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Würdevoller Oscar-Auftritt Frances McDormand the Great

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Starker Auftritt: Frances McDormand.

REUTERS

Alle Frauen, die nominiert waren, hätten den Oscar verdient. Frances McDormand hat bei den Oscars dann aber vor allem mit einer Geste gezeigt, wie sehr sie ihn verdient hat. Frauen aller Länder - freut euch, bessere Zeiten werden kommen!

Bereits vor 21 Jahren hielt Frances McDormand eine beeindruckende Rede, als sie ihren ersten Oscar für ihre Hauptrolle in "Fargo" gewann. Unter den Applaudierenden: Unter anderem Harvey Weinstein und Kevin Spacey, beide inzwischen aus den heiligen Hallen der Oscar-Feierlichkeiten verbannt. Als erstes verwies sie damals auf ihre Kolleginnen, die mit ihr nominiert waren und forderte die Produzenten auf, Rollen weiterhin mit Frauen zu besetzen, die nicht nur Geld in die Kassen spielen würden, sondern einen gewissen Qualitätsanspruch bedienen können. Und auch dieses Jahr hielt sie eine preiswürdige Rede, über Frauen und Anstand, und tat damit der #MeToo-Debatte, dem Feminismus, dem Fortschritt und der Stimmung einen großen Gefallen.

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Sally Hawkins, Saoirse Ronan, Margot Robbie und Meryl Streep freuen sich so, als hätten sie gewonnen. Haben sie ja auch.

(Foto: REUTERS)

Frances McDormand - sicher eine der stärksten und autarksten Frauen Hollywoods - bedankte sich 2018 bei drei Personen im Besonderen, allesamt Männer. Und damit dürfte klar sein: diese Debatte geht alle an, Männer und Frauen, alle sind aufgefordert, an einer gerechteren Welt mitzuwirken. McDormand bedankte sich bei den Coen-Brüdern, von denen einer sie zur Schauspielerin gemacht hat (Ethan) und der andere (Joel) zur Frau. Und bei ihrem Sohn, der sie zu einer Mutter machte. Ein Dreigestirn - Ehefrau, Mutter, Schauspielerin - von dem andere Frauen nur träumen können, bis heute. Frances McDormand ist also ein Glückskind. Und das hat sie bei den Oscars 2018 wieder unter Beweis stellen können.

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Der zweite Oscar für Frances McDormand.

(Foto: imago/MediaPunch)

Nominiert zusammen mit der nicht wegzudenkenden Meryl Streep (sie war tatsächlich zum 21. Mal für die "Beste Weibliche Hauptrolle" vorgeschlagen) und den nicht minder begabten Kolleginnen Saoirse Ronan, Sally Field und Margot Robbie, die alle starke Frauenrollen spielten, ist es doch Frances McDormand geworden, die den "penislosen Goldjungen" (wie Oscar-Moderator Jimmy Kimmel ihn zu Beginn der Verleihung gleich nannte) mit nach Hause nehmen darf. Und auf jeden Fall ist es richtig, Frances McDormand den Oscar für ihre Rolle in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" zu geben. Dass sie ihn mehr als verdient hat aber zeigte sie vor allem in der Art, wie sie ihn annahm.

Viele Kollegen weisen auf ihre Co-Nominierten hin, McDormand jedoch bittet alle im Saal anwesenden, nominierten Frauen aufzustehen, was dazu führt, dass eine nicht unbeachtliche Gruppe von Frauen einen wunderschönen #MeToo-Moment erster Güte hat. #MeToo nämlich endlich mal wieder im positiven Sinne, im Sinne von "ich bin auch nominiert, ich bin auch gut". Drehbuchautorinnen, Schauspielerinnen, Regisseurinnen, Komponistinnen, Designerinnen, MakeUpArtistinnen - sie alle dürfen sich mit Frances McDormand zeigen. Und der Saal macht mit, rastet - nach den doch etwas zaghaften vorherigen Stunden der Oscar-Verleihung - endlich so richtig aus. Standing Ovations, eine sichtlich gerührte Frances McDormand, die so berechtigt diesen Preis gewonnen hat und die ihn so uneitel mit allen anderen teilt. Solche Momente prägen sich ein, und eine Meryl Streep, die 2017 eine leidenschaftliche Rede bei den Golden Globes gehalten hat, weiß das genauso wie eine Oprah Winfrey, die seit ihrer denkwürdigen Rede bei den Golden Globes 2018 täglich damit leben muss, nach ihrer Kandidatur für die Präsidentschaft im Weißen Haus gefragt zu werden.

"Ruft-uns-an!"

Auch Frances McDormand muss damit rechnen, dass ihr Telefon nicht mehr still stehen wird: Hat sie doch alle anwesenden Produzenten und sonstigen Filmschaffenden dazu aufgefordert, sich in den nächsten Tagen bei all den fähigen Frauen zu melden, die aufgestanden sind: "Schaut euch um. Denn wir alle haben Geschichten, die erzählt, und Projekte, die finanziert werden wollen! Ladet uns in einigen Tagen in eure Büros ein", so die Schauspielerin.

McDormand, die in einem hochgeschlossenen langen Kleid, nicht schwarz, und höchstwahrscheinlich gänzlich ohne MakeUp, vor einem Millionen-Publikum aufgetreten ist, wird mit diesem glamourösen Auftritt der Extra-Klasse noch lange im Gedächtnis bleiben. Denn ihre Schlussworte - nur zwei - hatten es in sich: "inclusion rider". Der "inclusion rider" besagt, dass in Verträgen Geschlechterparität und Diversität garantiert werden müssen. In Zeiten, in denen Mark Wahlberg eine Million Dollar für einen Nachdreh bekommt und Michelle Williams für denselben Film, von derselben Agentur ausgehandelt, nur 1000 Dollar Entschädigung erhält, eine wichtige Aufforderung. Die im übrigen nicht nur für das Gefälle "Mann -  Frau" steht, sondern auch für Minderheiten, Menschen mit Behinderungen und Homosexuelle in der Filmindustrie gelten sollen. Es ist noch viel zu tun. Was wir bisher gesehen haben, scheint nur die Spitze eines Eisbergs zu sein. Doch dank Frances McDormand sind Frauen wieder einen guten Schritt weitergekommen.

Quelle: n-tv.de

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