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100. Todestag des Schriftstellers Jack London folgte dem Ruf des Abenteuers

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Jack London um 1914.

(Foto: imago/United Archives International)

Als Jack London 1916 starb, war er gerade einmal 40 Jahre alt. Und hinterließ trotzdem ein Werk, das die Leser bis heute fasziniert. 100 Jahre nach seinem Tod zeigen gleich zwei neue Biografien einen Autor, der seine ärmliche Herkunft nie vergaß.

Leser der Romane und Erzählungen von Jack London erleben viel: Sie segeln mit übellaunigen Kapitänen über den Ozean, ziehen mit Goldsuchern durch den grausamen Winter Alaskas, trampen auf Zügen durch Amerika und müssen dabei immer wieder um ihr Leben bangen. Ist es da ein Wunder, dass Generationen von Lesern, darunter viele junge, die Werke dieses Mannes verschlungen haben? Fans des US-amerikanischen Abenteuerschriftstellers können diesen nun besser kennenlernen. Zu seinem 100. Todestag am 22. November 1916 erscheinen zwei Biografien des größten amerikanischen Literaturstars seiner Zeit: "Jack London" von Alfred Hornung und "Die vielen Leben des Jack London" von Michel Viotte und Noël Mauberret.

"Romantik und Abenteuer" locken ihn, schreibt der junge Jack London in sein Tagebuch, bevor er zu der neunmonatigen Reise aufbricht, die er später in "Abenteurer des Schienenstrangs" literarisch verarbeiten wird. Wobei Reise eher euphemistisch beschreibt, wie London als blinder Passagier auf Frachtzüge aufspringt und als Vagabund immer in der Gefahr unterwegs ist, verhaftet zu werden. Was auch prompt geschieht.

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Hornungs London-Biografie ist bei Lambert Schneider erschienen und kostet 24,95 Euro.

Das Leben als Tramp und Hobo macht ihn mit den Wolfsgesetzen im Amerika am Ende des 19. Jahrhunderts hautnah bekannt. Später schreibt er über diesen gnadenlosen Ausleseprozess: "Als wir an der nächsten Haltestelle vorausliefen, zählte ich nur noch 15 von uns. Fünf waren demnach abgeworfen worden und hatten aufgegeben."

Aufgeben, das war Londons Sache nicht, daran lässt der Amerikanist Alfred Hornung in seiner ausführlichen und detailreichen London-Biografie keinen Zweifel. Als uneheliches Kind mittelloser Eltern in ärmliche Verhältnisse geboren und von einer großen Lebensgier getrieben, sucht London zeitlebens nach dem nächsten Kick. Austernräuber, Tramp, Matrose, Goldschürfer oder Kriegskorrespondent, wechselnde Liebschaften, Fressgelage, exzessiver Alkoholkonsum – London lässt nichts aus und sammelt dabei Material für die Abenteuerbücher, die ihn reich und weltberühmt machen.

Doch der Mann, dem die Leser Klassiker der Abenteuerliteratur wie "Wolfsblut" und "Der Seewolf" verdanken, hat auch noch eine andere Seite, die auf den ersten Blick nicht zum Lebemann London passt. Auf seinen Reisen um die Welt werden dem Schriftsteller die Gegensätze zwischen Arm und Reich schmerzlich bewusst. Vor allem bei Ureinwohnern sieht er stattdessen eine Menschlichkeit, die ihn von einer sozialistischen Bruderschaft der Menschheit und einer Weltsprache träumen lassen.

Einer der ersten Medienstars

"Nie habe ich ausdrucksstärkere Augen gesehen als die hellgrauen Augen Jack Londons. Sie spiegeln die Tugenden des einfachen Lebens und erhabenen Denkens wider, in ihnen leuchtet der Funke des Genies", schrieb 1914 ein ergriffener New Yorker Reporter nach einem Interview mit dem Schriftsteller. Die Faszination teilten viele Zeitgenossen – London wurde mit dem Erfolg seiner Bücher auch ein früher Medienstar.

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Der Bildband ist bei Knesebeck erschienen und kostet 34,95 Euro.

Eine Ahnung von seiner Ausstrahlung bekommt man in der neuen Bildbiografie "Die vielen Leben des Jack London" von Michel Viotte und Noël Mauberret, die im Knesebeck-Verlag erschienen ist. Auf 250 Seiten zeigt diese mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos das Leben Londons, der 1876 in San Francisco geboren wurde und 1916 an Nierenversagen starb. Viele der Bilder wurden bisher noch nicht veröffentlicht und sind mit autobiografischen Texten und Tagebucheinträgen ergänzt.

Ein freundlich schauender Mann mit mächtigem Unterkiefer blickt dem Betrachter von vielen Seiten entgegen. "Ich wurde Vagabund, weil ich Wanderblut in den Adern hatte, das mir keine Ruhe ließ", sagte er einmal. Wer Romane wie "Der Ruf der Wildnis" oder "Wolfsblut" liest, findet aber mehr als Fernweh, Abenteuer und Spannung. Da schreibt ein kluger Beobachter seiner Zeit mit einer politischen Haltung. Weil ihm die Aussichtslosigkeit vieler Gestalten, die ihm begegneten, klar wurde, sei er Sozialist geworden, schrieb er 1903 für die Zeitung "Comrade". Als Reporter heuerte er dann bei linken Zeitungen an und ging unter anderem als Kriegsberichterstatter nach Korea – noch so ein Abenteuer. Es war der Suff, der diesen Mann schließlich das Leben gekostet hat. Aber auch das wusste er literarisch zu verarbeiten. Sein Buch "König Alkohol" sei "alles andere als Fiktion. Es geht um nackte Tatsachen, ohne jede Beschönigung. Ich berichte hier über meine eigenen Erfahrungen im Königreich des Alkohols." Die Prohibitionsbewegung nutzte es als Argumentationshilfe, Londons Sympathie war ihnen gewiss.

Viele der Fotos stammen aus Londons eigener Kamera und erzählen so von den "Bildern, die in meinem Kopf lebendig sind". Dem Bildband gelingt es so, Jack-London-Fans noch einmal auf die Reise gehen zu lassen - nach Alaska, in die Südsee, durch Mexiko - und einen Menschen hinter dem Namen lebendig werden zu lassen. "Tag für Tag verspürte ich den Wunsch, die Welt jenseits des Horizonts zu entdecken", sagte London über sein Leben. Dem einen oder anderen Leser wird es nach der Lektüre nicht anders gehen.

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Quelle: ntv.de