Toyotas neuer Stadtfloh "iQ"Vier Sitze auf drei Metern

Mit dem iQ will Toyota dem Smart Konkurrenz machen. Das Konzept passt jedenfalls in die Zeit. Ein kleiner Stadtfloh mit Potenzial auch für ausgedehnte Touren.
In einer Fortsetzung von "Krieg der Sterne" hätte die neue Maschine gute Chancen auf eine wichtige Nebenrolle: An der Seite der Roboter "R2-D2" und "C-3PO" würde "iQ" bestimmt eine gute Figur machen. Toyota hat mit dem "iQ" aber Wichtigeres vor. In den überfüllten Metropolen der Welt soll der neue Kleinstwagen Mobilitätschancen bewahren, und das nach dem innovativen Sitzplatzkonzept "3+1".
Dahinter verbirgt sich ähnlich wie bei "2+2"-Coups das Eingeständnis, dass man mit vier Insassen nicht wirklich komfortabel unterwegs ist. Dennoch ist Toyotas Werbeaussage "Der kleinste 4-Sitzer" der Welt zutreffend, denn im Gegensatz zum Konkurrenten Smart gibt es beim iQ tatsächlich eine Rückbank. Die Rückenlehnen haben Kopfstützen, sie sind einzeln umklappbar zwecks Kofferraumgewinn und sie verfügen über ein weltweit einzigartiges Ausstattungsmerkmal: Die Heckairbags legen sich bei einem Aufprall hufeisenförmig um die Kopfpolster.
Laut Toyota Chefingenieur Hiroki Nakajima stand bei der Entwicklung des weniger als drei Meter kurzen Autos "Form und Gewicht aller Baugruppen auf dem Prüfstand". Heraus kam ein Fahrzeug, dass 76,5 Zentimeter kürzer ist als der Toyota-Kleinwagen Yaris und nicht einmal 30 Zentimeter länger als der Smart. Gleichzeitig erreichten die Ingenieure einen Radstand von zwei Metern. Der Abstand zwischen den Achsen ist bekanntlich eine wichtige Messgröße für das Platzangebot im Innenraum.
Trotz der durchaus einzigartigen Abmessungen sieht der iQ nicht so aus, als wolle er Schönheitspreise gewinnen. An ein Zweckmobil dieses Kalibers werden andere als ästhetische Anforderungen gestellt. Dank der Fahrzeughöhe von 1,50 Meter und der großen Türen ist der Zustieg auf die vorderen Plätze bequem. Wenn Erwachsene auf die Rückbank klettern wollen, sollten sie gelenkig sein. Ein asymmetrisch angelegtes Armaturenbrett sorgt dafür, dass der Beifahrer ein wenig weiter nach vorne rücken kann als der Fahrer, was dem hinten rechts Sitzenden etwas mehr Beinfreiheit verschafft. Den gleichen Zweck verfolgen die äußerst schmal geschnittenen Rücklehnen der Vordersitze.
Erhöhte Geräuschkulisse bei voller Beladung
Ab Verkaufsstart im Januar nächsten Jahres ist der iQ mit zwei Motorvarianten zu haben. Der knapp einen Liter große Dreizylinder-Benziner leistet 68 PS und ist wahlweise mit einem manuellen Fünfganggetriebe oder mit einer automatischen CVT-Schaltbox zu haben. Letztere erwies sich bei den ersten Fahrtests als dem Temperament des Motors angemessen. Zwar wiegt das Auto leer nur 860 Kilogramm, jedoch war dem Auto mit drei Erwachsenen am Bord die Anstrengung im Beschleunigungsfalle durchaus anzuhören. Schnell nähert sich der Motor seiner Höchstdrehzahl von 6000 Touren, was eine entsprechende Geräuschkulisse im Innern zur Folge hat.
Deutlich zurückhaltender geriert sich der Vierzylinder-Diesel, der für ein Auto dieser Größenordnung gewaltige 90 PS mit fast 200 Newtonmetern Drehmoment abgibt. Das ist fast so viel, wie ein gleich starker VW Golf aufbietet, nur mit dem Unterschied, dass der Kompakte gut 400 Kilogramm mehr auf die Waage bringt. Eine flotte Gangart im Großstadtdschungel ist mit dem iQ-Diesel deshalb kein Problem und auch auf der Autobahn sind zügige Passagen mit ordentlichem Reisetempo und entspanntem Fahrkomfort drin. Die leichte Nick-Neigung ist bauartbedingt und deshalb nicht weiter übel zu nehmen.
Nur zehn Prozent Diesel
Wie in der Klasse der Kleinstwagen nicht anders zu erwarten taxiert auch Toyota den Anteil der Dieselmodelle auf nur rund zehn Prozent. Der Rest wird sich auf Benziner verteilen, wobei der Hersteller noch einen 1,33-Liter großen Vierzylinder mit ins Angebot nehmen will. Der wird dann über eine Start-Stopp-Funktion verfügen, die den ohnehin auf Sparsamkeit getrimmten Verbrauch in der Stadt noch weiter reduzieren soll. Bis dahin wird das Starten und Stoppen in der höherwertigen Ausstattungslinie "iQ+" von einer Taste übernommen, während die Standardversion wie gewohnt mittels Schlüsseldrehung in Betrieb gesetzt wird.
Mit Hinblick auf den künftig aufgrund gesetzlicher Bestimmungen immer wichtiger werdenden Flottenverbrauch eines Herstellers hat Toyota den Konsum des Einstiegsbenziners auf 4,3 Liter gedrückt. Mit 32 Litern Sprit im unter dem Wagenboden angebrachten Tank sind im Idealfall rund 740 Kilometer Reichweite möglich. Der CO2-Ausstoß unterbietet mit 99 Gramm je Kilometer eine psychologisch wichtige Marke. Dafür überschreitet der Preis die 10.000er-Grenze deutlich. Mindestens 12.700 Euro sind für den iQ anzulegen. Als Absatzziel in Europa hat sich Toyota 80.000 Einheiten vorgenommen, wovon 10.000 für Deutschland vorgesehen sind. Die überwiegend als jung eingeschätzte Käuferschar soll zu mehr als drei Vierteln von anderen Marken abgeworben werden.
Üppige Ausstattung
In der Grundausstattung sind nicht weniger als neun Airbags, ABS und ESP, Gurtstraffer und Isofix-Kindersitzbefestigungen vorhanden. Dazu ein Audio-System mit sechs Lautsprechern, Klimaanlage sowie Bordcomputer und ein Multifunktionslenkrad mit angenehm geschmeidigem Lederkranz. Mit Dieselmotor und iQ+-Ausstattung kostet das Auto sportliche 16.300 Euro. Diese Version verfügt zusätzlich über Regen- und Dämmerungssensor, Nebelscheinwerfer, Hochglanz-Leichtmetallräder und ein Smart-Key-System für schlüssellosen Zugang.
Bei der Namensgebung, so offenbarte Toyota übrigens bei der Präsentation des iQ in Mailand, habe man sich nicht von einer möglichen Verwendung in Science-Fiction-Filmen leiten lassen. Vielmehr stehe das "i" für Intelligenz, Innovation und Individualität, während der Buchstabe "Q" an die Qualitätsmaßstäbe des Herstellers erinnern soll.