier mit 68 hippen Farbkombinationen und umfänglicher Konnektivität einer eher jüngeren Käuferschicht an. Die soll vor allem von der vielfältigen Nutzbarkeit des Crossover begeistert werden. Ein guter Grund, den Arona nach Berlin zum Alltagstest zu bitten. Beim Vortrieb fiel die Wahl auf den größeren Dreizylinder mit 115 PS und das 7-Gang-Doopelkupplungsgetriebe.

Wie sich im Verlauf der Testfahrten ergab, war diese Entscheidung auch goldrichtig. Wider Erwarten hatte das aus 1000 Kubikzentimetern 115 PS generierende Triebwerk keine Mühe, den Arona aus den Startblöcken zu bringen. Knapp 10,0 Sekunden dauert es, bis der 1,2 Tonnen schwere Crossover an der 100 km/h-Marke vorbeizieht. Dabei liegen nicht nur die 200 Newtonmeter maximales Drehmoment bereits ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen an, sondern das Doppelkupplungsgetriebe stellt sie mehr als willig bereit. Die Ingenieure haben die ersten drei Gänge recht kurz ausgelegt, was vor allem im Sportmodus für knackige Schaltvorgänge sorgt. Ein Umstand, der einmal mehr zeigt, dass die Spanier die sportliche Ausrichtung ihrer Fahrzeuge weiter zum Credo machen.

Kein Dynamiker

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Sportsitze und mit Rücksicht ausreichend Platz in der zweiten Reihe bietet der Seat Arona.

(Foto: Holger Preiss)

Aber Achtung: So sehr der kleine Dynamiker unter der Haube auch den Kick verspricht, so vorsichtig ist damit umzugehen. Der Spanier beschleunigt immerhin bis Tempo 182. Das ist in Verbindung mit dem nur in den unteren Gängen etwas rauen, aber im flotten Lauf sehr leisen Aggregat auch der Grund, warum auf der Langstrecke 150 km/h schnell zur Reisegeschwindigkeit werden. Wer jetzt aber gezwungen wird, eine Vollbremsung hinzulegen, der wird merken, dass er keine Sportbremsanlage im Arona hat. Die Zangen krallen sich zwar ordentlich in die Scheiben, aber ein leichter Verzug des Wagens, den der Fahrer über die feinnervige Lenkung korrigieren muss, ist im Test nicht zu vermeiden. Allerdings sind ABS und ESP hier sehr gute Helfer. Auch sehr schnell gefahrene Kurven sind des Aronas Sache nicht. Hier schiebt er deutlich über die Vorderräder, was auch an dem recht komfortabel ausgelegten Fahrwerk liegen dürfte.

Dafür tut sich der Arona mit Querfugen oder Kopfsteinpflaster nicht schwer, lediglich die Hartplastik gibt hier Laut. Alles Ungemach schlucken die Dämpfer und halten es von den Insassen fern. Das macht den Spanier im Zusammenspiel mit einem 400 Liter fassenden Kofferraum und ausreichend Platz in der zweiten Reihe zu einem tauglichen Familienauto, mit dem auch die Langstrecke kein Problem ist. Aber nicht nur hier zeichnet sich der Arona aus. Dank einer Länge von 4,14 Metern lässt er sich absolut spielerisch durch die Straßen der Stadt dirigieren. Den Parkplatz sucht sich der Crossover bei entsprechender Ausstattung und auf Knopfdruck selbst und fädelt sich dann längs oder quer zur Fahrbahn ohne großes Zutun des Fahrers in die oder aus der entsprechenden Lücke. Lediglich die Bremse muss betätigt und der Vorwärts- oder Rückwärtsgang eingelegt werden, alles andere übernimmt die Technik im Test absolut fehlerfrei.

Assistenten fast wie bei einem Großen

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Optisch schick, aber mit viel harter Plastik, präsentiert sich das Cockpit des Seat Arona.

(Foto: Holger Preiss)

Fehlerfrei arbeitet zudem das Abstandsradar im Zusammenspiel mit dem Tempomaten. Wie ein Großer kann der Arona nicht nur die Geschwindigkeit zum Vordermann halten, sondern ist sogar in der Lage, im Stau wieder selbständig anzufahren. Fehlt nur noch der adaptive Spurhalteassistent und der Arona hätte das Niveau seiner Klasse ganz klar überschritten. Aber auch so bietet der Spanier in der Optionsliste schon mehr als viele seiner Mitbewerber. Serienmäßig sind bereits ein Umfeldbeobachtungssystem, also der "Front Assist" mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, der Berganfahrassistent sowie die Multikollisionsbremse an Bord. Des Weiteren können wie erwähnt optional Müdigkeitserkennung, Ein- und Ausparkassistent, Totwinkelwarner sowie die automatische Distanzregelung (ACC) bestellt werden.

