Unterhaltung

More Than This! Bryan Ferry, 70, King of Cool

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Bryan Ferry - immer noch einer der Coolsten unter der Sonne!

(Foto: imago/Stefan M Prager)

Letztes Jahr hat Bryan Ferry seine Tour abgesagt, entzündeter Kehlkopf. Dafür macht er seine Fans jetzt glücklich: Wer auf Roxy Music stand und den kühlen Charme des noch immer heißen Briten liebt, wird nicht enttäuscht. Man muss nur ein bisschen Geduld haben.

"Man sollte nicht so viel Gewese um das Alter machen", sagt Bryan Ferry, der diesen Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. Oh doch, Mr. Ferry, wenn man eine so coole Sau mit 70 ist, dann schon. Wie lässig kann man denn sein?

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Oh yeah!

(Foto: imago/Sven Simon)

Am Vorabend des Tages, den andere mit einem Tässchen Tee und den Enkeln auf den arthritischen Knien begehen, zeigt der ewige King of Cool im Berliner Tempodrom den alten Leutchen, was 'ne Harke ist.

Funke will anfangs nicht überspringen

Und wie herrlich er ist! Theoretisch. Zum Mitsingen, mitswingen, ausrasten. Nur so ganz will der Funke anfangs nicht überspringen. Der gemeine Berliner will ein bisschen angemacht werden. Understatement - nicht so sein Ding, also das des Berliners. Man glaubte dieses Wort und diese Art ja sowieso vollkommen vergessen.

Zum Glück gibt es die Königin von England - und Bryan Ferry. Nein, eine Plaudertasche ist er nicht, der Bryan, noch nie gewesen, zu viel Brimborium braucht er ja auch nicht. Aber so ein bisschen mehr "Hey, Leute, na wie geht's?" wäre schon ganz cool.

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We are all slaves to love!

(Foto: imago/BrunoPress)

Ferrys Karriere begann in den Siebzigerjahren, seine Band hieß Roxy Music, hatte die sexiesten Plattencover (meine erste Platte hieß "Flesh and Blood", meine Eltern brachten sie mir 1980 für 4,99 Pfund aus London mit und die Frauen auf dem Cover sollten jahrelang mein Schönheitsideal bestimmen; und da war auch "Same Old Scene" drauf, an diesem Abend im Tempodrom, von mir zumindest, schmerzlich vermisst).

Mr. Ferry rockt

Diese coolen Typen, sie spielten diesen funky, eleganten, kühlen Art-Rock. Ferry, mit seiner sehr speziellen Stimme und der noch spezielleren Art, zu singen - ein bisschen fistelig, rau und reduziert - und seine Mannen kleideten sich in Glitzer und Leo, sie waren die Inspiration vieler New-Wave-Musiker - und mir. Als die Band sich 1983 trennte, trennte sich Ferry auch von Glitzer und Leo und ließ sich in feinste Stöffchen einnähen.

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Taxi! 2004 in Berlin.

Sein Understatement ist legendär, kaum ein anderer ist so lässig wie der Brite aus Washington, England, und auch wenn wir uns kurz mal Sorgen um sein Geisteswohl gemacht hatten - vor drei Jahren heiratete er die Ex seines Sohnes (läppische 36 Jahre jünger und eben die Ex seines Sohnes, inzwischen sind sie wieder getrennt) - Mr. Ferry rockt noch immer. Es braucht jedoch einen Moment Sitzfleisch, ehe das alte Popper-Publikum in Fahrt kommt.

Die Männer müssen allerdings noch heute neidlos anerkennen, dass dieser Sohn eines Bergarbeiters alles hat, was sie auch gern hätten: maßgeschneiderte Anzüge, Talent, die Haare und den lässigen Hüftschwung.

Frauen liegen ihm zu Füßen

Außerdem die Anziehungskraft auf Frauen aller Altersklassen - Jerry Hall verließ ihn allerdings für Mick Jagger, eine Tatsache, die ihn Normalo-Männern damals näher brachte. Und die Frauen, die würden nach wie vor einfach nur gerne in seiner Nähe sein, in seine blauen Augen schauen und ihm den exakten Scheitel verwuscheln. Oh Yeah ...

Nun wissen wir Fans zwar, dass Mr. Ferry ein echt schüchterner Typ ist. Aber wir hätten es trotzdem ganz schön gefunden, wenn das Konzert schon etwas früher in Fahrt gekommen wäre. Als Vorband hatte Femme Schmidt wirklich ganze Arbeit geleistet und der Meister hätte die köchelnde Masse einfach nur übernehmen müssen.

"King of Cool"

Aber immer, wenn ein wenig Stimmung aufzukommen drohte, wurden die Groupies von den Sicherheitsleuten wieder nach hinten geschoben, fast bis zum Schluss. Schade, denn das hätte durchaus schön werden können.

Auch Bryan wirkte erfreut, als die Fans ihm endlich zu Füßen liegen durften. Aber dann war auch schon Ende. Es fehlten zum Beispiel "Oh Yeah", "Kiss and Tell", "Dance Away". Glücklichmacher wie "Jealous Guy", "More Than This" und "Avalon" versöhnen natürlich, aber … Kein Aber mehr. Es war ein Abend mit Bryan Ferry, dem "King of Cool", und kein Helene-Fischer-Konzert.

Quelle: ntv.de

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