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Arzt, Walfänger, SchriftstellerAls Arthur Conan Doyle ins Polarmeer fiel

06.09.2015, 11:52 Uhr
imageVon Solveig Bach

Das blendende Weiß der Eisfelder, das Rot des Walblutes, das Blau des Polarhimmels. Gerade 20-jährig heuert Arthur Conan Doyle im Februar 1880 als Schiffsarzt auf einem Walfänger an. Sieben Monate später geht ein Schriftsteller von Bord.

"S.S. Hope. Lerwick. Montag. liebste Ma'am, an erster Stelle wirst Du erfreut sein zu hören, dass ich mein Leben lang nie glücklicher war. Ich fürchte, ich habe eine starke bohemehafte Ader, und dieses Leben scheint wie für mich geschaffen. Die Männer sind gute, ehrliche Kerle und eine starke Truppe." So begeistert schreibt Arthur Conan Doyle am 3. März 1880 an seine Mutter.

Zu diesem Zeitpunkt ist der 20-jährige Medizinstudent weit entfernt davon, ein gleichermaßen geachteter wie berühmter Schriftsteller ohne materielle Sorgen zu sein. Vielmehr greift er spontan zu, als er von einem Kommilitonen das Angebot bekommt, dessen Job als Schiffsarzt auf einem Walfänger zu übernehmen. Schon eine Woche später geht er an Bord der S.S. Hope, die unter dem Kommando von Kapitän John Gray für sechs Monate in See sticht.

Das "erste außergewöhnliche Abenteuer" seines Lebens hat es in sich. Conan Doyle übernimmt alle Aufgaben eines Schiffsarztes, obwohl er gerade erst im dritten Jahr Medizin an der Universität Edinburgh studiert, und das auch mit eher durchschnittlichen Leistungen. Ein genauso wichtiger Aufgabenbereich ist es jedoch, dem Kapitän Gesellschaft zu leisten. Dies fällt Conan Doyle nicht schwer, weil der 50-jährige Gray "ein vortrefflicher Mann, ein großartiger Seemann und ein ernsthafter Schotte" ist.

"Großer Eistaucher"

Nicht zu seinen Aufgaben gehört die Teilnahme an der Jagd. Doch weil er ein guter Schütze ist und auch mit einer gehörigen Portion Abenteuerlust unterwegs, macht sich Conan Doyle auch hier nützlich und "ich glaube, unser Boot war nicht schlechter als jedes andere". Da stört es auch nicht weiter, dass Conan Doyle sich manchmal äußerst ungeschickt anstellt. Seine Neigung, wahlweise vom Schiff oder auch von Eisschollen aus ins eiskalte Wasser zu fallen, bringt ihm den liebevollen Spitznamen "der große Eistaucher" ein. Außerdem verdient er sich durch leidenschaftliche Boxkämpfe die Achtung der Crew.

130 Jahre lang war Conan Doyles Tagebuch dieser arktischen Reise verschollen, nun wurde es wieder entdeckt und der Mare-Verlag hat die deutsche Übersetzung herausgebracht. Aus dem, was Conan Doyle in kleinen Heften notierte, wurde ein wirklich schönes, in Leinen gebundenes Buch. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele der Original-Seiten mit den dazugehörigen Zeichnungen als Faksimile enthalten sind. Vor allem aber sind diese Schilderungen nicht nur für Sherlock-Holmes-Fans richtig lesenswert: Denn Conan Doyle, der auf dieser Reise seinen 21. Geburtstag feierte, schildert den Walfang als mitreißende Abenteuergeschichte und trotzdem voller Mitgefühl für die kleinen und großen Meerestiere, die die Männer oft blutig töten. "Es ist eine brutale Arbeit", schreibt Conan Doyle, "wenn auch nicht brutaler als die, die überall im Land für das Fleisch auf dem Mittagstisch sorgt. Und doch schienen jene schimmernden blutroten Pfützen auf dem blendenden Weiß der Eisfelder, unter der friedlichen Stille des blauen Polarhimmels, ein entsetzlicher Frevel zu sein."

Die Beute dieser Walfang-Reise fällt eher mager aus, Conan Doyle wird später dennoch darüber sagen, er sei dabei vom Jungen zum Mann gereift. Und zum Schriftsteller, möchte man hinzufügen. Denn alles was der spätere Bestsellerautor zwischen dem 28. Februar und dem 11. August 1880 erlebte, wurde zum Geschichtenfundus. Mit diesem Wissen liest sich auch die Sherlock-Holmes-Geschichte "Der Schwarze Peter", die das Tagebuch ergänzt, noch einmal ganz neu.

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Quelle: ntv.de

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