Unterhaltung

Grandioser Berlinale-"Tatort" "Meta" ist ein Film im Film im Film

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Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) stochern im Meta-Dickicht.

(Foto: rbb/Reiner Bajo)

Der Deutschen liebste Krimiserie hat mit Kunst normalerweise wenig zu tun. Das ist in der Regel auch ganz gut so, Kunst kommt schließlich von Können. Der neueste Fall aus Berlin wagt dennoch den "Inception"-Spagat - und überzeugt auf ganzer Linie.

"Meta" heißt der neue "Tatort". Oha, das klingt nach Kunst. Und Kunst im "Tatort", das riecht doch förmlich nach überkonstruierter Handlung und Möchtegern-Arthouse. Schuster, bleib bei deinen Krimi-Leisten, möchte man den Berliner Ermittlern zurufen, und stellt sich schon auf 90 Minuten Fremdschämen ein - bis der Vorspann über den Bildschirm flimmert und klar wird, dass aus dem fest eingeplanten Verriss am Ende wohl doch nichts wird.

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Was ist Realität, was Fiktion? Karow und Rubin verlieren den Überblick.

(Foto: rbb/Reiner Bajo)

Jedes Wort zur Handlung von "Meta" ist im Grunde genommen ein Wort zu viel, lebt dieser Krimi doch von seinen verschachtelten Irrungen und Wirrungen, die Zuschauer genau wie Ermittler in einen Strudel aus Paranoia und Unglauben ziehen. Deswegen nur so viel: Auf dem Schreibtisch von Kommissar Karow (Mark Waschke) landet zu Beginn des Streifens ein abgetrennter Finger, hübsch verpackt in einem Paket. Den restlichen Körper finden der Ermittler und seine Kollegin Rubin (Meret Becker) eingelegt in Formaldehyd in einem Mietlager. Die Tote war vor ihrer Ermordung eine minderjährige Prostituierte, die schon seit mehr als einem Jahr als vermisst gemeldet wurde.

"Der Film tut Ihnen nicht gut"

Die Kommissare stoßen bei ihren Ermittlungen auf eine Filmfirma, deren erster und einziger Film just am selben Tag auf der Berlinale Premiere feiert - und dessen Handlung quasi eins zu eins den Fall spiegelt, den Rubin und Karow zu lösen versuchen. Der Film, der bezeichnenderweise "Meta" heißt, sagt die Aktionen der Ermittler geradezu unheimlich akkurat voraus, die Kommissare finden einfach nicht aus dem vorherbestimmten Narrativ heraus.

Je tiefer Rubin und Karow graben, desto größer wird deren Paranoia - und auch als Zuschauer fragt man sich, ob es so viele Zufälle auf einen Haufen überhaupt geben kann oder ob nicht doch, wie nahegelegt wird, ein düsterer Geheimdienst seine Finger im Spiel hat. Regisseur Sebastian Marka inszeniert diese "Inception"-mäßige Rahmenhandlung mit viel Feingefühl und sorgt so für eine Sogwirkung, die man selten in einem "Tatort" erleben darf.

"Der Film tut Ihnen nicht gut", eröffnet Rubin dem wie wahnsinnig nach verborgenen Zeichen fahndenden Karow irgendwann. Im Fall des nur noch über Energydrinks funktionierenden Ermittlers stimmt das zweifelsohne. Für die Zuschauer dieses außergewöhnlichen Krimiexperiments gilt dagegen das genaue Gegenteil. "Meta" ist ein Film im Film im Film, der auf ganzer Linie überzeugt. Wie schön, so etwas mal wieder schreiben zu dürfen.

Quelle: ntv.de

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