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"Durfte an Sex nicht mal denken" Michelle Hunzikers Leben in der Sekte

Dass Michelle Hunziker mehrere Jahre in den Fängen einer Sekte war, ist nicht neu. So eindringlich wie in ihrer neuen Autobiografie hat sie aber wohl noch nie über diese Zeit gesprochen. Eine Zeit der Unterwerfung - egal, ob es um Essen ging, Hygiene oder Sex.

Wenn man Michelle Hunziker als Moderatorin sieht, kann man sich die Abgründe und dunklen Seiten in ihrem Leben eigentlich kaum vorstellen. Vor der Kamera wirkt die 41-Jährige schließlich stets so strahlend und lebensfroh, dass es geradezu ansteckend ist. Doch die Tochter einer Niederländerin und eines Schweizers hat auch harte Zeiten hinter sich. Zeiten, in denen sie nach eigenem Bekunden unter Depressionen litt und Schutz bei der Sekte "Krieger des Lichts" suchte.

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Michelle Hunziker 2002 als Moderatorin bei "Deutschland sucht den Superstar". Sie strahlt - doch damals ging es ihr nicht wirklich gut.

Es war um das Jahr 2000, als Hunziker mit einer vermeintlichen Heilsbringerin namens Clelia in Kontakt kam. Damals war die Moderatorin seit rund zwei Jahren mit Schmusesänger Eros Ramazzotti verheiratet, mit dem zusammen sie die Tochter Aurora hat. 2002 ging die Beziehung der beiden in die Brüche - nicht zuletzt wegen Hunzikers Verstrickungen mit der Sekte. Bis sie sich aus den Fängen der "Krieger des Lichts" befreien konnte, sollten jedoch noch mehrere Jahre vergehen. Erst 2006 schaffte sie den Ausstieg.

"Ich suchte nach Liebe"

Über ihre Erfahrungen im Bann von Clelia und deren Organisation berichtet Hunziker nun ausführlich in ihrer Autobiografie "Ein scheinbar perfektes Leben", die am Freitag erscheint. Der "Bild"-Zeitung liegen bereits Auszüge aus dem Buch vor. Demnach geriet Hunziker während ihrer Zeit in der Sekte in eine fatale Abhängigkeit von Anführerin Clelia. Dies ging sogar so weit, dass die Moderatorin ihre eigene Entmündigung zuließ.

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Während ihrer Zeit in der Sekte zerbrach auch ihre Beziehung mit Eros Ramazzotti.

(Foto: imago stock&people)

"Es gibt keine gnadenlosere Gewalt als jene, wie sie in Sekten ausgeübt wird. Ich suchte nach Liebe, und Clelia gab mir Liebe", schreibt Hunziker in ihrer Autobiografie. "Wochenlang half sie mir, mein schwaches Selbstwertgefühl aufzupäppeln, sodass ich mich besonders, einzigartig und wichtig fühlte. Aber dann fing sie an, mich zurückzuweisen", schildert sie ihre Erlebnisse weiter und ergänzt: "Ich hätte alles getan, um die symbiotische Verbindung wiederherzustellen, die in meinen Augen die einzig wahre Liebe meines Lebens war. Und dafür opferte ich mein Urteilsvermögen und meinen freien Willen."

"Masturbation war verboten"

Ihre Bindung an die Sekte habe im Gegenzug zur Entfremdung von ihrer Familie, ihren Freunden und Kollegen geführt, erläutert Hunziker. Zugleich schildert sie die befremdlichen Rituale und Regeln der Sekte, denen sie sich unterwarf. So galt "Reinheit" auf verschiedenen Eben als oberstes Gebot. "Auf der körperlichen Ebene bestand die Reinigung darin, buchstäblich auf jedes angebliche 'Laster' zu verzichten: Man durfte nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und keine tierischen Proteine verzehren", zitiert die "Bild"-Zeitung aus Hunzikers Buch.

"Natürlich betraf die Reinigung auch das Sexualleben", heißt es weiter. "Masturbation war verboten, denn nach den Regeln der sexuellen Sublimierung sollten sämtliche Instinkte in etwas Höheres verwandelt werden, nicht nur solche, die zwischen zwei Menschen eine Rolle spielen", so Hunziker. Clelias Rat habe dabei gelautet, sich nicht frustriert zu fühlen. "Wir sollten vielmehr glücklich sein, endlich den Aufstieg zu wagen. Leichter gesagt als getan ... aber wenn ich meine künstlerische Kreativität nicht zerstören wollte, durfte ich an Sex nicht mal denken."

"Ein Pikser genügte"

Jahrelang blickte Hunziker den Schilderungen zufolge zu Clelia auf, in der Hoffnung, die Sektenführerin würde ihr die Richtung weisen, in der Welt und für die Welt etwas Gutes zu tun. "Zu diesem Zweck war ich bereit, alles über mich ergehen zu lassen: klaglos ihre Distanz hinzunehmen, Hunger zu haben, mir sagen zu lassen, dass meine Gefühle falsch seien. Ich war bereit, nur helle Sachen zu tragen, die Schuhe auszuziehen, wenn ich ihr Haus betrat, und mir vor und nach jeder Begegnung die Hände zu waschen", heißt es in der Autobiografie.

Nach rund fünf Jahren sei die Situation schließlich für sie unerträglich geworden, schreibt Hunziker weiter. Doch es habe noch Wochen gedauert, ehe sie wirklich aus der Sekte ausbrechen konnte. "Aus einem einfachen Grund: Ich glaubte, dass es außerhalb dieses Zirkels für mich nichts gäbe, dass ich krank werden und sterben würde. Aber das war ein Irrtum. Ich saß einfach nur in einer Seifenblase. Ein Pikser mit dem Finger genügte, um sie platzen zu lassen", erklärt die Moderatorin rückblickend. Und nicht nur sie ist froh, dass die Blase am Ende dann auch wirklich geplatzt ist.

Quelle: ntv.de, vpr