Unterhaltung

Otto Waalkes ist "Catweazle" "Ich bin wie ein Tauchsieder"

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Filme, Musik, Menschen - das alles hält ihn jung: Otto Waalkes.

(Foto: dpa)

Die Kinos öffnen - und gleich zu Beginn kommt eine Komödie für die ganze Familie in die Lichtspielhäuser. Kassenmagnet und Lachgarant Otto Waalkes ist "Catweazle", ein etwas tolpatschiger Magier aus dem Mittelalter, den der 12-jährige Benny (Julius Weckauf) in seinem Keller entdeckt. Dieser hat sich versehentlich aus dem 11. Jahrhundert in die Jetztzeit katapultiert. Gemeinsam stürzen sich die beiden in ein Abenteuer, um Catweazles Zauberstab zurückzuerobern, bevor ihn die raffgierige Kunstexpertin Dr. Metzler (Katja Riemann) gewinnbringend versteigern kann. Denn nur mit diesem Stab kann Catweazle wieder in seine Zeit zurückkehren. Ob Otto auch so einen Stab haben will, was er den letzten Monaten abgewinnen konnte und worauf er sich am meisten freut - das erzählt er ntv.de im Interview.

ntv.de: Die Kinos machen wieder auf, juchhuh, und Otto mit "Catweazle" ist einer der ersten, den wir sehen können.

Otto Waalkes: Also das macht mich tatsächlich sehr glücklich.

Es ist ein Märchen - ist es das, was wir mal wieder brauchen?

Als wir mit dem Dreh angefangen haben, gab es ja Corona noch nicht. Es ist ein eher zufälliges Zusammentreffen, aber schaden kann ein Märchen ja nie. Es war einfach mal wieder Zeit. Nach diesem langen Vergnügungsverzicht hat man umso mehr Lust auf etwas Neues, eine Zeitreise in diesem Fall.

Die Dreharbeiten wurden durch Corona unterbrochen …

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Mit Julius Weckauf und Gloria Terzic

(Foto: dpa)

Wir hatten gerade eine Szene gedreht, eine der ersten, zwischen Catweazle und seinem jungen Freund und Helfer, da hieß es plötzlich: "Cut! Drehschluss!" Ich sag' noch: "Wie bitte?", bin raus, und da stehen zwei Ordnungshüter mit ihrem Einstellungsbescheid. Für fast drei Monate mussten wir unterbrechen, und ich dachte nur: "Was, wenn die beiden Kinderhauptdarsteller jetzt gerade einen Wachstumsschub haben oder einen Stimmbruch, das geht doch so schnell in dem gefährlichen Alter. Eben noch ein Kakao am Set, und dann schon mit dem Whisky in der Pause." Aber es ist ja nochmal alles gut gegangen. Kinder dürfen ja nur drei Stunden am Tag drehen, da muss man sehen, dass man die Zeit nutzt.

Es ist ganz schön aufwendig, einen guten Kinderfilm zu drehen …

Ja, für die Proben muss man Doubles nehmen, aber es ist wunderbar. Man kann so viel lernen von Kindern: Spontaneität, Ausdauer, Spielfreude, fantastisch!

Du hast eigentlich bei allem mitgemacht: Drehbuch, Musik, Hauptdarsteller …

Ja, ich bin wie ein Tauchsieder: Ich hänge mich überall rein …

Hält dich auf jeden Fall jung …

Normalerweise wäre ich jetzt auf Tournee, aber die wurde ja verschoben. Und tatsächlich geben die Leute die Tickets nicht zurück, anscheinend wollen sie mich auch nächstes Jahr noch sehen (lacht). Im Frühjahr 22 geht's weiter. Und ich freu' mich darauf, wieder in unmaskierte, lachende Gesichter sehen zu können. Ich brauche diesen direkten Kontakt, ich liebe es, Selfies zu machen und Autogramme zu geben. Jetzt können wir ja noch nicht mal richtig auf Promotion-Tour gehen …

Ich glaube, man braucht im Augenblick fast keine Promotion, weil die Leute so ausgehungert sind, dass sie sowieso Lust auf Kino und Kultur und Kunst haben.

Ich freu' mich besonders darüber, dass ich mit unserem Film ganz viele Kinos wieder eröffnen kann, das ist eine wirklich große Ehre! Am Zoopalast hängt schon ein Riesenplakat (jodelt), das ist klasse!

Nimmst du etwas Positives mit aus der Corona-Zeit, ohne, dass wir deren Schrecklichkeit schmälern wollen?

Ich habe viel gekocht: ungenießbar. Und Waldspaziergänge gemacht: genießbar. Das ist ja Balsam für die Seele. Aber jetzt schauen wir nach vorne, wir dürfen mal wieder etwas euphorisch sein, man will doch wieder was erleben! Und momentan darf man ja auch das Gefühl haben, dass wir die Situation im Griff haben und das Impfen etwas nutzt, die Inzidenz geht schließlich zurück. Ich bin sehr optimistisch!

Ich hoffe so sehr, dass es so bleibt!

Das wird es!

Das höre ich doch sehr viel lieber als die üblichen Schwarzmalereien … Warst du enttäuscht, dass die Kultur nicht so systemrelevant behandelt wurde, wie es ihr eigentlich zustünde?

Nein, ich war nicht enttäuscht, der Staat hat doch geholfen. Natürlich mit Verzögerungen und nicht genügend. Aber insgesamt muss man doch anerkennen, dass man sich Mühe gegeben hat, mit einer Situation umzugehen, die keiner vorausgesehen hatte. Hinterher zu sagen: Man hätte aber ..., ist einfach. Hätte, hätte, Fahrradklingel ... Aber für Witze ist das Thema noch zu ernst.

In "Catweazle" zauberst du - mehr oder weniger … was würdest du jetzt zaubern, wenn du es könntest?

Volle Kinosäle würde ich herbeizaubern. Das hat doch sehr gefehlt, dieses gemeinschaftliche Erlebnis. In wohl temperierten Kinosälen zu sitzen, mit Popcorn, einer riesigen Leinwand und einem super Sound-System, das ist das, was man jetzt braucht. Das Risiko, jetzt zu starten, im Sommer, ist groß - im Herbst kommen dann die ganzen Blockbuster: James Bond, Tom Cruise, Avengers - aber zuerst kommt "Catweazle!"

Du kommst als Catweazle aus dem Mittelalter - ein grausames Zeitalter, oder?

Furchtbar! Wenn mich einer fragen würde, ob ich dahin zurückspringen wollen würde - bloß nicht. Mir zu finster.

Und in die Zukunft?

Auch nicht! Ich lebe jetzt ganz gerne, ich finde unsere Zeit gut.

Worauf freust du dich am meisten?

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Eine Zeitreise ins Mittelalter gefällig?

(Foto: dpa)

Ehrlich gesagt, auf alles Menschliche: Endlich wieder Freunde treffen ohne Beschränkungen, gemeinsame Erlebnisse, kleine Reisen, Besuche, Umarmungen. Aber trotzdem mache ich mir immer mal wieder klar, was andere durchgemacht haben, oder gerade durchmachen müssen. Wenn ich nur an meine Eltern denke: Erster Weltkrieg, Wirtschaftskrisen, Zweiter Weltkrieg, das waren andere Härtefälle! Aber: Es ist noch nicht vorbei! Noch müssen wir vorsichtig sein!

Auch am Filmset …

Ja, klar, da herrschen strenge Hygieneregeln, aber das ist auch gut so! Man ist ja ganz schön eng mit so vielen Leuten auf lange Zeit zusammen, da ist es super, wenn alle an einem Strang ziehen.

Schweißt das zusammen?

Ja! Auf jeden Fall, da wird man eine richtige Einheit.

"Catweazle" ist ein ganz ruhig gedrehter und geschnittener Film, das ist ja mal richtig ungewöhnlich.

Ich denke auch, der Film strahlt eine gewisse, angenehme Ruhe aus. Wir vertrauen auf die Geschichte. Dazu trägt vieles bei, auch die Musik von Philipp Noll - das hat mir besonders viel Spaß gemacht, mit dem zu komponieren.

Thema Fußball-EM …

… da hat die deutsche Mannschaft sich von der englischen einschläfern lassen - das gab dann ein böses Erwachen. Mehr Zeit, ins Kino zu gehen.

Woran arbeitest du gerade?

Kaum zu glauben, aber an einer TV-Weihnachtsshow (lacht). "Otto-Fröhliche", das hat ja alles eine echt lange Vorbereitungszeit. Und dann geh' ich auf Tournee.

Springst du auch wieder auf die Bühne bei deinem Kumpel Udo Lindenberg?

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Mit Udo 2016 im Gronauer Rock- & Pop-Museum

(Foto: dpa)

Auf jeden Fall, wenn er mich lässt (lacht)! Das ist so ein Hammer-Gefühl! Fünf Minuten Applaus! Das ist so eine Bestätigung für mich, wenn sein Publikum mich akzeptiert. Glückshormone pur.

Nach den Sommerferien stehen die Wahlen ins Haus - hast du Befürchtungen?

Nein! Ich habe volles Vertrauen in diese Demokratie - in einem anderen System zu leben, ist für mich undenkbar. Wo sonst kann jeder seine Meinung haben - es muss nicht mal die eigene sein. Und wo sonst kann jeder seinen Unmut über genau diese Demokratie äußern?

Mit Otto Waalkes sprach Sabine Oelmann

"Catweazle" startet am 1. Juli in den Kinos

Quelle: ntv.de

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