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"Nemesis" aus Dresden Der "Tatort" im Schnellcheck

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Die Dresdner Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) bei der Arbeit.

(Foto: ARD/MDR)

Was zunächst nach einem Mafia-Mord um Erpressung und Schutzgeld aussieht, entpuppt sich als Familiendrama, in dem der Mörder nicht nur Täter, sondern vor allem Opfer ist. Der Fall um den ermordeten Gastronomen Benda fesselt bis zum furiosen Finale.

Das Szenario

Ist Katharina Benda (Britta Hammelstein) wirklich die trauernde Witwe, die um ihren ermordeten Mann, den Dresdner Szene-Gastronomen Joachim Benda, weint? Oder hat sie etwas mit dem Verbrechen zu tun? Mit mehreren Schüssen ist Benda förmlich hingerichtet worden, in seinem Arbeitszimmer liegt er kopfüber auf dem Schreibtisch. Benda hinterlässt neben seiner Ehefrau auch zwei Söhne, Viktor (Juri Winkler) und Valentin (Caspar Hoffmann).

Nicht nur weil Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) zu den Stammgästen des Restaurants zählte, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er mit den Bendas befreundet ist beziehungsweise war, liegt es ihm, dem chronisch überreizten Kripochef, besonders am Herzen, dass dieser Fall möglichst schnell aufgeklärt wird. Zunächst sieht es auch danach aus, dass die Spuren die beiden Dresdner Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und ihre neue Kollegin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) ins Rotlichtmilieu führen, von dort in mafiöse Kreise. Als ein verdeckter Ermittler diesen Verdacht schließlich entkräftet, rückt Katharina Benda in den Fokus: Ihr Mann hatte unmittelbar vor seiner Ermordung versucht, sie in die Psychiatrie einweisen zu lassen.

Die eigentliche Botschaft

Mutterliebe geht über alles, sogar über Leichen. Zugegeben - die Volte, dass Mutter Benda, die titelgebende „Rachegöttin“, ihre eigenen Söhne zum Mord am Vater aufstachelt, ist waghalsig konstruiert, dennoch fährt das Autoren-Team Stephan Wagner und Mark Monheim die Story überaus spannend - und mit einem gut getimten Finale - ins Ziel.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Endlich wieder Tatort! Zwischen Kantinen-Cordon-Bleu, Raucherpause und verlängerter Kaffeepause keine verzweifelte Suche mehr nach einem Gesprächsthema, sondern solider Dissens über den Krimi vom Vorabend.

Der Plausibilitätsfaktor

Siehe Botschaft: Zwei junge Bengel, die im Auftrag der Mutter ihren Vater umbringen? Ein fantasiereiches Konstrukt, zudem noch unter dem Aspekt, dass die Söhne und ihr alter Herr einander ziemlich nahestanden. Dennoch - die Familie ist potenziell ein tiefes Tal der Geheimnisse, der Untaten und Abhängigkeiten. Es sind auch die schauspielerisch exquisiten Leistungen von Britta Hammelstein und den Nachwuchskräften Juri und Caspar, dazu die unaufgeregte Chemie zwischen Karin Hanczewski und Cornelia Gröschel, die diese extreme Geschichte in der Balance halten.

Die Bewertung

8 von 10 Punkten. Den Dresdner fällt die Rolle der Sommerferien-Beendigung zu, sie lösen die Aufgabe äußerst solide und packend bis zur Schlusseinstellung.

Quelle: n-tv.de

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