Infografik

Corona-Tests in Deutschland RKI meldet Erfolge an der Laborfront

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Infiziert? Rund 180 Labore in Deutschland schaffen mittlerweile pro Woche mehr als 1,1 Millionen Corona-Tests.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Auswertung der jüngsten Testdaten gibt Anlass zur Hoffnung: Obwohl die Zahl der analysierten Proben in Deutschland weiter ansteigt, geht der Anteil bestätigter Coronavirus-Infektionen zurück. Ist der Erreger auf dem Rückzug?

Je mehr getestet wird, desto mehr Coronavirus-Fälle werden entdeckt: Was in Bezug auf die Gesamtzahlen natürlich zutrifft, ergibt bei näherer Betrachtung der Daten sehr viel genauere Hinweise zum Infektionsgeschehen. Tatsächlich ist die Anzahl der durchgeführten Tests in Deutschland in den vergangenen Wochen massiv gestiegen.

Seit der Neuausrichtung der deutschen Teststrategie und der verpflichtenden Überprüfung von Reiserückkehrern aus Risikogebieten arbeiten die Labore hierzulande auf Hochtouren. Woche für Woche stieg die Anzahl der Testungen an. Während in der Frühphase der Pandemie im Schnitt noch deutlich weniger als 400.000 Abstriche pro Woche auf Spuren des Erregers Sars-CoV-2 überprüft wurden, kletterte diese Zahl bis Ende Juli erst über die Schwelle von 500.000 und dann im Lauf des Augusts auf über 800.000. In der vergangenen Woche wurde erstmals die Millionengrenze überschritten.

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Wie aus einer vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Auswertung der Labortests in Deutschland hervorgeht, stieg die Anzahl der Coronavirus-Tests in der zurückliegenden Woche (bis 30. August) auf 1,1 Millionen Proben. Die Zahl der getesteten Personen liegt übrigens deutlich darunter, da in diesen Angaben eine ganze Reihe an Mehrfachtestungen enthalten sind.

Wie massiv das deutsche Gesundheitssystem die Anstrengungen ausgeweitet hat, lässt sich anhand einer kurzen Berechnung erkennen: Insgesamt wurden seit Beginn der Ansteckungswelle im Frühjahr erst rund 12,3 Millionen Abstriche analysiert. Damit stammen mehr als ein Drittel aller bisher erfassten Laborergebnisse aus dem August, knapp neun Prozent aus der letzten Augustwoche.

Top-Werte bei der Positivenrate

Diese enormen Anstrengungen bei der Jagd nach dem Virus bleiben nicht ohne Folgen: Seit Mitte Juli gehen den Laboren auch eine wachsende Zahl an Ansteckungsfällen ins Netz. Seit Mitte August liegt die Anzahl der positiven Befunde - also der laborbestätigten Nachweise einer Coronavirus-Infektion - jenseits der Marke von 8000 pro Woche.

Was Experten allerdings zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass die Positivenrate dabei seit kurzem deutlich nachgibt. Der Anteil der entdeckten Infektionen an der Zahl der durchgeführten Tests entwickelt sich mittlerweile schon die dritte Woche in Folge rückläufig. Aktuell liegt diese Orientierungsmarke nur noch bei 0,74 Prozent (Vorwoche: 0,85 Prozent). Von 100 durchgeführten Nasen- oder Rachenabstrichen führt also derzeit höchstens noch eine Probe zu einem Volltreffer.

Im Klartext heißt das: Obwohl Ärzte, Kliniken sowie private und staatliche Forschungseinrichtungen mit aller Kraft nach dem Virus Ausschau halten, können sie den Verursacher der potenziell tödlichen Covid-19-Erkrankungen derzeit kaum noch ausfindig machen. Der Erreger geht den Laboren immer seltener ins Netz. Experten werten dies als klaren Hinweis darauf, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland nachlässt und das Coronavirus in geringeren Ausmaßen in der Bevölkerung kursiert als zuletzt.

Europaweit liegt Deutschland damit in der Spitzengruppe. Nur wenige Länder weisen eine höhere Testrate auf, gemessen an der Anzahl der Testungen je 100.000 Einwohner. In Frankreich führen vier Prozent der Tests zu einem positiven Ergebnis. In Spanien sind es sogar knapp neun Prozent.

Neue Pandemie-Phase

"Der seit Mitte Juli beobachtete Zuwachs in den übermittelten Fallzahlen hat sich in der letzten Woche stabilisiert", heißt es dazu im Lagebericht des RKI. Das Fallaufkommen sei bundesweit wieder gesunken. Auch die Ansteckungsrate (R-Wert) bewegt sich wieder unter der kritischen Marke. Ist Deutschland damit der befürchteten zweiten Welle gerade noch einmal entgangen? Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Pandemie-Entwicklung verändert hat. Auf dem Rückzug oder gar besiegt ist das Coronavirus aber wohl noch lange nicht.

"Die aktuelle Entwicklung ist positiv, muss aber weiter sorgfältig beobachtet werden", lautet die Einschätzung der Epidemiologen beim RKI. Auffällig sei, dass sich in den letzten Wochen vermehrt jüngere Personen infiziert hätten. Da es in diesen Altersgruppen bislang vergleichsweise selten zu schweren Krankheitsverläufen kommt und viele der Infizierten sogar weitgehend symptomfrei bleiben, fallen die Belastungen für das Gesundheitssystem sehr viel geringer aus als während der ersten Welle.

Das Durchschnittsalter der Infizierten sinkt, der Anteil der schweren Erkrankungen geht ebenfalls zurück. Der Schutz der Risikogruppen - also der älteren oder durch Vorerkrankungen geschwächten Menschen - scheint in Deutschland vielerorts zu gelingen. In den deutschen Intensivstationen müssen derzeit tatsächlich nur vergleichsweise wenige Covid-19-Patienten beatmet werden. Der Zuwachs bei den Todesfällen bleibt weitgehend stabil.

Doch diese Situation, warnt das RKI, kann sich jederzeit schnell ändern: "Eine erneute Zunahme der Neuinfektionen muss vermieden werden", heißt es im Lagebericht. "Insbesondere gilt es zu verhindern, dass wie zu Beginn der Pandemie wieder vermehrt ältere und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen erkranken. Sollten sich wieder vermehrt ältere Menschen infizieren, muss auch mit einem Wiederanstieg der Hospitalisierungen und Todesfälle gerechnet werden."

Quelle: ntv.de