Fan-Diesel für Spaß und NutzenUnterwegs im Sechszylinder BMW X3 40d - Praktiker für Enthusiasten
Von Patrick Broich
Mit dem X3 40d xDrive gibt BMW all jenen Traditionalisten eine Antwort, die zügig an weit entfernte Ziele kommen, aber keine Abstriche in Antriebskomfort, Praxistauglichkeit und wirtschaftlichen Belangen machen möchten. ntv.de hat ihn gefahren.
Machen wir uns nichts vor, es gibt durchaus gute Gründe für einen rein elektrischen Antrieb. Aber auch etliche dagegen. Ja, mit dem iX3 hat BMW bewiesen, Langstrecke zu können. Wobei, ntv.de hat noch keinen Ladetest machen können - zurzeit ist daher wenig bekannt, wie schnell der Stromer überhaupt Energie zieht unter Alltagsbedingungen, vor allem nicht bei Kälte. Aber die technischen Anlagen, um es gut zu machen, sind da.
Und beim Diesel? Ist das Aufnehmen von (flüssigem) Kraftstoff ziemlich simpel und schnell erledigt. Und es macht eben doch einen Unterschied, ob man binnen drei Minuten wieder 800 Kilometer Reichweite nachfasst oder mehrmals 20 Minuten Pause einlegen muss auf der gleichen Strecke. Doch dazu später mehr. Zunächst einmal will der hier besprochene X3 begutachtet werden. Und da fällt auf, dass die Mittelklasse ganz schön erwachsen geworden ist. Mit einer Länge von 4,76 Metern überragt Kollege G45 (so heißt der noch recht frische X3 intern) den ersten, von 1999 bis 2006 gebauten, X5 um satte neun Zentimeter. Wären X5-Kunden von damals also jetzt mit einem X3 zufrieden?
Platzprobleme sollte es in diesem großen Auto jedenfalls nicht geben. Wobei das mit dem Reisen in der zweiten Reihe so eine Sache ist. Ja, Beinfreiheit ist wirklich nicht das Thema, aber die Sitzergonomie passt hinten nicht ganz so gut, wie das vorn der Fall ist. So wünschte man sich dort einen Hauch mehr Sitzkomfort. Allerdings empfiehlt es sich immer, selbst ein Bild vom Mobiliar zu machen, denn jeder Körper reagiert anders, so fair muss man schon sein.
Vorn sitzt es sich bequemer und die Aussicht ist natürlich auch besser. Entweder auf das Geschehen außerhalb des Fahrzeugs. Oder auf das sogenannte Curved Display, auf dem es jede Menge zu entdecken gibt. Beispielsweise bieten die Bayern ein umfangreiches Menü an, mit dem man immerhin halbwegs zügig vertraut wird. Ein spannendes Kapitel neben den vielen Infotainment-Funktionen ist die vielschichtige Assistenz. Und da hat BMW gute Sachen im Angebot - wozu nicht zuletzt die Ampelerkennung gehört. Sie ist Bestandteil des aktiven Tempomat und erleichtert das tendenziell stressige Fahren in der City. Das System greift dem Fahrer bei Rotlicht bremsend unter die Arme.
Doch dann gibt es da auch noch den anstrengenden Teil der Assistenz; um in das entsprechende Menü zu gelangen, reicht immerhin ein Tipper auf die dafür vorgesehene physische Taste in der Mittelkonsole - dann rasch Spurverlassenswarnung plus Tempopiepser ausschalten. Es gibt aber in der Tiefe der Assistentenansicht noch die eine oder andere Position, die sich durch unerwünschtes Walten bemerkbar macht.
Der Reihensechszylinder ist ein Gedicht
Ausdrücklich erwünscht dagegen ist beim Diesel-Topmodell das Walten des Reihensechszylinders mit drei Litern Hubraum. Und allein beim Lesen des Datenblatts dürfte dem einen oder anderen Freund des Maschinenbaus das Wasser im Munde zusammenlaufen. Denn wo bitte gibt es heute erstens noch Sechszylinder? Und zweitens auch noch in der begehrten Reihenform, einer Bauart mit vollständigem Massenausgleich der Kräfte zweiter Ordnung.
Mit anderen Worten: Die Vibrationen eliminieren sich hier gegenseitig. Das gilt es selbstverständlich in der Praxis zu erfahren. Doch vorher will noch Aufklärungsarbeit geleistet werden. Elektrogegner aufgepasst: Selbst dieser intern B56 genannte Selbstzünder kommt nicht mehr ohne lautlose Schützenhilfe aus. Mit elektrischen 18 PS nämlich boostet ein kleiner Elektromotor auf die Kurbelwelle, um dem Verbrenner aus dem Drehmomenttal zu helfen. Er hat zwar grundsätzlich mehr als genug davon (650 Newtonmeter), aber es braucht eben mindestens 1500 Umdrehungen, um die beiden Turbos mit Abgas zu füttern.
