Unterhaltung

5000 Tote durch Corona-Impfung? Lisa Fitz verbreitet Fake News - SWR löscht Sendung

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Lisa Fitz tritt seit den 80er-Jahren auch im Öffentlich-Rechtlichen immer wieder als Kabarettistin auf.

Eine Kabarett-Sendung mit der bayerischen Künstlerin Lisa Fitz verursacht Ärger für den SWR: Die 70-Jährige behauptet darin unter anderem, bisher seien 5000 Menschen in der EU an den Folgen einer Corona-Impfung gestorben. Der SWR verteidigt die Sendung zunächst - und rudert schließlich zurück.

Wegen zweifelhafter Aussagen der Kabarettistin Lisa Fitz ist der Südwestrundfunk (SWR) in die Kritik geraten. Der öffentlich-rechtliche Sender 3sat nahm am Freitagabend kurzfristig die Wiederholung einer SWR-Satiresendung aus dem Programm. Der gemeinsame Kultursender von ARD und ZDF reagiert damit auf einen Bericht der "taz" und die sich anschließende Debatte in den sozialen Medien.

Konkret geht es um die Sendung "Spätschicht", die ursprünglich bereits am 10. Dezember im SWR lief und eigentlich am späten Freitagabend wiederholt werden sollte. Auch aus dem Online-Angebot ARD-Mediathek entfernte der SWR das Video mit Fitz' Auftritt inzwischen. Darin behauptete die Kabarettistin, alleine in der Europäischen Union seien "die Folgen durch die Covid-19-Impfstoffe" für 5000 Menschen tödlich gewesen. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Angabe um eine unhaltbare Falschinformation.

In ihrem mit "Lisa Fitz vs. Jens Spahn" betitelten Programm bezeichnet die 70-Jährige zudem Warnungen vor der neuen Corona-Variante Omikron als "Panikmache". "Da wird geboostert und geroostert und geschustert. Nach Delta und Omikron kommt die Xanthippen- und die Zombiemutante aus Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und Dings-was-weiß-ich-vergiss-es-tan", unkt sie. "Hauptsache, die Panik bleibt frisch!" Statt auf "schwerwiegende Nebenwirkungen" der Corona-Vakzine hinzuweisen, werde auf Ungeimpfte "eingeprügelt" und "zum Halali auf den Sündenbock" geblasen, behauptet sie.

"Spätschicht"-Gastgeber Florian Schroeder war sich der Problematik des Auftritts wohl bewusst, er distanzierte sich in der Sendung von Fitz' Aussagen: "Hier zählt Meinungsvielfalt. Und deshalb folgt jetzt eine Meinung, die ich persönlich nicht teile und die hier trotzdem stattfinden darf", sagte er in seiner Anmoderation. Zuvor sagte Schroeder, den Öffentlich-Rechtlichen werde "ja häufig vorgeworfen", es kämen immer nur die gleichen Meinungen vor und es gebe keine Vielfalt. "Nicht hier bei der 'Spätschicht', meine Damen und Herren!", ergänzte er.

SWR wollte Vorwurf der Zensur entgehen

Auch der SWR verteidigte noch am Samstag die Sendung mit dieser Argumentation. Zwar nennt der Sender Fitz' Text "zugegebenermaßen insbesondere in seiner Wirkung schwierig". Aber: "In der Abwägung von einem möglichen und erwartbaren Vorwurf der Zensur (wenn die Redaktion den vorgelegten Text ablehnt) versus Meinungsfreiheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat sich die Redaktion bewusst dazu entschieden, diesen Text zu senden, um die Pluralität der vorkommenden Meinungen in der 'Spätschicht' zu beweisen."

Inzwischen hat der Sender seine Meinung zum Auftritt von Fitz offenbar noch einmal überdacht. "Die Kritik an dieser Ausgabe der 'Spätschicht' trifft uns zu Recht", erklärte Clemens Bratzler, der SWR-Programmdirektor Information, Sport, Fiktion, Service und Unterhaltung, die Entscheidung, den Auftritt aus der ARD-Mediathek zu entfernen. Anliegen der Redaktion sei es gewesen, "unterschiedlichen und kritischen Meinungen auch zum sensiblen Thema Impfen Raum zu geben, was unter anderem durch die sehr klare Moderation von Florian Schroeder eingeordnet wurde", erklärte Bratzler weiter. "Die Meinungsäußerungsfreiheit gilt jedoch nicht unbegrenzt, sondern endet auch in einer Comedy- oder Satiresendung bei falschen Tatsachenbehauptungen." Bratzler grenzte sich auch von der ersten, oben zitierten Reaktion des Senders ab: "Meinungsfreiheit ist für uns ein hohes Gut. Dennoch war die erste Reaktion falsch, weil es hier eben nicht um eine Meinungsäußerung geht."

Die erste Reaktion des SWR auf den Auftritt gibt auch Aufschluss darüber, woher Fitz ihre Angabe hat, es seien 5000 Menschen in der EU an der Corona-Impfung gestorben: "Es gibt einen Entschließungsantrag, der im Europäischen Parlament eingebracht wurde, in dem diese Zahl benannt wird", heißt es dort. Diesen habe Fitz zum Beleg vor der Sendung vorgelegt. Mittlerweile habe sich aber herausgestellt, dass diese Zahlen "aller Wahrscheinlichkeit nach nicht belastbar" seien. Wie der "Spiegel" berichtet, ist damit ein Antrag der EU-Parlamentarierin Virginie Joron gemeint, einen Entschädigungsfonds für Impfschäden einzurichten. Joron vertritt die französischen Rechtspopulisten des Rassemblement National, sie gilt als Corona-Leugnerin. Joron bezieht sich wiederum auf Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA.

Die EMA weist allerdings ebenso wie nationale Behörden wie das deutsche, für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut darauf hin, dass diese Zahlen lediglich die Summe der Verdachtsmeldungen darstellt. Tatsächlich handele es sich also um Todesfälle, die in zeitlicher Abfolge nach einer Impfung aufgetreten sind, jedoch nicht zwingend auf die Impfung zurückzuführen seien.

Quelle: ntv.de, jog

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