Unterhaltung

"Als ob Gott zu uns spricht" Die "100.000 Mark Show" feiert Comeback

313187156.jpg

Sie hat wieder eine Menge Geld im Gepäck: Ulla Kock am Brink.

(Foto: picture alliance/dpa/RTL)

Aus Nostalgie-Gründen wird sie zwar wieder "100.000 Mark Show" heißen, doch zu gewinnen gibt es natürlich Euro. Mit dem Format, das am Sonntag bei RTL seine Rückkehr feiert, geht der Retro-Trend im Fernsehen weiter. Die Moderation übernimmt Ulla Kock am Brink - natürlich.

Es gab in den 90ern einige Autoritäten, die zwar nicht immer bewundert, aber doch respektiert wurden. Helmut Kohl regierte, der Musiksender Viva beschied der Jugend im Land, was gerade cool und angesagt war. Alles ziemlich lange her. Eine Stimme aber, die damals von Millionen Menschen mit angespannten Nerven und in Erwartung ihres unfehlbaren Urteils gehört wurde, kehrt nun in gewisser Weise zurück. Ihre Worte damals, mysteriös-entmenschlicht vorgetragen: "Der von ihnen eingegebene Code ist ..." Pause. "Richtig."

Zugegeben, nur Menschen mit einem Faible für Fernsehgeschichte werden sich noch an alle Details der "100.000 Mark Show" erinnern. Fest steht aber, dass sie damals ein riesiger Erfolg war. Nach einer Reihe aufregender Spiele gaben Kandidaten eine Zahlenkombination an einem Tresor ein und hofften, dass eine Computer-Stimme ihnen den Weg zum Reichtum eröffnen möge. Am Sonntag um 20.15 Uhr kommt die Show nun zurück zu RTL (auch auf RTL+ abrufbar). Erneut moderiert Ulla Kock am Brink - die inzwischen 61-Jährige verspricht schon mal, dass die Stimme nun "noch brutaler" sei: "Sie klingt jetzt, als ob Gott selbst zu uns spricht." Geplant sind vorerst vier Ausgaben.

Dass die Show wiederkommt, hat gleichsam weniger mit göttlicher Fügung als mit dem Trend zum Retro-Fernsehen zu tun. Mehrere Formate wurden in den vergangenen Monaten wiederbelebt, durchaus mit Erfolg - von "Der Preis ist heiß" (RTL) über "Geh aufs Ganze!" (Sat.1) bis "Wetten, dass..?" (ZDF). Mit der "100.000 Mark Show" wagt man sich nun wirklich knietief in die 90er-Nostalgie hinein. Das geht so weit, dass sogar die Deutsche Mark - Ältere werden sich an sie erinnern - im Titel bleiben darf.

"Das ist keine Kopie"

Der Titel sei eben auch eine Marke geworden, sagt Kock am Brink. "Jeder weiß sofort: Das ist keine Kopie oder Variation - sondern das Original." Ausgezahlt werde aber natürlich in Euro: "Es wäre zu dämlich, wenn ein Geldbote alte Mark-Münzen in einem Sack übergibt." Umgerechnet seien somit etwas mehr als 50.000 Euro zu holen.

Kock am Brink hatte von 1993 bis 1998 durch die Show geführt und ein Millionenpublikum erreicht. Die Sendung brach mit Gewohnheiten - sie war viel actionreicher als andere Gameshows und lockte mit einer fast unvorstellbar hohen Gewinnsumme. 1998 übernahm Moderator Franklin - eigentlich Frank Schmidt - das Ruder. Im Jahr 2000 wurde die Show vorerst eingestellt. 2008 gab es ein in Vergessenheit geratenes Mini-Comeback als "Die 100.000 Euro Show" mit Inka Bause.

Kock am Brink spricht von einem "Zauber", der 2008 nicht mehr da gewesen sei. In der "100.000 Mark Show" dürfe es keine kleinen Spielchen geben - sondern möglichst große, mit vielen Variationen. Zugleich gehe es in der Neuauflage nicht darum, Superlative zu toppen. Oder wie sie sagt: "Niemand wird sich einen Donut unter die Stirn tackern." Man wolle aber jungen Leuten, die damals die Show geschaut haben und heute erwachsen sind, ein Angebot machen, ins lineare Fernsehen zurückzukehren.

Wiedersehen mit dem "Heißen Draht"

Viele Spiele von damals seien wieder dabei - etwa der legendäre "Heiße Draht". "Der Sender hat wirklich an nichts gespart. Es wurde alles versucht, dieser Sendung den Glanz zu verleihen, den sie verdient", sagt die Moderatorin.

Auch für sie selbst ist es in gewisser Weise eine Rückkehr zu den Wurzeln. "Die 100.000 Mark Show" holte Kock am Brink einst auf die Landkarte der deutschen Top-Moderatorinnen. Sie erinnert sich noch gut daran - auch an die Beurteilungen ihres Moderationsstils. "Kühl" war eines der Attribute, das man häufiger las. "Das lag daran, dass ich eine Frau bin. Eine Frau darf keine Spannung aufbauen, das ist Sache der Männer - das war so der Grundtenor", sagt sie. Das sei natürlich großer Quatsch. "Ich war ja auch total empathisch mit den Kandidaten", sagt sie. "Damals hat mich das auch getroffen. Weil ich das Gegenteil von kühl bin. Was auch jeder weiß, der mich kennt."

1998 sei sie gegangen, weil sie an sich eine gewisse Routine bemerkt habe - und, weil es ein anderes Angebot gab. Bei ProSieben sollte sie die tägliche "Ulla Kock am Brink Show" moderieren. "Dass das ein tierischer Flop werden würde, konnte ich ja nicht ahnen", sagt sie im Rückblick. Sie habe sich also "voller Begeisterung in den Abgrund" gestürzt. Nun stürzt sie sich in die Retro-Welle.

Quelle: ntv.de, Jonas-Erik Schmidt, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen