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Erst Ladentheke, dann Laufsteg Hamann: "Sie machten sich lustig"

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Das Model legt Wert auf eine ordentliche Portion Humor: "Ich bin immer noch der gleiche Vogel", sagt er.

(Foto: Haze & Glory)

Nächste Woche startet die Fashion Week in Berlin und da geht es vor allem um eines: Sehen und gesehen werden. Oft stehen dann die weiblichen Models im Rampenlicht, die Männer bleiben im Hintergrund. Doch der Deutsche André Hamann könnte das dieses Jahr ändern. Mit seinen Tattoos, dem perfekt gestählten Körper und dem vollem Dreitagebart sticht er aus der Masse deutlich hervor. Mit muffeligem Rockerimage hat das aber nichts zu tun. Bei unserem Interview in Berlin hat er innerhalb weniger Minuten das gesamte Café mit seiner guten Laune angesteckt.

n-tv.de: Dem klassischen Modeltyp entsprichst du mit deinem tätowierten Körper ja eher nicht. Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe damals in Wien gewohnt und als Trainee bei H&M gearbeitet. Während der Arbeit kam dann ein weibliches Model auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich nicht Lust habe, zu modeln. Ich habe mich bei der Agentur vorgestellt und wurde dann in deren Kartei aufgenommen.

Wann hattest du dann deinen ersten großen Auftrag?

Am Anfang konnte ich nie zu den Castings gehen, da ich immer arbeiten musste. Ungefähr zwei Monate nach Vertragsunterschrift bekam ich dann aber meinen ersten großen Job bei der russischen "Cosmopolitan".

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Deine Tattoos sind ja so etwas wie dein Markenzeichen. Hast du dich vor allem deswegen tätowieren lassen?

Meine erste Tätowierung hatte ich mit 16 und über die Jahre wurden es immer mehr. Jedes Tattoo steht für eine bestimmte Phase in meinem Leben. Viele lassen sich ja nur tätowieren, weil es hip ist, für mich muss ein Tattoo aber auch eine Bedeutung haben.

In der Branche gibt es nur wenig gut bezahlte männliche Models. Fühlst du dich benachteiligt?

Die Modeindustrie macht ja unheimlich viel Umsatz mit Frauenkleidung. Insofern finde ich es voll okay, dass weibliche Models auch mehr verdienen. Ich kann mich nicht beklagen, ich führe ein gutes Leben. Und es gab bei mir ja auch schon andere Zeiten.

In Brasilien und den USA kannst du schon nicht mehr unerkannt durch die Straßen gehen. Woran liegt es, dass du dort bekannter bist als in Deutschland?

Das ist einfach! (lacht) In Brasilien habe ich eine dort sehr bekannte Schauspielerin gedated. (Thaila Ayala, Anm. der Redaktion) Und für Selena Gomez habe ich vor zwei Jahren ein Video auf Instagram gepostet. Ihre Reaktion darauf ging durch die Presse und dadurch wurden immer mehr Leute auf mich aufmerksam.

Lief denn auch was mit Selena?

Nein, ich habe sie nie getroffen. Wir haben uns nur ein paar Nachrichten geschickt - das war's.

Da muss ich natürlich direkt mal nachhaken: Bist du noch Single?

Ja, leider schon seit sechs Jahren und das auch eher unfreiwillig. Wenn man aber auch so viel unterwegs ist wie ich, braucht man eine sehr selbstbewusste Frau an seiner Seite. Die Richtige war bisher einfach noch nicht dabei.

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Du hast über eine Million Follower bei Instagram – das muss man erst mal schaffen. Wann hast du begonnen, Bilder zu posten und was denkst du: Wie wichtig war der Kanal für den Verlauf deiner Karriere?

Angefangen habe ich vor drei Jahren mit den Klassikern: oben ohne, Sixpack anspannen. Viele haben sich damals über mich lustig gemacht und gefragt, warum ich das mache. Heute bin ich froh, dass ich die Bilder gepostet habe. (lacht) Ich glaube auch, dass viele Instagram überbewerten. Nach dem Motto: Hast du keine Follower, bist du niemand. Total dämlich! Natürlich freue ich mich über so viel positives Feedback, aber inzwischen lade ich nur noch das hoch, worauf ich Lust habe und pushe meine Marke. (Haze & Glory, Anm. der Redaktion)

Dein Erfolg auf Instagram beruht ja vor allem auch auf deiner Optik. Wen oder was findest du schön?

Für mich ist ein Mensch schön, wenn er eine positive Einstellung hat. Ausstrahlung ist für mich viel wichtiger als nur das Äußere. Außerdem mag ich Menschen mit Humor. Lustige Leute strahlen immer etwas Schönes aus.

Inzwischen bist du nicht mehr nur Model, sondern auch Unternehmer. 2014 hast du dein eigenes Modelabel "Haze & Glory" gegründet. Ist das dein Plan B?

Das Label habe ich gemeinsam mit meinen Freunden Kim und Rik auf Bali gegründet, wo die beiden auch leben. Ein zweites Standbein ist es bisher aber noch nicht, da wir unseren gesamten Umsatz immer wieder in neue Projekte investieren.

Für den Laden habt ihr euch auch ein besonderes Konzept überlegt, richtig?

Hier in Berlin ist alles möglichst hip und cool. In Bali, wo unser Firmensitz ist, läuft alles ein bisschen anders. Dort organisieren Ladenbesitzer regelmäßig Events. Davon haben wir uns inspirieren lassen und werden verschiedene Aktionen wie zum Beispiel den "Tattoo Tuesday“ anbieten. An diesem Tag bekommen die Kunden dann ab einem bestimmten Einkaufswert ein kostenloses Tattoo. "Haze & Glory" ist eher eine rockige Marke und diesem Stil wollen wir treu bleiben.

Klingt ja ziemlich männerlastig …

Stimmt, wir haben aber auch Klamotten für Frauen im Angebot. Auch die sind alle etwas rockiger und sprechen damit einen bestimmten Typ Frau an. Aber wir sind ja noch in der Aufbauphase …

Sind noch weitere Shop-Eröffnungen geplant?

Auf jeden Fall! Hamburg steht ganz oben auf der Liste, aber auch München oder Amsterdam. Es ist natürlich auch davon abhängig, ob die Marke weiterhin so gut läuft wie jetzt.

Hast du schon alles erreicht, was du erreichen wolltest?

Ich will mich gar nicht auf einer Sache ausruhen. Wenn ein Projekt gut gelaufen ist, kommt das nächste.

Mit André Hamann sprach Ann-Katrin Sättele

Quelle: n-tv.de