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"15 Prozent AfD hier?" Fanta 4 senden freundliche Grüße

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Die Fantastischen Vier rappten im Berliner "Kraftwerk".

(Foto: Markus Nass für Deutsche Telekom GmbH)

Auf Einladung eines Mobilfunkanbieters geben die Fantastischen Vier ein exklusives Clubkonzert in Berlin. Eine imposante Werbeveranstaltung, bei der es um den neuesten heißen Technik-Scheiß geht. Doch kurz wird es auch politisch.

Knapp 20 Jahre ist es her, dass Die Fantastischen Vier uns ihre freundlichen Grüße bestellt haben. Im Song "MfG - Mit freundlichen Grüßen" brachten sie damals beinahe Hundert Kürzel unter - darunter auch das von n-tv. Dafür schon mal freundliche Grüße zurück. Aber auch die rechtsextreme DVU fand in dem Lied von 1999 Erwähnung. Die gibt es inzwischen nicht mehr, seit sie 2010 in der NPD aufgegangen ist.

Umgekehrt gab es die AfD damals noch nicht. Heute würden die Fantas also vielleicht sie mit einer Erwähnung in ihrem Drei-bis-vier-Buchstaben-Rap bedenken. Beim Auftritt im Berliner "Kraftwerk" am Samstagabend entscheiden sich die deutschen Hip-Hop-Granden dagegen dafür, der Partei gleich mal ein paar Sätze zu spendieren. 15 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland würden für die AfD stimmen, sinniert Michi Beck auf der Bühne. Er frage sich, ob wohl auch hier im Saal knapp jeder Siebte sein Kreuz bei den Rechtsauslegern machen würde.

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Das Publikum bestand aus geladenen Gästen und Ticketgewinnern.

(Foto: Markus Nass für Deutsche Telekom GmbH)

Es gebe sicher Probleme in diesem Land, gibt die Gruppe inmitten ihres Programms zu bedenken. Diese würden jedoch, so viel sei sicher, ganz bestimmt nicht vom rechten Rand gelöst werden. Vermutlich auch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Chemnitz. Dorthin, wo am Montagabend Kollegen der Fantas wie Die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet gegen Rechtsradikalismus, Rassismus, Gewalt und Intoleranz anrocken werden.

Ob das Statement der Fantastischen Vier im späteren Konzertzusammenschnitt wohl auch noch zu sehen sein wird? Schließlich ging es bei der fulminanten Show im "Kraftwerk" eigentlich um etwas anderes. Das Konzert war eine Hochglanzwerbeveranstaltung im Rahmen der "Telekom Street Gigs". Der Konzern hat die Event-Reihe längst hochkarätig etabliert. Egal, ob die Red Hot Chili Peppers, Depeche Mode oder im vergangenen Jahr 30 Seconds To Mars - Top-Größen der Rock- und Pop-Szene geben sich mittlerweile bei der Telekom die Klinke in die Hand.

Das Unternehmen schlägt damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Zum einen verhilft ihr das Musik-Engagement zu einem positiven Image, das nicht zuletzt bei der jungen Kundschaft verfangen soll. Zum anderen kann sich das Unternehmen als Vorreiter der schönen neuen Technik-Welt profilieren. Schließlich wurde der Auftritt der Fantastischen Vier nicht nur in 3D produziert. Er wurde auch als erster VR180 Konzert-Stream überhaupt live im Netz übertragen.

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Auch zu einem politischen Statement ließen sich die Fantas hinreißen.

(Foto: Markus Nass für Deutsche Telekom GmbH)

Was das heißt? Mit einer entsprechenden Brille ausgestattet, konnten auch die, die kein Ticket für die Show besaßen, unter anderem bei Youtube das Konzert beinahe so verfolgen, als seien sie dabei. Bei der VR-Technik ("Virtuelle Realität"-Technik) gibt es keinen vordefinierten Bildausschnitt mehr. Sie ermöglicht es, sich umzusehen, als stünde man in der Mitte des Raums.

Für diejenigen wiederum, die zu den paar Hundert geladenen Gästen und Telekom-Kunden gehörten, die eine Karte für das Konzert gewonnen hatten, machte das natürlich kaum einen Unterschied. Mal abgesehen von dem Sammelsurium an Kameras und sonstigen technischen Gerätschaften, die man nicht übersehen konnte. Wie viel sie sich Events dieser Art kosten lässt, darüber schweigt sich die Telekom aus. Es ist jedoch unschwer zu erahnen, dass die Produktion locker in die Millionen gehen dürfte.

Ihren Auftritt absolvierten die Fantas dabei gewohnt routiniert. Von "Sie ist weg" und "Der Picknicker" über "Einfach sein" und "Ernten was wir säen" bis "Tag am Meer" und eben "MfG" rappten sich Smudo, Thomas D und Michi Beck mit der Unterstützung von And.Ypsilon und diversen Gastmusikern durch ihr Repertoire an Hits. Mit dem Allzeit-Klassiker "Die da!?!" und natürlich dem notorischen "Troy" schickten sie das Publikum schließlich nach rund eineinhalb Stunden nach Hause.

Und dennoch: Ganz so wie bei einem normalen Fanta-Konzert fühlte es sich auch vor Ort im "Kraftwerk" nicht an. Und das lag nicht nur an den eher sterilen Rahmenbedingungen einer derartigen Multimediaproduktion. Der Stimmung hätte es sicher auch gut getan, wenn sich unter all die sicher enorm wichtigen Zuschauer mit Plastik-Badge um den Hals, die artig mit wippten, auch ein paar mehr echte Fans der Gruppe gemischt hätten.

Ausgelassene Party-Stimmung wollte so nicht richtig aufkommen. Aber darum ging es im "Kraftwerk" ja wohl auch nicht. Strategisch wichtiger ist es, die Fans, die das Konzert live verfolgten oder es später als Mitschnitt auf der Telekom-Webseite, in der App des Unternehmens oder bei Entertain-TV ansehen, glücklich zu machen. Denn wirklich troy sind nur sie.

Quelle: n-tv.de

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