Infografik

Daten, Karten, Infografiken Die Coronavirus-Krise in Italien

1870972754a3637d5d115839b50bf00a.jpg

Alltag mit dem Coronavirus in Mailand: Die Italiener halten Abstand, das öffentliche Leben steht still.

(Foto: AP)

Der Ausbruch des Coronavirus Sars-CoV-2 bringt das Gesundheitssystem in Italien an den Rand der Belastungsgrenze: Trotz energischer Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle steigt die Zahl der Infektionen über 21.000 Fälle an. Die aktuelle Lage in der Übersicht.

In Italien sehen sich die Behörden in einzelnen Regionen mit einer katastrophalen Ausweitung der Coronavirus-Pandemie konfrontiert. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Covid-19-Erreger Sars-CoV-2 stieg im Zeitraum von Donnerstagmorgen bis Samstagabend von 12.462 auf insgesamt 21.157 Fälle an. 1441 Menschen sind an den Folgen der neuartigen Lungenkrankheit gestorben.

Das gesamte Land ächzt unter den Bedingungen des virusbedingten Ausnahmezustands: Das öffentliche Leben ist vielerorts weitgehend zum Erliegen gekommen. Viele Museen und Touristenattraktionen sind vorübergehend geschlossen. Kultur- und Sportveranstaltungen fallen aus. Mehrere Fluggesellschaften haben einen Teil ihrer Verbindungen nach Italien aus dem Programm genommen. Österreich schränkte zudem auch auf dem Landweg die Einreise aus Italien vorerst ein.

Die Maßnahmen zur Epidemie-Abwehr treffen nahezu alle Lebensbereiche: Mit den umfangreichsten Einschränkungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt Italien, so heißt es, unter dem Eindruck der Coronavirus-Krise derzeit seine "dunkelste Stunde".

*Datenschutz

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie verschärfte die Regierung in Rom vor dem Wochenende die ohnehin bereits geltenden Sperrmaßnahmen. Seit Donnerstagmorgen bleiben landesweit die meisten Geschäfte geschlossen. Ausgenommen sind lediglich Lebensmittelläden, Apotheken und Tankstellen. Bars und Restaurants müssen vorerst schließen. Schon zuvor galten für die Lokale eingeschränkte Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr. Ziel ist es, die rund 60 Millionen Italiener so weit wie möglich vor einer Ansteckung zu schützen. Dennoch steht zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt.

*Datenschutz

Aus der Lombardei hieß es zuletzt, dass in den Krankenhäusern kaum noch Betten zur Intensivpflege zur Verfügung stünden. "Wir haben noch 15 bis 20 Plätze übrig", sagte ein Sprecher der regionalen Gesundheitsbehörde. Mit etwa 85 Neuzugängen pro Tag und lediglich zwei oder drei Patienten, die im gleichen Zeitraum diesen Bereich verlassen, sei die Versorgung nah an der Belastungsgrenze. Aus dem norditalienischen Bergamo hieß es, die Zahl der Todesfälle habe sich in den zurückliegenden sieben Tagen verfünffacht. "Es gibt eine Beerdigung alle halbe Stunde", erklärte ein für die Friedhofsdienste zuständige Behördensprecher.

*Datenschutz

In den besonders schwer von der Epidemie betroffenen Regionen übersteigt die Anzahl der Erkrankten mitunter bereits die Aufnahmekapazitäten des Gesundheitssystems. "Es gibt viele ältere Patienten, die mit Atemproblemen zu Hause liegen", berichtete der Bürgermeister von Alzano, Carmelo Bertocchi, einem Vorort von Bergamo. "Wir können sie nicht ins Krankenhaus bringen, weil die Einrichtungen überfüllt sind."

Durch die massiven Beschränkungen im öffentlichen Leben wollen Gesundheitsexperten verhindern, dass es zu einer weiteren unkontrollierten Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch kommt. Wie Premierminister Giuseppe Conte am Mittwochabend ankündigte, sollen auch alle nicht notwendigen Geschäftsaktivitäten in der italienischen Wirtschaft vorerst eingestellt werden.

Die Produktion etwa in der Industrie solle aber weiterlaufen, erklärte Conte. Abteilungen, die für die Produktion nicht unbedingt erforderlich seien, sollten aber schließen. Der öffentliche Nahverkehr bleibe davon unberührt: Busse und Bahnen fahren weiter nach Plan. Das neue Maßnahmenpaket gilt zunächst bis zum 25. März.

Italien kämpft schon seit Längerem mit drastischen Mitteln gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Das ganze Land gilt als Zone mit stark eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Die landesweiten Beschränkungen der Reise- und Versammlungsfreiheit sollen vorerst bis zum 3. April gelten.

*Datenschutz

Da die Lebensmittelgeschäfte geöffnet blieben, bestehe keine Notwendigkeit für die Bürger, sich jetzt in "Eile" Nahrungsmittelvorräte anzulegen, betonte Conte. Er dankte den Italienern für die "Opfer", die sie in der Krise brächten. In zwei Wochen dürften die Effekte der zusätzlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu sehen sein, sagte er.

Die italienische Regierung kündigte zudem ein Notprogramm im Umfang von 25 Milliarden Euro an. Mit einem Teil der Gelder sollen Kleinbetriebe unterstützt werden, die unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise leiden.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa