Importe

Selbstverordnete Datendiät Yahoo will Vorbild sein

Yahoo verkürzt die Zeit, für die persönlichen Daten über das Nutzerverhalten gespeichert werden. Statt bislang 13 Monate sollen es jetzt nur noch 90 Tage sein. Danach würden die Daten zwar noch weiter gespeichert, aber anonymisiert, erklärt Yahoo. Damit dürfte der Druck auf die Konkurrenten Microsoft und vor allem Google weiter wachsen, hier nachzuziehen und ähnlich weitreichende Maßnahmen zu ergreifen.

Erste Schritte haben die Yahoo-Konkurrenten bereits gemacht: Google kündigte im September an, dass die Daten über Suchanfragen nach neun Monaten anonymisiert werden sollen. Zuvor waren sie 18 Monate gespeichert worden. Und auch Microsoft, das bislang persönliche Daten noch 18 Monate vorhält, erklärte kürzlich, diese Zeitspanne auf sechs Monate verkürzen zu wollen.

Yahoo gibt an, die Anonymisierung nach 90 Tagen gelte bis auf wenige Ausnahmen, zum Beispiel bei Betrugsverdacht, aus Sicherheitsgründen oder wenn gesetzliche Vorschriften erfüllt werden müssten. Die Anonymisierung gelte nicht nur für Suchprotokolle, sondern auch für Seiten- und Anzeigenaufrufe. Anhand dieser Informationen personalisieren die Suchmaschinen Inhalte und Anzeigen. Die Nutzer würden beim Umgang mit den Produkten von Yahoo aber keinen Unterschied bemerken, hieß es.

Vorauseilender Gehorsam?

Anne Toth, Leiterin des Datenschutzes bei Yahoo, sagt, mit den Maßnahmen wolle man sich von den Wettbewerbern unterscheiden. Sie hoffe auch, dass damit Überlegungen zu gesetzgeberischen Maßnahmen vom Tisch seien, da Yahoo zeige, dass die Unternehmen in der Lage seien, selbst tätig zu werden. Sowohl in den USA, als auch in Europa ist zuletzt der Druck auf Yahoo, Microsoft und Google gewachsen, dem Schutz der Verbraucherdaten größere Beachtung zu schenken.

In den USA fand der Schritt von Yahoo schon die erhoffte Resonanz. Edward Markey, der Vorsitzende des Unterausschusses für Telekommunikation und Internet im Repräsentantenhaus, lobte Yahoo und erklärte, Google, Microsoft und andere würden an diesem Standard gemessen. Auch die Bürgerrechtsorganisation Zentrum für Demokratie und Technologie sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung".

Datenkrake Staat

Während die Suchmaschinenbetreiber ihren Datenhunger drosseln, geht der Staat mit dem Deckmäntelchen der Terrorismusbekämpfung ganz andere Wege. Nach den Verbindungsdaten beim Telefonieren werden vom 1. Januar an auch alle Internet-Verbindungsdaten für ein halbes Jahr gespeichert.

Beim Internetzugang werden die zugewiesene IP-Adresse (die Kennung des Computers), Beginn und Ende der Internetnutzung sowie die Anschlusskennung (Rufnummer oder DSL-Kennung) gespeichert. Bei der elektronischen Post werden die E-Mail-Adressen und die IP- Adressen von Absender und Empfänger gespeichert. Auch die Daten der Internettelefonie werden erfasst. Festgehalten werden jeweils nur die Verbindungsdaten, nicht aber, welche Seiten im Internet besucht wurden und auch nicht die Inhalte von Gesprächen.

Die Daten müssen von den Telekommunikationsunternehmen gespeichert werden. Bei einem konkreten Verdacht haben Strafverfolger darauf Zugriff. Die Verbindungsdaten beim Telefonieren im Fest- und Mobilnetz werden bereits seit Anfang 2008 gespeichert.

Zu der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung, die bereits Ende 2007 beschlossen wurde, wird 2009 ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts erwartet. Begründet wurde das Gesetz, das auf Vorgaben der Europäischen Union (EU) eingeführt wurde, mit der Abwehr der terroristischen Bedrohung.

Quelle: ntv.de