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Das Lied der weißen Weihnacht In eine andere Welt lesen - das geht

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Weiße Weihnacht - oft nur ein Traum. Wie bei Irving Berlin.

(Foto: dpa)

Spoileralarm! Es wird ein Happy End geben. Und Schnee. Jede Menge Liebe, jede Menge Missverständnisse und jede Menge "was so alles dazwischenkommen kann". Herrlich! Sie haben die Nase sowieso voll von der Realität? Dann lesen Sie "White Christmas".

Träumen wir nicht alle davon? Weiße Weihnachten - ein Sehnsuchtsbegriff, vor allem in Lockdown-Zeiten. Ein Gutes hat das Szenario der Zwangsruhe ja: Wir haben vielleicht ein bisschen mehr Zeit zum Lesen, Muße, uns mit einem Buch in andere Welten zu träumen. Wie mit der Geschichte von "White Christmas - Das Lied der weißen Weihnacht", die mit wahren Hintergründen spielt: Heiligabend 1937, der Komponist Irving Berlin befindet sich in Hollywood und er wird in dieser Zeit das erfolgreichste Weihnachtslied überhaupt komponieren. Der überaus bekannte und beliebte Musiker, der keine Noten lesen kann und dennoch zu den besten Jazz-Musikern gehört, befindet sich wegen einer Film-Produktion in Los Angeles. Für andere ein Paradies, bedeutet es für ihn nur, dass er von seiner Familie getrennt sein muss.

Dass er diese Familie hat, ist nicht selbstverständlich, sie wird von ihm daher schmerzlich vermisst. In Hollywood passt ihm eigentlich gar nichts: nicht das gute Wetter, nicht die aufgekratzten Menschen, all der schöne Schein. Er liebt viel mehr die winterliche Atmosphäre seiner Heimatstadt New York, vor allem in dieser Zeit. Weihnachten hat für ihn, den Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, eine spezielle Bedeutung. Und dass sein Leben einmal diese erfolgreiche Richtung annehmen würde, das war ganz und gar nicht abzusehen, als er im Winter des Jahres 1900 als kleiner Junge noch Zeitungen verkaufte und davon träumte, Sänger in einem italienischen Restaurant zu werden.

Filmreife Story

Als er 1924 der selbstbewussten Millionärstochter Ellin Mckkay auf einer Dinnerparty begegnet, war er bereits ein überaus beschriebenes Blatt am Broadway: Seine Shows waren ausverkauft. Das bedeutete jedoch nicht, dass "einem wie ihm" bezüglich der Liebe zu einem "Mädchen aus besten Kreisen" keine Steine in den Weg gelegt werden sollten. Ellins Vater ist außer sich, als er von der Beziehung erfährt. Da das Buch auf wahren Tatsachen beruht, nimmt man der Geschichte nichts an Spannung, wenn man erzählt, dass die beiden sich nach unglaublichen Irrungen und Wirrungen doch endlich kriegen. Wie Autorin Michelle Marly die Story der beiden Liebenden schildert, ist filmreif.

Der Leser spürt, warum das junge Mädchen von dem charismatischen älteren Mann nicht ablassen kann und will, und wir verstehen, warum er so fasziniert ist und alle Widrigkeiten auf sich nimmt, um mit dieser einen Person sein Leben zu verbringen. Der Leser und natürlich auch die Leserin bekommt Einblicke in das jüdische Leben in New York am Anfang des letzten Jahrhunderts, aber auch in den Glamour und Prunk in den Prachtstraßen der Stadt. Autorin Marly scheut sich weder auf die Tränendrüse zu drücken noch auf den Kitsch zu verzichten. Aber ist das nicht genau das, was wir gerade brauchen?

Wir träumen alle von einer weißen Weihnacht

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Man liest gern, wie ein Weihnachtswunder geschieht, wie das Leben zwischen Sunset Boulevard und Fifth Avenue hin- und herspielt, wie aufmüpfig Töchter auch damals schon waren, wie Familien sich streiten und versöhnen, wie die Liebe Brücken schlägt, die man kaum für möglich hält, wie das Menschliche sich am Ende doch immer durchsetzt und dass Religionen kein enges, starres Korsett bedeuten müssen. Außerdem erfährt man ganz nebenbei, warum der Weihnachtsklassiker "White Christmas" noch immer zu den erfolgreichsten Liedern aller Zeiten zählt: unter anderem deswegen, weil sein Schöpfer Irving Berlin die Herzen der Menschen erreichen konnte - mit Musik.

Lieder, die man gerne hört, Bücher, die man gerne liest, das hat etwas mit ganz viel Gefühl zu tun - und davon hat Michelle Marly, hinter der sich die deutsche Bestseller-Autorin Micaela Jary verbirgt, eine Menge. Jary, selbst Tochter eines erfolgreichen Komponisten, kennt sich in der Welt der Musik bestens aus. Ihr letzter Roman "Die Diva" erzählt von keiner Geringeren als Maria Callas, ihre Vorgänger-Romane wurden in viele Sprachen übersetzt. Die Arbeit an "White Christmas" hat die Autorin an ihr eigenes Elternhaus erinnert. "Ich bin in der Welt eines Schlagerkomponisten aufgewachsen - dennoch hat es mich viel gekostet, mich in die Realität des Irving Berlin hineinzuversetzen", gesteht sie. Dass ihr das spitzenmäßig gelungen ist, ist vielleicht ein kleines Weihnachtsgeschenk für sie.

Quelle: ntv.de