Im Alltag fährt sich der Sechszylinder ziemlich souverän, braucht keine hohen Drehzahlen, um über die achtstufige Wandlerautomatik kräftig anzuschieben. Und das dank elektronisch geregelten Allrads völlig schlupffrei, selbst bei Nässe.
Und für die besonders sportlich angehauchten Fahrer unter den 40d-Interessenten gilt: Der 286-PS-Brocken (die Hybrid-Systemleistung liegt bei 303 PS) dreht sogar recht willig durch das Band und entwickelt dabei ein kernig-bassiges Timbre. Und dann marschiert das äußerlich moderat stylishe, mit einem Schuss konservativer Formensprache gesegnete SUV (auf Wunsch mit cooler Leuchtniere) nachdrücklich nach vorn. Es erreicht 100 Sachen laut Werk nach 5,4 Sekunden und wird 245 km/h schnell. Man muss ja nicht mal durchgängig mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs sein, aber zügiges Reisen ohne nennenswerte Unterbrechungen ist nach wie vor die primäre Stärke des Selbstzünders.
Genügsam ist er außerdem. Während der 2,1-Tonner bei moderater Fahrt nahe der Sechsliter-Schwelle operiert, steht selbst bei zügigen Autobahn-Tempi von 160 bis 200 km/h oder auch mal temporär schneller höchstens die Sieben vor dem Komma. Bedeutet angesichts eines 60 Liter fassenden Tanks immer noch rund 800 Kilometer bei sehr forcierter Fahrweise. Das schaffen selbst die fortschrittlichsten Elektroautos (noch) nicht.
Lass über Geld sprechen. Sechszylinder hängen hierarchisch heute deutlich höher als früher wegen der CO2-Thematik. Daher verwundert der Einstiegspreis von 71.000 Euro gar nicht. Dinge wie Navi, schlüsselloses Schließsystem sowie elektrisch verstellbare und beheizte Sitze lassen einen Hauch von Oberklasse-Gefühl aufkommen. Komfort und Souveränität sind das höchste Gut dieses X3, aber Praxistauglichkeit ebenfalls. Das beweisen nicht zuletzt satte 570 Liter Gepäckraumvolumen bereits bei stehenden Lehnen (umgeklappt sogar 1700 Liter).
Gut zugängliche USB-Anschlüsse vorn und hinten sind ebenfalls vorhanden. Das mag banal klingen, aber bei so manchen Autos bedeutet es eine endlose Fummelei, nur um sein Smartphone mit Strom zu versorgen. Eine moderate Ambientebeleuchtung rundet das Interieur-Erlebnis ab.
Datenblatt BMW X3 40d xDrive
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4,76 / 1,92 / 1,66 m
Radstand: 2,87 m
Leergewicht (DIN): 2050 kg
Sitzplätze: 5
Ladevolumen: 570 bis 1700 Liter
Motorart: 3,0-Liter-Reihensechszylinder-BiTurbodiesel (Stufenaufladung) mit Commonrail-Einspritzung und Elektrifizierung
Getriebe: Achtgang-Wandlerautomatik
Leistung, E-Motor: 18 PS (13 kW)
max. Drehmoment, E-Motor: 200 Nm
Leistung, Verbrenner: 286 PS (210 kW) bei 4000 U/Min
max. Drehmoment, Verbrenner: 650 Nm / bei 1500 bis 2500 U/min
Systemleistung: 303 PS (223 kW)
Kraftstoffart: Diesel
Antrieb: Allradantrieb, permanent
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h
Tankvolumen: 60 Liter
Verbrauch (kombiniert): 6,2 bis 6,7 Liter (WLTP)
CO2-Emission kombiniert: 162 bis 177 g/km (WLTP)
Grundpreis: ab 71.000 Euro
Fazit: Es muss nicht immer Elektroauto sein, es soll manchmal auch gar nicht elektrisch sein. Der BMW X3 ist vor allem als 40d ein begehrtes Multitalent, insbesondere bei Enthusiasten. Denn er verbindet sportliche Fahrleistungen mit souveränem Fahrkomfort bei hohem praktischem Nutzen. Und mit dem klassischen Reihensechszylinder an Bord wird er gar zum Sehnsuchtsauto, so ein bisschen jedenfalls. Schade, dass die Preise für solche Antriebe mittlerweile hoch geworden sind. Andererseits sind Fahrzeuge mit rein elektrischem Antrieb in dieser Leistungsklasse auch nicht günstig, zumindest nicht bei BMW. Schön, dass man bei den Münchenern wählen kann.