Ein Lob verdienen die straffen und gleichsam für die Klasse recht komfortablen Sitze des Arona, aus denen der Fahrer im Testwagen auf die bekannten Rundinstrumente mit der dazwischenliegenden Matrix blickt. Mittig und unterhalb der Lüftungsdüsen befindet sich der gut bedien- und ablesbare 6,5 oder 8 Zoll große Farbtouchscreen. Unterhalb des Monitors gibt es ein induktives Ladefeld für entsprechende Smartphones. Natürlich können die mobilen Endgeräte über Apple Carplay oder Android Auto gespiegelt werden. Für Sound-Fetischisten hält die in Optionsliste eine Anlage von Beats bereit. Im Testwagen verbaut, feuerte sie jedenfalls ordentlich Klangsalven ab und ist mit 500 Euro extra nicht zu teuer bezahlt. Anders stellt sich das bei den Materialien für Armaturen, Mittelkonsole und Türinnenverkleidungen dar. Das alles ist aus sehr gut verarbeiteter, aber harter Plastik. Die ist zwar so geschickt geprägt, dass es erst auffällt, wenn die Finger die Druckprobe machen, aber umso größer ist die Enttäuschung. Zumal der Ibiza zeigt, dass es auch anders geht.

Start-Stopp stört

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400 Liter fasst der Kofferraum des Seat Arona bei aufrechter Rückenlehne.

(Foto: Holger Preiss)

Das wäre es dann aber auch mit der Kritik. Oder doch nicht? Die Rede ist noch nicht auf den Verbrauch gekommen. Also, die im Datenblatt vermerkten 4,5 Liter sind nie und nimmer zu erreichen. Im Test waren es am Ende 7,4 Liter. Zustande kamen die auf vielen Stadtgängen und flott gefahrenen Autobahnpassagen. Wer dem Gasfuß etwas Sanftheit verordnet, kommt auch mit 6,5 Litern über die 100 Kilometer. Noch weniger könnte es werden, wenn aus den Fahrmodi statt Normal, Sport oder Individuell lieber Eco gewählt wird.

Egal, in welchem Programm man ist: An der Ampel oder bei der Fahrt an den Randstreifen, um anderen Fahrzeugen Platz zu machen, wird der Motor abgeschaltet. Das erfolgt aber so zeitig, dass der Wagen noch gar nicht ausgerollt ist. Das wäre nicht schlimm, wäre nicht der laufende Motor auch der Antrieb für die Servolenkung. Sobald das Triebwerk nämlich aus ist, ist auch das Lenkrad fest. Die Steuerung des Wagens ist also nicht mehr möglich. Jetzt kann am Lenkrad kraftvoll gerüttelt oder einfach der Fuß vom Gas genommen werden. Dann springt der Motor wieder an und die Lenkbarkeit kehrt nach einer Sekunde zurück. Wer das vermeiden will, der schaltet einfach die Stopp-Start-Einrichtung ab.

Werfen wir noch einen Blick auf die Preisgestaltung des Arona. Wer den Mini-Kraxler mit allen Annehmlichkeiten ausstattet, die die Optionsliste bietet, der darf sich über fast 30.000 Euro für einen Dreizylinder nicht wundern. Das ist nicht wenig Geld für einen Kleinwagen mit SUV-Aufbau. Andererseits liegt man mit dem Wagen im Trend, er hat seine Vorzüge in der Stadt und auf der Langstrecke. Was er nicht kann, ist Gelände. Klar die Radhäuser sind verplankt und die Federn haben einen weiteren Weg als beispielsweise im Ibiza. Zudem erhöht sich die Sitzposition, denn der Arona fährt mit zehn Zentimeter mehr Bodenfreiheit über Grund. Was es in keiner Motorisierung für den Arona gibt, ist ein Allradantrieb. Aber ganz ehrlich?! Für die Einsatzgebiete des kleinen SUV tut das auch keine not.

Fazit: Wer sich für einen Seat Arona entscheidet, hat ein gut verarbeitetes und hippes Fahrzeug am Start, dessen größtes Pfund seine Universalität ist: Stadtauto, Langläufer und ladefreudiger Trendsetter. Mit dem stärkeren Dreizylinder ist der Arona gut motorisiert, muss sich nicht auf der rechten Spur verstecken, sondern kann auf der Schnellstraße auch auf der linken Fahrbahn mithalten. Ob das am Ende reicht, um 30.000 Euro beim Seat-Händler zu lassen, muss der Interessent nach einer Testfahrt selber entscheiden. Einsteigen kann man in den Arona bereits ab 16.290 Euro, fährt dann auch mit dem Dreizylinder, hat aber nur 95 PS und muss die Kraft über einen fünfstufigen Handschalter verteilen.

DATENBLATTSeat Arona Xcellence 1.0 EcoTSI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,14 / 1,78 / 1,55 m
Radstand2,57 m
Leergewicht (DIN)1210 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen400 / 1280 Liter
MotorDreizylinder mit 999 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor115 PS (85 kW)
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit182 km/h
TankvolumenLiter
max. Drehmoment (Systemleistung)200 Nm / 2000-3500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,0 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)5,0 Liter (NEFZ)
Testverbrauch (kombiniert)7,4 Liter
CO2-Emission kombiniert114 g/km /EU6
Grundpreis23.120 Euro
Preis des Testwagens29.144 Euro

Quelle: n-tv.de

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