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Freitag, 28. Januar 2011

Der mit der langen Nase: Cyrano de Bochum

Hier kommt der Autor hin

Genug Witze sind gemacht worden über "an der Nase eines Mannes" - und auch, wenn dies das Auffälligste sein mag - die Aufführung des "Cyrano de Bergerac" in Bochum birgt noch so manch anderes Großes.

Armin Rohde, der Gerard Dépardieu Deutschlands,  spielt "Cyrano de Bergerac" - alleine diese Tatsache ist doch schon eine Meldung wert, haben wir Armin Rohde doch schon eine ganze Weile nicht mehr am Theater gesehen, sondern oft und gern in TV-Produktionen. Wir kennen ihn als "Räuber Hotzenplotz", wir liebten ihn in den "Sams"-Geschichten, er spielte in "Jud Süß - Film ohne Gewissen" und auch im Fernsehen taucht er immer wieder auf, als Bösewicht, Kommissar oder Charakterkopf. Einen solchen mimt er jetzt auch am Theater: In Bochum ist er der unkonventionelle und mutige Freigeist Cyrano de Bergerac, der die schönsten Liebesbriefe schrieb, aber auch die ersten Science-Fiction-Geschichten Europas.

Für die Inszenierung haben sich zwei alte Freunde und Kollegen in Bochum verabredet. Beide haben auf dieser Bühne große Rollen gespielt, doch nun wird Armin Rohde in der Regie von Katharina Thalbach dem unglücklich verliebten Cyrano de Bergerac in dem gleichnamigen Stück von Edmond Rostand Leben einhauchen.

Poet und Utopist

Nach langen Jahren kehren die beiden Künstler an das Schauspielhaus zurück. An der romantischen Liebesgeschichte interessiert sie weitaus mehr als nur die Nase dieses Mannes: Ein Unzeitgemäßer war er, ein Freigeist und Erfinder, ein Poet und ein großer Utopist. Cyrano de Bergerac lebte von 1619 bis 1655. In seinen Schriften reiste er zur Sonne und zum Mond und wusste genau, dass der Mond eine Welt unter vielen ist, so wie die Erde, die sich bewegt und um die Sonne kreist. Das war vermessen und mutig in einer Zeit, in der Galileo seine Thesen widerrufen musste und die Scheiterhaufen noch schwelten.

Alte Bekannte!
Alte Bekannte!(Foto: dpa)

Keine Regel respektierte er und kein Gesetz, am wenigsten das der Kirche. Scharf waren sein Degen und sein Verstand, sein Witz und sein Geist. Wen wundert es, dass dieses heiße Herz sich mit allen anlegte, mehr Feinde als Vertraute hatte und aller Wahrscheinlichkeit nach einem Anschlag zum Opfer fiel. Seine Schriften verschwanden und wir wissen nicht viel mehr über ihn als das, was Edmond Rostand in seinem Stück "Cyrano de Bergerac" 1897 über ihn verewigt hat. Auch ob es Roxanne wirklich gab wissen wir nicht, aber wir glauben ganz sicher an die Reinheit und Tiefe seiner Liebe zu ihr, die er ein Leben lang verschwieg. Im Namen seines Freundes fand er die schönsten Worte der Liebe, schrieb die leidenschaftlichsten Briefe und gestand doch niemals, dass es sein eigenes Herz war, das sprach.

Emanuel Hauptmann macht Musik.
Emanuel Hauptmann macht Musik.

Er blieb im Schatten und überließ seinem Freund den Vortritt. Für ihn ersann er die schönsten Worte über die Liebe, die das Herz Roxanes eroberten. Dass die wahre Schönheit die des Herzens ist und kein Abenteuer mehr Mut erfordert als die Liebe, finden beide erst spät heraus.

Rasant und bewegend ist diese Liebesgeschichte, die Katharina Thalbach inszeniert hat. Die Schauspieler bekamen durch Klaus Figge eine extra "Kampfchoreographie" für die Fecht-Szenen, die Musik stammt aus der Feder von Emanuel Hauptmann,  der Jazz-Fans ein Begriff ("LOCALTime", "Blowfish") und Fans nicht nur aus dem Berliner ATrane bekannt sein dürfte, die Dramaturgie stammt von Sabine Reich und für die Kostüme und die Bühne hat sich Enzio Toffolutti ins Zeig gelegt. 

Die Premiere ist am 29. Januar im Schauspielhaus.

 

Quelle: n-tv.de