Bücher

Britische Thriller-Reihe startet Der "Jigsaw Man" spielt mit dir

32530833.jpg

Wer auf düstere Thriller steht, ist in London und bei Natine Mathesons "Jigsaw Man" genau an der richtigen Adresse.

(Foto: picture alliance / dpa)

In London tauchen Teile mehrerer zerstückelter Leichen auf. Die Opfer eint das in die Haut eingeritzte Zeichen des "Jigsaw Man". Ein berüchtigter Serienkiller, den DI Henley einst hinter Gitter gebracht hat. Ist ein Nachahmer am Werk? Dann bricht "Jigsaw Man" aus.

Endlich ist Detective Inspector Angelica Henley wieder im normalen Einsatz. An der Front. Auf der Straße. Zu lange saß sie im Büro der Spezialeinheit für Serienmorde der Londoner Polizei. Schuld war ihr letzter Fall, der nicht nur sie fast das Leben gekostet hätte, sondern auch ihre damals noch ungeborene Tochter Emma. Aber Henley ist kein Bürotyp, langweilige Schreibarbeit ist ihr zuwider. Doch ihr neuer Fall hat es in sich: Zwei Leichen an zwei Tagen, beide in Stücke geschnitten und öffentlich ausgelegt. Ein Mann und eine Frau. Schwarz und weiß.

Aber es kommt noch härter: Teile einer dritten Leiche tauchen auf. Und alle haben eins gemeinsam - ein eingeritztes Symbol in der Haut, das ein doppeltes Kreuz und einen Halbmond zeigt. Für Henley ist das ein Schock. Sie kennt das Symbol zur Genüge. Es betrifft ihren letzten Fall: den "Jigsaw Man". Er tötete sieben Menschen binnen kurzer Zeit. Er zerstückelte sie, eine Art Puzzle. Doch Henley kam ihm auf die Spur. Bei der Verhaftung stach er sie in den Bauch, verfehlte ihre Leber nur knapp und auch ihr ungeborenes Kind. Der "Jigsaw Man" alias Peter Olivier wurde zu lebenslanger Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Und genau da sitzt er noch heute.

Ist der "Jigsaw Man" wieder am Werk?

ANZEIGE
Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers: Thriller
11,00 €
*Datenschutz

Hat sich also ein Nachahmer die Taten Oliviers zum Vorbild genommen? Oder ist eine Marionette Oliviers am Werk, den der Serienkiller aus seiner Zelle heraus lenkt? Henley ist alarmiert und sucht gemeinsam mit ihrem neuen Partner eine Spur. Irgendetwas. Irgendeinen Zusammenhang zwischen den mittlerweile drei Opfern. Sie besucht Olivier im Gefängnis. Bei den Namen der Toten scheint sie eine Regung in seinem Gesicht erkannt zu haben. Alles nur Einbildung?

Doch dann täuscht Olivier im Gefängnis einen Herzinfarkt vor, wird in einer städtischen Klinik behandelt - und flieht. Zudem haben die Medien Wind von den Morden bekommen und Henleys Ehemann geht auf die Barrikaden. Nicht nur, dass Angelica wieder ermittelt und Olivier auf freiem Fuß ist, sodass sie und ihre Tochter in den Fokus des "Jigsaw Man" rücken. Nein, Henley verbringt auch wieder viel mehr Zeit mit ihren alten Kollegen - und so wird eine alte Affäre wieder aufgewärmt, die nun ihre Ehe kosten könnte.

Sieben Menschen brachte Olivier einst um. Sie alle hatten mit einer Gruppenvergewaltigung Oliviers zu seiner Armeezeit zu tun. Nun sind drei weitere Menschen tot. Henley schließt daraus, dass mindestens vier weitere in Lebensgefahr schweben, erst recht, nachdem Olivier aus dem Gefängnis fliehen konnte. Der Faktor Zeit spielt eine immer wichtigere Rolle in Henleys Ermittlungen.

Charaktertiefe und Dialoglast

matheson_nadine(c)nadine matheson.jpg

Nadine Matheson liefert mit "Jigsaw Man" ihr Thrillerdebüt und den Auftakt zu einer neuen Reihe.

(Foto: Nadine Matheson)

Der Plot von "Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers" ist Spannung pur und das Debüt von Nadine Matheson, einer gebürtigen Londonerin. Sie arbeitet sonst als Verteidigerin in Strafverfahren und kennt sich also aus mit der Materie. Dass "Jigsaw Man" deshalb der Auftakt einer Thriller-Reihe ist, verwundert nicht. Dass Matheson in ihrer Heimat als neuer Stern am Thriller-Himmel gefeiert wird, überrascht auch nicht.

Thriller-Fans kommen bei "Jigsaw Man" voll auf ihre Kosten: Morde, Blut, Wendungen und eine Ermittlerin mit Ecken und Kanten. Das stellt in dem Genre zwar keine bahnbrechende Revolution dar, gefällt aber dennoch. Henley, die ihren Job über alles liebt, muss dabei aber um die Sympathien der Leser kämpfen. Nicht alle dürften sie von Beginn an ins Herz schließen: Ehe-Probleme, alte Affäre, vernachlässigte Familie, Vorurteile gegenüber ihrem neuen und viel jüngeren Partner. Aber je weiter "Jigsaw Man" voranschreitet - 480 Seiten in Buch- oder rund 850 Minuten in Hörbuchform, bei Lübbe und Lübbe Audio erschienen -, desto mehr weiß der Leser die Ecken und Kanten Henleys zu schätzen.

Und genau das trägt den Plot und bringt ihn nach einem fulminanten Auftakt und ruhigeren Mittelteil danach wieder zusehends in Fahrt. London als Tatort ist ein weiterer Pluspunkt: Fast jeder war schon einmal vor Ort, hat die Tower Bridge oder das London Eye gesehen und kann sich auch an die düsteren kleinen Gassen außerhalb der Touristen-Zentren erinnern, beispielsweise im Süden oder Südwesten. London bedeutet auch Fußball, auch das arbeitet Matheson gekonnt ein: Hier wird mal ein Spiel der Premier League erwähnt, dort ein Stadionbesuch bei West Ham oder es fliegt eine Arsenal-Tasse bei einem Streit Henleys mit ihrem Mann an die Wand.

Bleibt noch ein Kritikpunkt: "Jigsaw Man" strotzt vor Dialogen. Das sorgt zwar für Kurzweil und Abwechslung, kann aber mit der Zeit etwas nerven. Aufgefangen und ausgeglichen wird das wiederum durch die Charakterzeichnungen der Hauptprotagonisten: Sie fallen tiefschichtig aus, erlauben dem Leser auch ungewöhnliche Einsichten in die Gefühlswelten von Henley und Co. Man darf also gespannt sein, wie Matheson ihre Henley-Reihe weiterstrickt. Serienmörder scheint es in London jede Menge zu geben.

Quelle: ntv.de