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About Schmidt The-Cure-Mastermind Smith wird 60

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Robert Smith wurde nicht nur durch sein extravagantes Aussehen zur Ikone.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schon als Teenager geht er geschminkt in die Schule und wird wieder nach Hause geschickt. Gebrochen hat ihn das nicht, im Gegenteil. Mit Lippenstift und Vogelnest-Frisur ist Robert Smith heute Gothic-Ikone, lebende Legende - und wird jetzt, allen Todesflirts zum Trotz, 60 Jahre alt.

Wie sieht bei einem wie ihm wohl der Geburtstagstisch aus? Muffins in Spinnenform, Kätzchen aus Marzipan, dazu Orangensaft, mittlerweile sein Leib- und Magengetränk, auf dem Gabentisch neuer Lippenstift, ein paar klobige Stiefel und vier, fünf Dosen Haarspray von "Studio Line"? Vielleicht.

Womöglich wird aber auch gar nicht gefeiert. Vielleicht ist der Tag, an dem Robert James Smith 60 Jahre alt wird, ein Tag wie jeder andere auch, zu Hause in dem kleinen Dorf an der Südküste Großbritanniens, wo Smith mit seiner Frau Mary lebt. Wer den Cure-Sänger kürzlich bei der Ankunft in der "Rock And Roll Hall Of Fame" gesehen hat, wie staubtrocken er auf die Hysterie des Events reagierte, hat einen Eindruck davon, wie Smith zu feierlichen Anlässen stehen mag.

Einen Grund zum Feiern ist sein 60. Geburtstag natürlich dennoch, wenn einer wie er, der schon vor Dekaden davon sang, dass es wurscht ist, wenn wir alle sterben, immer noch auf Erden weilt und sich langsam Richtung Rentenalter bewegt. Das ist etwas, das viele seiner Zeitgenossen nicht von sich behaupten können. Seien es früh verstorbene Lichtgestalten und Schattengewächse wie Ian Curtis von Joy Division oder jene Helden, die in den letzten Jahren das Zeitliche segneten, wie Smith-Idol David Bowie, Prince oder Talk Talks Mark Hollis.

Talent in die Wiege gelegt

Am 21. April 1959 als drittes von vier Kindern in Blackpool geboren, später in Crawley aufgewachsen, ist Robert Smith früh von Musik umgeben. Vater James Alexander singt, seine Mutter Rita Mary spielt Klavier. Auch der Sohnemann bekommt Unterricht, sein Bruder Richard zeigt ihm erste Griffe auf der Gitarre. Nach diversen Schulbands und Projekten, befeuert von Punk und Postpunk, heißt seine Band zunächst Easy Cure, später verkürzt zu The Cure. Erste Shows werden im "New Musical Express" noch kritisch beäugt ("billige Gitarren"), aber mit dem Debütalbum "Three Imaginary Boys", im Mai 1979 erschienen, beginnt eine der großen Erfolgsstorys in Sachen britischer Pophistorie.

Robert Smith und seine Band arbeiten sich an New Wave ab, platzieren ewige Evergreens wie "A Forest", malen auf Alben wie "Faith" (1981) und "Pornography" (1982) düsterste Klanggemälde. Als das Licht fast ausgeknipst ist, lassen sie via "Love Cats" die Swing-Kätzchen von der Leine und mit Preziosen wie "Inbetween Days" (1985) und "Just Like Heaven" (1987) die Sonne wieder herein. Die 80er gehen gerade zu Ende, da werden The Cure endgültig zu Superstars. Robert Smith, traditionell mit verschmiertem Lippenstift und vogelwild toupiertem Haarhelm, steigt zur überlebensgroßen Gothic-Ikone auf. Die Plattenfirma hält "Disintegration" (1989) für kommerziellen Selbstmord, am Ende verkauft sich das Album, darauf auch "Lullaby", der Hit mit dem Spinnen-Videoclip, über drei Millionen Mal.

1992 landet die Band mit "Friday I’m In Love" noch so einen Hit für die Ewigkeit, aber Robert Smith kämpft da schon mit den Fußangeln des Pop-Business, verfällt Alkohol und Drogen. Der Spitzname "Fat Bob" macht die Runde. Weil er immer so viele unförmige Klamotten übereinander trägt, sagen die einen, weil er gewichtstechnisch so zugelegt hat, die anderen. Irgendwie aber kommt Herr Schmidt, immer noch mit den wuseligen Haaren und dem kussigen Mund, durch. Seine Band verzeichnet Personalwechsel im Dutzend, er selbst hakt sich mal bei den Stranglers unter, dann bei Siouxsie & the Banshees, kollaboriert mit Nine Inch Nails, Billy Corgan und Placebo.

Neues Album in Aussicht

Mittlerweile ist Smith fast so etwas wie eine Sagengestalt. Als Sean Penn im Film "This Must Be The Place" (2011) den alternden Rockstar Cheyenne spielt, sieht dieser Robert Smith zum Verwechseln ähnlich. The Cure jedoch, trotz verlässlichem Stadionband-Status, haben den Output seit der Jahrtausendwende deutlich verlangsamt. Das letzte Album, "4:13 Dream", datiert aus dem Jahre 2008. Im Jahr des runden Geburtstages nun schwingt sich der frischgebackene 60-Jährige zu neuen Großtaten auf. Im Vorjahr bereits kuratierte Smith das angesehene "Meltdown"-Festival in London, zu dem er Größen wie Mogwai, Manic Street Preachers und Deftones einlud. Anno 2019 nun wird es dem Vernehmen nach endlich ein neues Album von The Cure geben.

Bei einem Interviewtermin mit dem englischen "Guardian" entschuldigte sich Smith jüngst für seinen vermeintlich verkorksten Look. Er habe sich so lange nicht geschminkt und sei daher etwas aus der Übung. Zum Release des neuen Albums dürfte er wieder etwas mehr im Training sein, sein Publikum jedenfalls scharrt angesichts der langen Plattenpause bereits ungeduldig mit den Stiefeln.

"Ich hatte ständig das Gefühl, nicht sehr alt zu werden", so Smith einst im Musikmagazin "Uncut". Eine Ahnung, die sich glücklicherweise nicht bestätigte. "Eines Tages fallen mir die Haare aus, dann sehe ich garantiert nicht mehr "gothic" aus", so seine Prognose neulich im "Time Out"-Interview. Bis es jedoch soweit ist, gehen ganz sicher noch etliche Dosen Haarspray drauf. In diesem Sinne: Happy Birthday, Robert Smith!

Quelle: n-tv.de

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