Unterhaltung
Könnte auch ein erzürnter Zuschauer sein...
Könnte auch ein erzürnter Zuschauer sein...(Foto: SWR/Martin Furch)
Samstag, 03. März 2018

Impro-"Tatort" aus Ludwigshafen: So schlecht kann Fernsehen sein

Von Julian Vetten

Wir wissen es zwar nicht mit Sicherheit, aber vermuten ganz stark: Die "Tatort"-Verantwortlichen beim SWR führen ein grausames Experiment an ihren Zuschauern durch. Anders ist "Waldlust" kaum zu erklären.

Wie furchtbar ein einzelner "Tatort" sein kann ist eine Frage, die der Improvisations-Krimi "Babbeldasch" vor ziemlich genau einem Jahr erschöpfend beantwortet hat: unerträglich furchtbar nämlich. Und was macht man, wenn man von allen Seiten absolut berechtigte Kritik einsteckt und sogar von höchster ARD-Stelle einen herben Rüffel kassiert? Genau, man dreht einfach noch einen Improvisations-Krimi und achtet darauf, bloß nichts besser zu machen als beim ersten Mal.

Hey witzig, eine Schneeballschlacht (und eine Kommissarin auf Acid).
Hey witzig, eine Schneeballschlacht (und eine Kommissarin auf Acid).(Foto: SWR/Martin Furch)

Gesagt, getan: In "Waldlust" verschlägt es Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihr Team in ein abgelegenes Landhotel irgendwo in den Tiefen des Schwarzwalds. Die Mordkommission soll in der Abgeschiedenheit des verschneiten Lorenzhofs den Weggang von Odenthals Mitstreiter Kopper verkraften und lernen, wieder netter zueinander zu sein. Doch daraus wird natürlich nichts, weil allerhand Merkwürdiges auf dem Hof passiert und Odenthal und ihre Kollegen schon bald mitten in der Aufklärung eines 27 Jahre zurückliegenden Mordfalls stecken.

Warum tue ich mir das an?

Die Handlung ist zwar wahnsinnig verwirrend, braucht an dieser Stelle aber nun wirklich niemanden zu interessieren - genauso gut könnte man versuchen, Sinn und Verstand in ein dadaistisches Gedicht zu bringen. Dafür sind wohl nur zum Teil die Schauspieler verantwortlich, die hier ja ganz ohne Drehbuch auskommen müssen. Vielmehr scheinen die Filmemacher versucht zu haben, "Waldlust" mit so vielen popkulturellen Horrorfilmklassiker-Referenzen vollzustopfen wie nur irgend möglich. Ohne Erfolg. Und wenn wir gerade schon dabei sind: Wer ist auf die komplett wahnsinnige Idee gekommen, die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eine viersätzige Symphonie einspielen zu lassen, obwohl die armen Musiker nicht mal im Ansatz wissen konnten, was sie da gerade musikalisch untermalen?

Aber auch schon egal: Denn das, was Improvisationstheater im besten - und schon auf der Bühne so verdammt seltenen - Fall auszeichnet, nämlich eine überraschende oder zumindest witzige Dynamik unter den Schauspielern, kommt in diesem traurigen Schatten eines Krimis nie auch nur ansatzweise zustande. Stattdessen fragt man sich in jeder Minute: Warum bin ich hier? Warum tue ich mir das an? Und wie können 90 Minuten nur so unfassbar lang sein?

Die Antwort muss sich jeder selbst geben - und wir sind uns ziemlich sicher, sie wird unangenehm ausfallen. "Stellt euch vor, wir werden hier das ganze Wochenende veräppelt", echauffiert sich Odenthal irgendwann im Laufe des Films. Die Zuschauer von "Waldlust" werden zwar nur bis 21:45 Uhr veräppelt, aber selbst das sind immer noch 90 Minuten zu viel.

Quelle: n-tv.de