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"Schlag den Raab" - das Ende Ein TV-Platzhirsch packt ein

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Seit 2006 tritt Stefan Raab in "Schlag den Raab" gegen einen Kandidaten an: In seiner letzten Sendung hat er es allerdings mit 15 Gegnern zu tun.

(Foto: dpa)

Linda erdreht sich 100.000 Euro, ein Ballermann-Fan erklackert sich eine Million und Gätjen fragt Frauen, wie viel sie wiegen. "Schlag den Raab" endet mit einem neuen Konzept. Die letzten unvergesslichen Momente gehören jedoch dem Meister persönlich.

Es ist vollbracht. Einer der größten deutschen TV-Titanen des letzten Jahrzehnts packt die Geige ein und verlässt die Fernsehbühne. In seiner allerletzten Show versucht er noch einmal zu zeigen, warum die einen ihn mochten und die anderen ihn hassten. Raab polarisiert. Das kann ein gutes Zeichen sein. Muss es aber nicht.

Die 55. und letzte Ausgabe von "Schlag den Raab" startet nicht nur mit tosendem Applaus für den "Master von Pro7", sondern auch mit neuen, ganz besonderen Spielregeln. Denn anders als in den vergangenen Sendungen der letzten neun Jahre, kann - mit etwas Glück - jeder der Zuschauer im Studio 100.000 Euro gewinnen.

Raab soll in 15 Spielen gegen ebenso viele Kandidaten antreten. In jeder Runde kann also ein anderer sein Glück versuchen, einmal "dem Irren das Fell über die Ohren zu ziehen" (Spiele-Kommentator Buschi). Treue Fans sind halbwegs verärgert, denn viele hatten sich für Raabs finalen TV-Auftritt einen weiteren "letzten heißen Fight" gewünscht. Stattdessen scharwenzelt Gätjen, Moderator von det Janzen, mal mehr, mal weniger gezielt durchs Publikum und pickt sich für jedes Spiel einen neuen Anwärter heraus. Was auffällt: Raab, der inzwischen knapp 50 Lenze auf dem Buckel hat, kann nicht nur optisch locker gegen die Jugend mithalten. Einige der Herausforderer sehen mit Anfang 20 mindestens zehn, wenn nicht gar 15 Jahre älter aus!

Einmal im Leben den "Raabinator" besiegen

"Du kannst nix verlieren!", sagt Gätjen zu Grobmotorikerin Victoria, der ersten Kandidatin mit Aussicht auf einen Koffer voller Geld. "Doch! Ehre und Stolz" kontert diese gewitzt, zieht aber gegen Raabs grandiose "Wedeltechnik" beim Papierengel-Fangen mit einem Mini-Fangnetz den Kürzeren.

Die Spiele des letzten großen Auftritts des "Raabinators" sind schnell erklärt: Es werden Bälle geworfen, Klötzchen gestapelt, Dosen geschossen und im Kreis gefahren. Nichts Neues also. Was die Klischees betrifft, so werden diese astrein bedient, denn vorrangig werden Männer aus dem Publikum gewählt, die gegen den Chef-Entertainer antreten dürfen. Das ist einerseits zwar ziemlich sexistisch, andererseits aber auch kein Wunder, schließlich hat in all den Jahren bei „Schlag den Raab“ erst eine einzige Frau gegen das "deutsche Kampfschwein" gewonnen.

Gespickt wird die letzte Sendung mit einigen Rückblicken auf vergangene Shows, die beim Zuschauer zu der berechtigen Frage führen: Was, so lange ist das schon wieder her? Noch einmal sehen wir, wie Raab, der alte "TV-Hamster" im Hamsterrad freidreht, sich mit dem Mountainbike übel auf "die Fresse legt und trotzdem weitermacht" oder aber unter Beweis stellt, dass sein Riechkolben irgendwie nicht so richtig funktioniert. Doch die Erinnerungen an die Anfänge machen Raab (noch) nicht wehleidig. Das ändert sich, als Sidekick Elton für "Blamieren oder Kassieren" aufschlägt. "Komm, lass dich drücken!", sagt Raab und der einstige Praktikant, "der das alles wahnsinnig vermissen wird", lehnt sich traurig an die Schulter seines alten Mentors und "hofft auf ein Wiedersehen".

"Mensch ärgere dich nicht"

Was dem deutschen Fernseh-Platzhirsch, ob man ihn nun mag oder nicht, bei seinem TV-Abschied aber hoch anzurechnen ist: Er spielt, als wäre es seine erste "Schlag den Raab"-Show! Immer wieder gibt der Entertainer alles und zwingt sich auch die letzten Kraftreserven ab. Kampflos verlieren kommt für ihn nicht in Frage, und auch wenn er einem bisweilen wie ein eingeschnapptes Kind vorkommt, das beim "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel bockig die Hütchen in die Ecke feuert, wenn es verloren hat, so ist es gleichermaßen herrlich mit anzusehen, dass er eben dieses Kind in sich bewahrt hat und sich genauso freuen kann, wenn er gewinnt.

Sein letztes Spiel an diesem Abend und das, glaubt man seinen Worten, wohl auch letzte seiner TV-Karriere, verliert er im Raddrehen gegen die 23-jährige Lehramtsstudentin Linda. Doch Raab wirkt fast wie befreit. Herzlich drückt und busselt er seine Gegner, auch jene, die die Sympathie einer leeren Brotdose versprühen oder, weil sie mehr als viereinhalb Jahre auf ein Ticket warten mussten, so aufgeregt sind, dass sie kaum Piep machen können.

Der Jackpot und damit insgesamt eine Million Euro gehen letztlich an Ballermann-Henrik. Klackern stand auf dem Plan. Schier unglaublich, dass es nur eines alten Kinderspiels bedarf, um Millionär zu werden!

Von einem, der sich niemals schonte

Die letzten Worte an diesem Abend aber gehören dem Mann der Stunde. Ohne Tränen in den Augen und mit gewohnt dreckigem Grinsen stimmt Raab den Whitney Houston-Song "One Moment in Time" an, um sich nach wenigen schiefen Tönen zu versingen und den TV-Zuschauer lachend und weinend zugleich vor einem längst vergessenen Testbild sitzen zu lassen. "Bitte haben Sie noch etwas Geduld, Stefan Raab ist gleich wieder für Sie da", sagt eine sonore Stimme eine gefühlte Ewigkeit.

Ein letztes Mal haut Raab erneut mit seiner Studioband, den Heavytones, in die Tasten und genießt sein Finale bis zum Schluss. In Pelzmantel und Sonnenbrille gibt er "Run Rudolf Run" von Chuck Berry zum Besten. Dann geht er von der Bühne, winkt ins Publikum, drückt Kollegen seines Teams, bedankt sich und verabschiedet sich schlicht mit den Worten: "Macht's gut!"

Es heißt, dass man immer erst etwas vermisst, wenn es nicht mehr da ist. Das breiteste Gebiss Fernsehdeutschlands hat abgedankt. Was bleiben wird, ist die Erinnerung an 16 Jahre harten und teilweise genialen Show-Kampf von einem, der sich niemals schonte.

Quelle: ntv.de