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Psychothriller-Bestseller Fitzek "Ich habe keine Angst vor Spiegeln"

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Deutschlands erfolgreichster Thrillerautor Sebastian Fitzek: Was verrät seine Mimik?

(Foto: Marcus Höhn)

Die geheimen Signale des menschlichen Körpers - darum dreht sich Sebastian Fitzeks neuer Psychothriller. Was sich dahinter verbirgt, warum es doch um so viel mehr geht und wieso sich seine Wahrnehmung anderer Menschen verändert hat, verrät Deutschlands Thriller-King ntv.de.

ntv.de: Herr Fitzek, schauen Sie gern in den Spiegel?

Sebastian Fitzek: (lacht) Ich gehöre nicht zu den Menschen, die vor jedem Spiegel haltmachen, um zu prüfen, ob die Frisur noch sitzt. Aber ich habe auch keine Angst davor, in den Spiegel zu schauen.

Betrachten Sie nach der Recherche zu Ihrem neuen Thriller Ihr Spiegelbild mit anderen Augen?

Ja, meine Selbstbetrachtung hat sich ein wenig verändert. Aber auch die Wahrnehmung anderer Menschen. Ich entdeckte mehr Fragezeichen bei mir: Bei einem Schauspieler frage ich mich, ob die gezeigte Emotion zu dem passt, was er da spielt. Oder wenn ich ein Plakat sehe und darauf ein überraschend blickender Mensch abgebildet ist, denke ich: Ist das wirklich eine Überraschungsmimik?

Apropos Mimik: Das ist der Titel Ihres neuen Buches. Worum geht es?

Im Mittelpunkt steht Hannah Herbst, Deutschlands erfahrenste Mimik-Resonanzexpertin. Sie hat die Polizei schon mehrfach beraten, wodurch viele Gewaltverbrecher überführt werden konnten. Nach einer Operation leidet sie allerdings an den Folgen eines Gedächtnisverlustes. Und genau in diesem Zustand muss sie ein Geständnisvideo analysieren, in dem eine bis dato völlig unbescholtene Frau gesteht, ihre gesamte Familie ausgelöscht zu haben. Herbst muss die Mimik der Frau analysieren, um herauszufinden, ob sie lügt. Das Problem dabei: Die Frau in dem Video ist sie selbst.

Das klingt nach einem typisch Fitzekschen Psychothriller …

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(lacht) Ja, absolut! Wenn man das so sagen kann - und es so etwas gibt. Aber ich dachte: Hey, das klingt spannend, das packt einen, das ist eine Geschichte, die ich auch gerne lesen will: Hier muss sich jemand selbst analysieren - und davon hängt eine ganze Menge ab. "Mimik" entführt in eine Welt, von der viele vielleicht schon eine Menge gehört haben, die aber auch viele - wie ich selbst - gern näher kennenlernen wollen. Die Welt der Körpersprache. Das ist eine Sprache, die wir zwar alle sprechen, die aber keiner von uns je gelernt hat.

Und die meisten verstehen sie dann noch falsch …

(lacht) Genau so ist es. Wir leben in einer Welt, in der wir jede Menge Texte in sozialen Medien verfassen. Damit wir aber auch ja nicht falsch verstanden werden, hängen wir am Ende immer noch Emojis an, damit wir immerhin noch irgendetwas Mimisches übertragen. Das Kuriose dabei ist dann, dass selbst diese Emojis oft falsch verstanden oder genutzt werden.

Wie sind Sie auf die Idee zu dem Buch gekommen?

Ich kenne den Mimik-Resonanzexperten Dirk Einert schon länger, finde auch das Thema an sich spannend, konnte mir aber nicht so richtig vorstellen, daraus einen Buchplot zu machen. Zudem gab es da ja die erfolgreiche TV-Serie "Lie To Me". Und da Wiederholungen nicht mein Ding sind, hatte ich auch kein Interesse an der Figur eines Profilers, der an einem winzigsten Augenzucken irgendetwas erkennen kann. Aber dann bin ich auf das Thema Selbstanalyse gestoßen. Das ist eine Schlüsselfrage, die man sich immer stellt, wenn man an eine Romanfigur herangeht: Welche Maske trägt der Held oder die Heldin? Wie werden wir eigentlich wahrgenommen? Mit welchen Augen werden wir von anderen gesehen?

Und da war die Idee für "Mimik" geboren?

Ja. Die Frage war jetzt: Wie wäre es eigentlich, wenn sich jemand wie Dirk Eilert, der sich mit Mimik-Resonanz auskennt, selbst analysieren muss? Beispielsweise in einem Zustand, in dem er sich fremd ist, in einem Zustand des Gedächtnisverlusts. Und was wäre, wenn dann davon auch noch etwas abhängt? Vielleicht das Leben einer anderen Person?

Dann ist das Thema des Buches nicht Mimik an sich, sondern vielmehr Selbsterkenntnis?

Genau! Dieses Thema interessiert mich seit jeher und begleitet mich auch immer wieder in meinen Werken.

Was ist denn Ihre Selbsterkenntnis aus "Mimik"?

Ich habe festgestellt, dass wir uns viel zu wenig in die Augen schauen, dass wir viel zu distanziert zueinander sind. Da spielt die Corona-Zeit natürlich eine Rolle, aber auch davor war das schon so: soziale Netzwerke, Video-Dienste wie Teams oder Zoom. Da sehen sich die Menschen zwar, aber es werden Gestiken unterdrückt, kaum einer gestikuliert genau so wild vor dem Rechner wie bei einem normalen Gespräch Auge in Auge. Das hat Auswirkungen auf unsere Kommunikation - und man bekommt nicht alles mit. Man sagt etwas unbedacht, sieht aber nicht, ob oder welches Unheil man damit angerichtet hat, weil beispielsweise gar nicht alle Kacheln im Video-Chat abgebildet werden. Das ist ein großes Problem.

Da könnte die Lektüre von "Mimik" helfen gegenzusteuern.

Ich hoffe es. Aber das ist nicht mein generelles Anliegen. Das Buch soll erst einmal eine spannende Story erzählen, die unterhält, denn in erster Linie bin ich ein Geschichtenerzähler, Geschichten in Form von Psychothrillern. Das ist die Handlungsebene. Dann gibt es natürlich noch die Informationsebene sowie die Bedeutungsebene. Und wenn Leser hier etwas über Körpersprache oder Mimik aufschnappen, lernen und dann daraus etwas für sich selbst mitnehmen, für das Zwischenmenschliche - umso besser!

Lässt sich Körpersprache und Mimik lernen?

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Ja, kann man! Und man muss dazu nicht einmal hochbegabt sein. Man muss schlichtweg das Interesse dafür mitbringen: Ich muss nicht nur darauf achten, was ich sage. Ich muss nicht nur darauf achten, wie ich es sage. Sondern ich muss vor allen Dingen auch darauf achten, was ich bei meinem Gegenüber auslöse. Das kann man trainieren.

Mit Sebastian Fitzek sprach Thomas Badtke

Quelle: ntv.de

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