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Montag, 05. Oktober 2015

Schwedischer Krimi-Autor: Henning Mankell ist tot

Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Berühmt wurde er mit seiner Krimireihe um Kommissar Kurt Wallander. Aber auch seine Afrika-Bücher und -Theaterstücke erreichten weltweit Beachtung.

Der schwedische Krimi- und Romanautor Henning Mankell ist tot. Das teilte der Hanser Verlag in München mit. Mankell ist im Vorjahr mit seiner Krebserkrankung an die Öffentlichkeit gegangen. Er wurde 67 Jahre alt. Rund um den Erdball hatte der Schöpfer der Krimis um den mürrischen Kommissar Kurt Wallander Millionen Fans.

Ende 2013 wurde bei Mankell ein bösartiger Tumor festgestellt.
Ende 2013 wurde bei Mankell ein bösartiger Tumor festgestellt.(Foto: dpa)

Mit seinen Wallander-Krimis hatte der Schriftsteller über Jahre Auflagen in schwindelnden Höhen erreicht. Mit mehr als 15 Millionen verkauften Büchern allein in Deutschland und weltweit über 40 Millionen katapultierte der Kommissar aus Ystad seinen literarischen Vater regelmäßig an die Spitze von Bestsellerlisten und machte ihn zu einem der meistgelesenen Krimiautoren weltweit.

Doch Wallander als Mankells Lebenswerk zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Immer war der Schwede mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt - schrieb einen neuen Thriller, drehte eine Serie für das schwedische Fernsehen, produzierte ein neues Theaterstück.

Ein Buch, das Mut macht zum Leben

"Ein Kampf aus der Perspektive des Lebens" überschrieb er seinen Text.
"Ein Kampf aus der Perspektive des Lebens" überschrieb er seinen Text.(Foto: dpa)

In seinem letzten Buch "Treibsand" hatte Mankell nachdenklich der eigenen und der Geschichte der Menschheit nachgespürt. Der Krebs hatte seinen Körper unheilbar befallen. Die Nachricht hatte dem schwedischen Bestseller-Autor nach eigenen Angaben "für einen Moment den Boden unter den Füßen weggerissen". In "Treibsand", das jetzt auf Deutsch im Paul Zsolnay Verlag erschienen ist, sinniert er über sein Leben mit der Krankheit, die Angst vor dem Tod und sucht eine Antwort auf die Frage: "Was es heißt, ein Mensch zu sein".

Die Krebsdiagnose war für Mankell ein lähmender Schock, wie das Gefühl, in Treibsand hinabgezogen zu werden. "Die größte Angst, die Menschen haben, ist die Angst zu sterben." Bei dem Versuch, sich freizustrampeln, ist ihm die Religion keine Hilfe. "Ich respektiere Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben", schreibt er.

Mankell wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Gläsernen Schlüssel der Skandinavischen Gesellschaft für Kriminalliteratur, dem Deutschen Jugendbuchpreis und dem Astrid-Lindgren-Preis.

Seine dritte Ehefrau Eva ist die Tochter des Regisseurs Ingmar Bergmann. Sie leitet als Theaterregisseurin eine Bühne in Göteborg.

Ein Leben auf zwei Kontinenten

Mankell hatte sich jahrelang in Afrika engagiert, wo der Tod allgegenwärtig ist. Er hatte in Maputo ein Theater geleitet. In einem seiner berührendsten Bücher "Der Chronist der Winde", sprach er mit der Stimme eines Kindes, das neun Tage lang tödlich verletzt auf einem Dach liegt und langsam stirbt. Später sagte er selbst dazu: "In Afrika ist der Tod ein Teil des Lebens. Die Europäer haben Leben und Tod getrennt. Es ist furchteinflößend, wie unsere Kultur ein Mysterium um den Tod macht." Er halte dies für eine Schwäche der europäischen Kultur. In Afrika könne man sehen, wie man vernünftig mit dem Tod umgeht. Deshalb habe er keine Angst vor dem Tod.

Solidarität mit den Palästinensern

Solidarisch zeigte sich der überzeugte Sozialist mit der Sache der Palästinenser. 2010 machte der Richtersohn die Reise der "Gaza-Hilfsflotte" Richtung Palästina mit, die von israelischen Soldaten mit einem blutigen Einsatz gestoppt wurde. Neun türkische Mitreisende starben. "Die haben versucht, mich zu töten, aber sie haben es nicht geschafft", sagte Mankell später darüber in einem Interview. Nach seiner mehrtägigen Internierung warf der Autor Israel "Seeräuberei und Kidnapping in internationalen Gewässern" vor.

"Mir kommt die Religion wie eine Entschuldigung dafür vor, dass man die Grundbedingungen des Lebens nicht akzeptiert", sagte er in einem seiner letzten Interviews. "Hier und jetzt, mehr ist es nicht. Darin liegt auch das Einzigartige unseres Lebens, das Wunderbare."

Quelle: n-tv.de