"Für Janina" wird neu ermitteltRostocker "Polizeiruf 110" im Schnellcheck

König platzt erst der Kragen, dann der Rock, dann erneut der Kragen. Bukow kommt seiner Jugendliebe so nah wie früher und auch der Fall der beiden geht ans Eingemachte. Beim Versuch, einen Mord von 1988 aufzuklären, überschreiten die Rostocker alle Grenzen.
Das Szenario
Die Geister der Vergangenheit wollen einfach nicht ruhen: Katrin König (Anneke Kim Sarnau) wird zunächst einmal der Prozess gemacht. Für die vermeintliche Schraubenschlüssel-Notwehr wird sie, ebenso wie Kollege Bukow, mit einer Geldstrafe belegt.
Noch dramatischer ist jedoch ein Fall, der drei Dekaden zurückliegt und den Beteiligten keine Ruhe lässt. Ursula Stöckers (Hildegard Schmahl) Tochter Janina wurde 1988, auf dem Rückweg von einem großen Open-Air-Konzert, kurz vor der Haustür im heimischen Rostock vergewaltigt und brutal ermordet. Im Indizienprozess gegen den Verdächtigen Guido Wachs (Peter Trabner) lautete das Urteil damals Freispruch. Eine richterliche Entscheidung, die der Mutter der Getöteten bis heute keine Ruhe lässt. Nachdem sie Kripochef Röder (Uwe Preuss) zum wiederholten Male anfleht, die Akte noch einmal zu öffnen, nehmen sich schließlich König, Bukow (Charly Hübner) und ihr Team der Sache an. Begünstigt durch die Fortschritte in Sachen DNA-Analyse gibt es diesmal den Beweis: Wachs ist der Mörder. Der Haken an der Sache: Er kann kein zweites Mal für dieselbe Straftat vor Gericht gestellt werden.
Die eigentliche Botschaft
Wie so oft ist die Sache mit der Aussage an Rostocks Gestaden nicht so unbedingt klar zu definieren. Es sind mehr die Fragen als die Antworten, die das Geschehen befeuern: Wie weit darf man das Recht beugen, um Recht als solches zu durchzusetzen? Ist eine Straftat okay, wenn sie aus dem vermeintlich richtigen Grund begangen wird? Und bringt es den ersehnten Seelenfrieden, wenn endlich, endlich der vermaledeite Täter hinter Schloss und Riegel sitzt?
Darüber wird in der Mittagspause geredet
Vielleicht über Bruce Springsteen und sein legendäres Konzert in der DDR? Am 19. Juli 1988 spielte der Boss vor über 160.000 Zuschauern auf der Radrennbahn Berlin-Weißensee. Für beide Seiten - Springsteen und die Deutsche Demokratische Republik - das größte Konzert überhaupt. Im Fall vom Sonntagabend war Janina Stöcker, das Mordopfer, auf dem Rückweg von eben diesem Konzert in ihre Heimatstadt, nach Rostock.
Der Plausibilitätsfaktor
Alles drin, alles dran: Das unbedingte Verlangen von Janinas Mutter nach Gerechtigkeit, die oft skrupellose Alles-aus-dem-Weg-räum-Mentalität von Katrin König. Und die temporäre Scheißegal-Haltung des Sascha Bukow, der mit der Jugendliebe von einst mal eben in den nächtlichen Pkw-Clinch geht. Plausibel und durchaus realistisch. Nur ob man tatsächlich anhand einer verwaschenen, drei Jahrzehnte alten VHS-Kopie eine nasse Bikini-Hose unterm knallbunten Rock erspäht, da bestehen doch einige Zweifel.
Die Bewertung
9 von 10 Punkten. Rostock liefert.