Unterhaltung

"Sing meinen Song" geht ab Der Leuchtturm unterm Musikhimmel

imago_st_0625_21230006_64982398.jpg1093494822225177802.jpg

Seit "Sing meinen Song" erfolgreich auf dem Deutsch-Trip: Sarah Connor.

(Foto: imago/Lichtgut)

Dass "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" so eingeschlagen hat, verblüfft selbst Experten. Der Erfolg der aufwändig produzierten Gesangsshow könnte der Beginn einer neuen Ära für Musik im Fernsehen sein. n-tv.de sucht nach den Gründen.

Bei Daniel Wirtz daheim im Frankfurter Bahnhofsviertel muss es kuschelig eng geworden sein. Fünf der sieben Teilnehmer der aktuellen zweiten Staffel von "Sing meinen Song" kamen an einem Dienstag Ende Juni vorbei, um sich zusammen mit dem bärtigen Deutschrockbarden die Folge anzuschauen, in der alle ein Wirtz-Lied singen.

Auch Thomas Wißmann, Executive Producer von "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert", war dabei und schwärmt von der Kameradschaft vor wie hinter der Kamera. "Beim Dreh haben wir erlebt, wie gut sich die Künstler untereinander verstehen und welche Energie das gemeinsame Abenteuer bei ihnen freisetzt", so der VOX-Mann. "Das kann man auch vor dem Schirm zu Hause spüren." Man habe erlebt, wie respektvoll und partnerschaftlich die Künstler miteinander umgegangen seien.

Haus am Meer

3q6e5001.jpg385718768548374606.jpg

Sie kann was: Yvonne Catterfeld.

(Foto: dpa)

Unabhängig davon, wie lieb sich Yvonne Catterfeld, Die Prinzen, Andreas Bourani, Daniel Wirtz, Hartmut Engler, Christina Stürmer und Gastgeber Xavier Naidoo nun wirklich haben – "Sing meinen Song" ist die große TV-Sensation des bisherigen Jahres. Die Sendung, in der wöchentlich in beschaulicher Haus-am-Meer-Kulisse viel gequatscht sowie die Lieder eines der beteiligten Künstler einstudiert und von den anderen zum Besten gegeben werden, trifft den Nerv der an Harmonie interessierten Musikfreunde. Unter Aufsicht des unterstützend-zurückhaltend auftretenden Xavier Naidoo wird hier nicht wie in Casting-Shows gegeneinander, sondern miteinander gesungen.

Die Einschaltquoten der zweiten Staffel übertreffen die der letztjährigen Premiere im Schnitt um fast 50 Prozent (allerdings musste man 2014 teilweise mit der WM konkurrieren) und sorgen bei VOX für größte Zufriedenheit. Wißmann: "Wenn man die Erwartungen der Zuschauer erfüllt, dann kann solch ein Format in einer zweiten Staffel durchaus einen Schneeball-Effekt haben und genau davon profitieren wir jetzt." Auch die Künstlerdokus im Anschluss sowie die Sendung "Meylensteine" laufen besser als erhofft.

Das Erfolgsrezept ist einfach

"Meylensteine" ist eine Art Spin-Off von "Sing meinen Song". Der Singer/ Songwriter Gregor Meyle, der in einem alten Bulli Kollegen wie Matthias Reim oder Sarah Connor besucht, um mit ihnen zu plaudern, war einer der großen Profiteure der ersten Staffel. Als ehemaliger Stefan-Raab-Castingshowzweiter hinter Stefanie Heinzmann war er schon vergessen, als er vergangenes Jahr ausgebuddelt und nach Südafrika eingeladen wurde. "Niemand wusste, wie die Sendung einschlagen wird", so Meyle. "Aber was Xavier Naidoo mir erzählte, klang spannend." Vor der Ausstrahlung hatte sich Meyles Album "Meile für Meyle" 3000 mal verkauft – inzwischen sind es 150.000 Stück. "Das Erfolgsrezept von 'Sing meinen Song' ist einfach", so Meyle. "Die Musik steht im Mittelpunkt und löst zu Hause auf dem Sofa Emotionen aus."

Popsänger Xavier Naidoo sorgt für Irritationen. Foto: Robert Schlesinger/Archiv

Xavier Naidoo- den liebt oder hasst man, es gibt kaum was dazwischen ...

