Unterhaltung

Rock am Ring verkauft sich teuer Luxus-Camping spaltet Festival-Gemeinde

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Camping-Idylle im Container. im Hintergrund tobt das Festival Rock am Ring.

(Foto: Rock am Ring/ Marek Lieberberg)

Rock am Ring ist ein Festival der Superlative - auch bei den Preisen. Wer mehr zahlt, hat weniger Sorgen. Das Camping wird so straff reguliert, dass Besucher fast gezwungen sind, für Komfort zu zahlen, für den sie zuvor noch selbst sorgen konnten.

Viele Festivalveranstalter gehen mit der Zeit und auch "Rock am Ring" bietet in diesem Jahr mit der Luxus-Camping-Variante "Experience" wieder eine besondere Erfahrung an. Die ist nicht nur besonders teuer, sondern spaltet auch die Festivalgemeinde. Eine Art Klassengesellschaft, die nach Ansicht vieler Fans dem ursprünglichen Gedanken von Deutschlands größtem Musikfestival entgegensteht.

Ob im bereits aufgestellten Zelt oder im Zwei-Personen-Container können sich betuchte Festivalgänger auf dem Nürburgring ins gemachte Nest setzen. Der Spaß übersteigt für die fünf offiziellen Festivaltage am ersten Juniwochenende deutlich die Marke von 500 Euro pro Person und reicht bis an die 2500 Euro, wenn es eine Vollversorgung sein soll. Luftmatratzen, Schlafsäcke, Campingstühle sowie Nachtlampen sind inklusive. Je nach Buchung kann sogar das ganze Zelt mitgenommen werden.

Camper bleiben ungehört

Der Veranstalter verspricht dazu W-Lan, sanitäre Anlagen, befestigte Wege und eine bühnennahe Lage. Alles was zum Stress werden kann auf einem Festival - überlastetes Netz, dreckige Toiletten, Schlammschlachten und lange Fußmärsche - soll damit ausgemerzt werden. Ja sogar Pfützen werden hier nach den ersten Schauern vom Zeltplatz-Personal abgepumpt. Dieses Wohlfühlpaket eint die, die es bezahlen können, sorgt aber auch für Missgunst bei den "normalen" Campern.

Denn während es den Bewohnern im erkauften Festival-Schlaraffenland an nichts mangelt, werden den übrigen Campern immer mehr Restriktionen auferlegt. So wurden stromerzeugende Diesel-Aggregate komplett von den Zeltplätzen verbannt, zur Schonung der Umwelt. Drei Wochen vor dem Musikfestival waren Aggregate während des ADAC 24-Stunden-Rennens noch erlaubt - andere Veranstalter kommerzialisieren ihre Events natürlich unterschiedlich, aber der Umwelt-Aspekt wirkt in diesem Fall dann doch nur wie ein Vorwand. In einem offenen Brief an Veranstalter Marek Lieberberg äußerten zahlreiche Ring-Fans ihren Unmut, erhört wurden sie jedoch nicht.

Der Ring wird internationaler

Um ihre Sorgen bei Rock am Ring zu minimieren, zahlen einige Besucher gerne etwas mehr. Für Philipp und Stefanie aus Pirmasens ist das Experience-Camping schon eine Art Tradition geworden. "Wir haben uns hier mit den gleichen Leuten verabredet, die wir schon vor zwei Jahren kennengelernt haben", sagt der 26-Jährige n-tv.de. Auf den anderen Zeltplätzen hätten sie vor Jahren auch campiert, doch die ausufernden Partygelage und teils chaotischen Zustände hätten die beiden zum Wechsel bewegt. Für die beiden Azubis wird das Festival nun aber preistechnisch nach eigenen Aussagen zum "Jahresurlaub".

Abgesehen von den individuellen Vorteilen für die Experience-Camper hat die teure Zeltplatzvariante auch einen Vorteil für die ganze Festivalgemeinschaft: Das Publikum wird internationaler - und das ist dann auch ganz im Sinne von Rock am Ring. "Wir könnten ohne dieses Angebot gar nicht hierherkommen", meint der 25-jährige Thorannin aus Island, der mit drei seiner Landsleute ein fertig aufgebautes Vier-Mann-Zelt bezogen hat. Aus Kosten- und Logistikgründen sei es fast unmöglich, das ganze Equipment selbst per Flieger nach Deutschland zu befördern.

 

Quelle: ntv.de

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