Unterhaltung

Zum Tod von Meat Loaf Feierbiest, Klima-Schwurbler, Rock-Legende

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Er hat alles mitgenommen: Meat Loaf.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ruhe in Frieden, Meat Loaf. Die überraschende Nachricht vom Tod des stimmgewaltigen Sängers trifft die Rockwelt mitten ins Herz. Nun flattert die "Bat Out Of Hell" in Richtung Himmel. Ein paar Zeilen für die letzte Reise.

Von der Bühne direkt ins Krankenhaus, die Blutbahnen vollgepumpt mit Alkohol und Drogen und überall auf der Welt schreien sich huldigende Fans die Seele aus dem Leib: Wenn einer das "Sex, Drugs & Rock And Roll"-Klischee bis zum Exzess gelebt hat, dann war das wohl der in Texas geborene Michael Lee Aday, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Meat Loaf.

Aufgewachsen unter der strengen und prügelnden Regie eines Alkoholikers, wurde der später als rockender Fleischkops durch die Welt tourende Meat Loaf schon früh mit tiefgehenden Verlustgefühlen konfrontiert. Neben seinem Selbstwertgefühl verlor er auch seine Mutter bereits in jungen Jahren. Den Spitznamen "Meat" verpasste ihm sein Dad mit einem gehässigen Grinsen im Gesicht: "Ich war schon als Kind ziemlich dick. Mein Vater machte sich gerne darüber lustig", so der Sänger, der all die Wut, die Trauer und die vielen seelischen Narben irgendwann in seiner späteren Jugend kanalisierte, um etwas Positives zu schaffen.

Höhen und Tiefen

Angetrieben von einer unbändigen Leidenschaft für Film und Musik startete der junge Michael in den frühen 70ern seine Karriere auf der Überholspur. In kleineren Bands tourte der sich mittlerweile Meat Loaf nennende Sänger mit Künstlern wie Joe Cocker und Iggy Pop durch die Lande. Es war der Anfang einer Karrieren-Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen.

Am Broadway spielte Meat Loaf eine Gastrolle im Musical "Hair". Als "Eddie" düste er durch die "Rocky Horror Picture Show". Und mit seinem Erfolgsalbum "Bat Out Of Hell" eroberte er 1977 die Rockwelt. Neben Kiss, Alice Cooper und Led Zeppelin zählte Meat Loaf zu den Größten der Branche. Der füllige, sich auf der Bühne stets komplett auspowernde Sänger und sein treuer Begleiter, Freund und Produzent Jim Steinman (der 2021 ebenfalls verstorben ist), verzückten die Branche mit philharmonischer Rockwucht und Melodien für die Ewigkeit. Doch der Erfolg hatte seinen Preis.

Partys und Exzesse

Die Exzesse liebend, verlor sich Meat Loaf unzählige Male im Dunkel der Business-Schattenseiten. Drogen, Alkohol, Partys bis zum Morgengrauen: An die meisten Abstürze konnte sich der Sänger irgendwann schon gar nicht mehr erinnern. In den 80ern war die Luft komplett raus, und dennoch lag ihm die beinharte Anhängerschaft treu zu Füßen. Als Meat Loaf im Jahr 1993 sein fulminantes Comeback zelebrierte und mit der Über-Hymne "I'd Do Anything For Love" noch einmal alles auf Anfang stellte, machte nicht nur die aufkeimende Grunge-Generation große Augen. Plötzlich waren sie wieder da, die pathosgeschwängerte Superstar-Präsenz und das markante Organ, mit dem Meat Loaf nicht nur Rockfans auf der ganzen Welt spielend leicht um den Finger wickeln konnte.

So unerwartet das Comeback alles auf den Kopf stellte, so schnell war der Rausch aber auch wieder verflogen. Abermals verschwand Meat Loaf nach einer Welle des Erfolgs aus dem Rampenlicht. Der zwischendurch immer mal wieder als Schauspieler aktive Frontmann ("Roadie", "Fight Club", "Wayne's World") katapultierte sich erst zwei Dekaden nach seiner kurzzeitigen Rückkehr in die Erfolgsspur wieder in die Schlagzeilen. Diesmal winkten die meisten Anhänger aber nur noch verständnislos und enttäuscht ab. Als bekennender Trump-Anhänger und überzeugter Klimawandel-Leugner sorgte Meat Loaf Anfang 2020 nicht nur bei Umweltaktivistin Greta Thunberg für Kopfschütteln ("Ich habe Mitleid für diese Greta. Sie denkt es gäbe den Klimawandel - tut es aber nicht.").

Was bleibt?

Nun ist Meat Loaf tot. Er wurde 74 Jahre alt. Knapp zwei Jahre nach dem Zünden seiner letzten Karriere-Rakete fragt man sich nur ganz kurz, welche Erinnerung wohl ewig haften bleiben wird - die an den schwurbelnden Trump-Buddy oder die an die einzigartige Rock-Legende, die Millionen Musikfans in aller Welt begeistern konnte? Natürlich nehmen wir letztere mit in die Zukunft. Und das ist auch gut so.

Quelle: ntv.de

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