(Foto: dpa)

Und das wollen offensichtlich viele. Selbst Künstler wie Pur-Frontmann Hartmut Engler, der sonst im Ruf steht, eine schnell beleidigte Diva zu sein, oder Ex-Bohlen-Schützling Yvonne Catterfeld kommen in der Sendung gut weg und können Punkte fürs Image sammeln, weil man sie endlich mal so erlebt, wie sie wirklich sind! Sie agieren abseits ihrer eigenen professionellen Shows und abseits von Promo-Auftritten. Beim Tauschkonzert erlebt man die Künstler menschlich.

Dass es bei so viel Austausch von Menschlichkeiten manchmal arg weinerlich zugeht und kaum eine Folge ohne Tränenvergießen auskommt, sei eben Konsequenz des Hochemotionalen. Und wohl auch Folge der harten Bedingungen vor Ort mit knackigen 16-Stunden-Tagen und entsprechend wenig Schlaf.

Culture-Clash

Zudem hüpfen die Musiker über ihre jeweiligen Tellerränder hinweg. Ein Andreas Gabalier, bei der ersten Staffel dabei, kannte man zwar in der Szene der modernen Volksmusik, ein Mainstream-Star ist der Österreicher erst durch "Sing meinen Song" geworden. Selbst Gabalier-Landsfrau Christina Stürmer, seit zehn Jahren für Hits gut, sagt, sie habe neuerdings festgestellt, dass sie viel häufiger als früher auf der Straße angesprochen wird.

VOX-Produzent Wißmann zur Auswahl der Teilnehmer: "Die Show funktioniert für die TV-Zuschauer besser, wenn ein guter Teil des Song-Repertoires bekannt ist. Zum anderen ist der Genre-Mix wichtig - und die Bereitschaft der Künstler, sich auf diesen 'Culture Clash' einzulassen. Je größer der Spagat musikalisch ist, desto spannender sind die neuen Versionen der Songs."

Nur ein Rapper war bis jetzt nicht dabei, obwohl man wahnsinnig gerne einen hätte. Alle Rapper, die VOX gefragt hätte, hätten gekniffen. "Der Rapper muss halt auch singen können und das grenzt das Feld wohl ziemlich ein." Ansonsten habe man aber keine Sorge, dass die Kandidaten für künftige Staffeln, die es sicher geben wird, knapp werden.

Erst recht, seitdem die Tonträgerfirmen, die anfangs noch skeptisch waren, die Zahlen sehen und versuchen, ihren Schützlingen einen Platz im "Tauschkonzert" zu sichern. Denn verkaufsmäßig geht hier richtig was. Die Sendung werde überwiegend von musikbegeisterten Menschen, etwas mehr Frauen, zwischen etwa 25 und 50 angeschaut, und der Effekt auf die Albumcharts ist gigantisch. Den gesamten Juni über prägen "Sing meinen Song"-Produkte die Verkaufslisten. Auch aktuelle oder zum Teil schon ältere Alben von Sarah Connor, Wirtz, Christina Stürmer, Andreas Bourani, Pur oder den Prinzen tummeln sich auf vorderen Rängen. Als die Anfrage kam, haben wir lange überlegt, wo wohl der Haken und wo das Voyeuristische ist", sagt Sebastian Krumbiegel von der altgedienten A-Capella-Band Die Prinzen, der zusammen mit Kompagnon Tobias Künzel dabei ist. "Aber wir haben keinen Haken entdecken können."

Man muss nicht Fernsehwissenschaften studiert haben, um einen weiteren Schwall von neuen Musikshows nach "Sing meinen Song"-Vorbild vorauszusagen. "Wir arbeiten an diversen Ideen für neue Musik-Events", so Wißmann, was schon deshalb erfreulich ist, da nach der Selbstpensionierung von Stefan Raab und in einer Radiolandschaft, in der Sender sich allen Ernstes rühmen, die aktuellen Hits bis zu 23 Mal am Tag zu spielen, die Präsentationsflächen für frische wie etablierte Bands und Musiker noch rarer werden. Thomas Wißmann: "Sing meinen Song" ist für uns ein Format mit Leuchtturmcharakter."

"Sing meinen Song" läuft am Dienstag um 20.15 Uhr auf VOX.

Quelle: ntv.de