Pop-Art-EvergreenAlex Katz bleibt auch im hohen Alter Vorreiter
Schablonenhafte Bilder, deren Oberflächen vor allem eines versprühen: Leichtigkeit. Das ist das Markenzeichen des Pop-Art-Pioniers Alex Katz. Frei von jeglicher Verschnörkelung hat der heute 91-Jährige eine betörende und sinnliche Bildsprache erfunden.
Ein ausgewogenes Zusammenspiel von Flächen und Formen, von Abstraktion, Figuration und Pop-Art. Oft bewahrheitet sich das Gespür eines Trendsetters vor allem im Rückblick auf sein Leben. So hat sich Alex Katz, der Meister des "Cool Painting", einer Kunstrichtung, die mit ihm in den USA berühmt wurde, genau zu dem Zeitpunkt der figurativen Malerei zugewandt, als diese eigentlich als überholt galt: dem Abstrakten Expressionismus. Eben diese Bewegung war in den späten 1940er-Jahren das Neue, das Heiße und Katz: fern davon. Heute indes wird er von vielen seiner jüngeren Künstlerkollegen, etwa Francesco Clemente oder Chuck Close, als Türöffner in eine neue Gegenständlichkeit gefeiert. Seinem Stil ist er dabei immer treu geblieben. Er kombiniert Farbfelder mit konkreten Motiven, die Plastizität der Protagonisten steht in scharfem Kontrast zur monochromen Flächigkeit der Hintergründe. Katz spielt mit dieser Ambivalenz, im Gegensatz zur naturalistischen Malerei treten die Details in den Hintergrund.
Um diesen Stil zu entwickeln, brauchte Katz jedoch einige Jahre. Der 1927 in Brooklyn Geborene beginnt seine Karriere konventionell: Er studiert Malerei an der renommierten Cooper Union in New York. Dort widmet er sich vor allem den Kunstrichtungen Bauhaus und Kubismus, die die Bedeutung von Formen und Linien ins Zentrum der Kunstgeschichte rücken. Gleichzeitig entwickelt Katz eine für ihn nachhaltige Faszination für große Formate und die Wirkung von Oberflächen. Diese Begeisterung sensibilisiert ihn für die Ideen der aufkommenden abstrakten Expressionisten, die in ihren Bildern die Kraft von Farbe und Fläche gestisch ausloten. Es ihnen komplett gleichtun will Katz in seinen Werken aber nicht, er sucht seinen eigenen Weg.
Ein Wendepunkt in seinem Leben sorgt für Klarheit: 1949, nach Abschluss des Malereistudiums in New York, geht Katz dank eines Stipendiums an die Skowhegan School of Painting and Sculpture im ländlichen Bundesstaat Maine. Hier zieht es ihn vor allem in die Natur, wo er malt, was er sieht. Er steht jetzt unter freiem Himmel, wählt leuchtende Farben. Das Tempo und die Energie, wie sie im Malprozess der Abstrakten Expressionisten den Ton angeben, will er nicht völlig vernachlässigen. In seinen figurativen Gemälden kommt das Unmittelbare weiterhin zum Ausdruck. Doch schwingt Katz dafür seinen Pinsel nicht wild umher, er führt ihn in seiner Nass-in-Nass-Technik vielmehr stilsicher, unbeschwert und locker über die Leinwand, passend zu seiner Lieblingsmusik, dem "Cool Jazz".
Großformat als Markenzeichen
Er widmet sich Landschaften und Architektur, ein Großteil seiner Bilder sind jedoch Porträts. Schon in den 1950er-Jahren beginnt Katz vermehrt Freunde, Bekannte und künstlerische Mitstreiter zu malen. Und immer wieder seine Muse Ada del Moro, die er 1958 heiratet und die die Mutter seines Sohnes Vincent wird. Katz nennt sie sein "perfektes Modell". Beeinflusst von der Ästhetik des Kinos und Fernsehens sowie von den überformatigen Billboards in den US-amerikanischen Großstädten setzt er fortan das große Format konsequent als sein Markenzeichen ein. Durch diesen Bezug auf die Welt des Konsums gilt Katz als ein Wegbereiter der Pop-Art.
Zudem orientiert sich der Maler an der Filmsprache: Sein Blick gleicht dem einer Kamera, die den Objekten und Figuren bisweilen unverschämt nahekommt. Und er wählt immer radikalere Bildausschnitte, schneidet Gesichter und Motive an. Mit der Wahl des Großformats und der an die Plakatmalerei angelehnte Flächigkeit entwirft er Stereotypen und Sozialstudien eines Landes mit ökonomischem Überfluss und übergroßem Ego. Die begehrten Bildnisse, die Katz vor allem in Maine, New England, malt, wo er bis heute ein Haus besitzt und den Sommer verbringt, transportieren aber auch ein Gefühl von Dynamik, Lebendigkeit und unmittelbarer Gegenwart. Sie wirken auf eine unwirkliche Art zeitgenössisch und "cool".
Seit 1951 sind Alex Katz' Bilder Gegenstand von mehr als 200 Einzelausstellungen und fast 500 internationalen Gruppenausstellungen. Seine Werke sind Teil von über 100 öffentlichen Sammlungen weltweit, für seinen Beitrag zu Malerei hat er viele Auszeichnungen erhalten. Im Herbst 2018 eröffnete eine große Retrospektive im Museum Brandhorst in München und aktuell läuft "Alex Katz - Bigger is Better" im Ludwigmuseum im Deutschherrenhaus Koblenz.
Alex Katz' Werk ist durch eine konsequente Kontinuität geprägt. Kaum eine Veränderung, Weiterentwicklung oder Neuorientierung scheint über die fast sieben Dekaden seines Schaffens in den Bildern des Künstlers erkennbar. Auf die Vorwürfe von Kritikern, dass seine Bilder verklärend seien, rein oberflächlich, nicht politisch, hat er in einem Interview selbstbewusst geantwortet: "Die Realität da draußen ist so schrecklich, dass ich ihr mit meiner Kunst entfliehen will. Ich bin ein Eskapist."
Erfahren Sie mehr über den Ausnahmekünstler in der n-tv Inside-Art-Dokumentation "Alex Katz - Ikone der Pop-Art". Wolfram Kons hat Katz in seinem New Yorker Atelier besucht und mit ihm über seine große Liebe Ada, die Faszination New Yorks, seine erstaunliche Fitness und die immer noch unendliche Freude am Malen gesprochen.
Sendezeit:
So, 14. April, 12.30 Uhr
Als Weltneuheit präsentiert Alex Katz gemeinsam mit n-tv art seine erste Skulpturenedition "Ada 1 (Outline)". Sie zeigt die Gesichtskontur seiner Frau Ada im Profil und wurde aus poliertem Edelstahl gefertigt. Die 61 x 18,5 x 13 cm große Skulptur fußt auf einem Bronzesockel, der auf der Oberseite von Katz im Guss signiert wurde. In einer Auflage von nur 35 Exemplaren ist die Skulptur bis zum 30. April 2019 zu einem einmaligen Vorzugspreis hier bei n-tv erhältlich.