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Universalgenie des NordensAlbrecht Dürer, Visionär aus der Renaissance

11.01.2026, 15:11 Uhr dff697a9-ec36-4d60-a8dd-b9e0363450ecVon Sabine Oelmann
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Diesen Feldhasen hier kennt jeder: Er ist eine der 500 Zeichnungen und Gemälde eines wahren Erneuerers: Albrecht Dürer. (Foto: Junger Feldhase, 1502 Wien, Albertina)

Es ist so interessant, einen Künstler in seinem Werdegang zu begleiten, zumal, wenn er bereits seit über 500 Jahren tot ist und sein Werk so vorausschauend daher kommt wie das von Albrecht Dürer.

Dürer, Dürer, wer war nochmal dieser Albrecht Dürer? Schon so lange her, dass man von ihm gehört hat, in der Schule oder in einer Ausstellung, tot ist er schließlich schon ewig. Aber dieser Maler, Grafiker, Theoretiker und Vorreiter aus dem 16. Jahrhundert war der wichtigste Künstler der nordischen Renaissance. Sein Werk ist auf eine Art aktuell, dass es fast schon unheimlich ist. Berühmt wurde er durch seine Adelsporträts - Bilder, auf denen Menschen zu sehen sind, die wir heutzutage nicht unbedingt als unser Schönheitsideal empfinden würden. Die aber Einblick geben in das Leben von vor 500 Jahren.

Geboren 1471 und gestorben 1528 in Nürnberg, hat Dürer in seinem für heutige Verhältnisse recht kurzen Leben wirklich viel geschafft, was noch heute Bestand hat. Dürers Feldhasen kennen alle, der ist fast schon ein Posterboy, und er sieht so echt aus, so wahrhaftig. Geradezu ein Wunder der Beobachtung, fast so präzise wie ein Foto. Im Vergleich zum von Dürer gemalten Frühwerk "Liegender Löwe", das er als 23-Jähriger malte, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, dass Dürer sicher besser wusste, wie ein Feldhase aussieht. Aber gerade das Kindliche dieses Meisterwerks kann den Betrachter eigentlich nur rühren.

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Liegender Löwe, 1494 (Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett) (Foto: bpk / Hamburger Kunsthalle / Christoph Irrgang)

Dürer hat so viel erreicht, unter anderem erhob er Zeichnungen, Aquarelle und Drucke zu eigenständigen Kunstformen. Die umfassende Monografie wirft ein ganz neues, intensives Licht auf das glanzvolle Werk, die ungewöhnliche Karriere und das bleibende Vermächtnis eines Mannes, der das unbestrittene Genie der nordischen Renaissance ist. Ein Visionär, der sich nicht auf ein einzelnes Medium beschränkte. Ob Malerei oder Druckgrafik, Zeichnung oder Kunsttheorie - er beherrschte alle Techniken mit überwältigendem Sachverstand.

Humanist und Schöngeist

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Das Portrait von Michael Wolgemut, 1516, hängt im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. (Foto: Dirk Messberger)

Zu Lebzeiten berühmt für seine Porträts von Patriziern und Adeligen, war es Dürer, der mit seinen brillanten Zeichnungen und Aquarellen die einfache Skizze in eine eigenständige Kunstform verwandelte. Sie fangen das Leben mit einer Präzision und Empfindsamkeit ein, die bis heute begeistern. Die Reichsstadt Nürnberg, die damals ihre Blütezeit erlebte, war Dürers Zuhause. Doch seine Reisen brachten ihn in Berührung mit dem Humanismus der Renaissance, den Farben Venedigs und den Idealen der klassischen Schönheit. All diese Einflüsse sog er auf und interpretierte sie mit der Präzision des Nordeuropäers neu.

Als Hofkünstler Kaiser Maximilians I. und Vertrauter von Humanisten wie Erasmus von Rotterdam bewegte er sich wie selbstverständlich unter den bedeutenden Größen seiner Zeit. Seine Betrachtungen zu Maß und Proportion machten ihn zu einem der großen Denker Europas. Dennoch hörte er nie auf, Werke von erstaunlicher Intimität hervorzubringen - vom hyperrealistischen Selbstporträt über ausgefeilte Drucke bis hin zur sorgfältig beobachteten Studie. Sein Blick auf sich und die anderen wirkt auf eine fast selbstverständliche Art modern.

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Selbst-Porträt in Mantel mit Pelzkragen (1500 oder 1509/10, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek) (Foto: bpk)

Inspiration und Intimität

Es macht Spaß, in diesem umfassenden, mit viel Sorgfalt kuratierten Bildband, zu blättern und sich auf Zeitreise in eine längst vergessene Vergangenheit zu begeben: Mit allen bekannten Gemälden - davon etliche neu fotografiert - und fast 500 Zeichnungen fängt der Band die Vielfalt des Dürer'schen Genies ein. Zwischen monumentalen Altarbildern und intimen Porträts, feinfühligen Umgebungsstudien und gewagten Experimenten wird ein Künstler gewürdigt, der seiner Zeit voraus war. Fast kann man sich nicht vorstellen, dass diese Werke schon 500 Jahre auf der Welt sein sollen. Viel mehr als ein Handbuch ist dieser Band aber die Hommage an einen Universalgelehrten, der auch weiterhin verblüffen und inspirieren dürfte.

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Adam und Eva, 1504 (Stich, Albertina Wien) (Foto: Albertina, Wien)

Experten bei der Arbeit

Und nicht nur Dürer ist ein Meister seines Fachs, auch die Autoren, die diesen Bildband zusammengestellt haben sind es: Autor Christof Metzger studierte Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität von Augsburg, seinen Doktor machte er 1999. 2011 kam er an die Albertina in Wien, wo er seit 2014 als Chefkurator arbeitet. Er veröffentlichte viele Bücher und Schriften zu Dürers Kunst, zahlreiche Ausstellungen wurden von ihm kuratiert.

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Julia Zaunbauer studierte ebenfalls Kunstgeschichte, aber auch Germanistik und Keltologie in Wien, Paris und Edinburgh. Sie ist ebenfalls als Kuratorin an der Albertina beschäftigt und war an mehreren Ausstellungen und Publikationen zu Albrecht Dürer und der Kunst um 1500 beteiligt.

Der Dritte im Bunde ist nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Wien tätig. Karl Schütz arbeitete ab 1972 zunächst als Kurator, von 1990 bis 2011 als Direktor an der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die niederländische und flämische Malerei, die deutsche Malerei des frühen 16. Jahrhunderts, die höfische Porträtmalerei und die Geschichte der Sammlung der Gemäldegalerie. Kenntnisreichtum und ein liebevolles Händchen für das Außergewöhnliche merkt man dem Bildband auf jeder Seite an.

Quelle: ntv.de

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