Neuentdeckung eines AutorsUlrich Becher gefeiert
Vor Beginn der Machtergreifung der Nazis war er mit seinen Novellen und Theaterstücken einer der erfolgversprechendsten jungen Autoren des Landes. Nach dem Krieg geriet er aber in Deutschland in Vergessenheit.
Den 100. Geburtstag des Schriftstellers und Künstlers Ulrich Becher (1910-1990) haben am Donnerstagabend in Frankfurt in der Deutschen Nationalbibliothek mehrere hundert Menschen gefeiert Das Exil-Archiv der Nationalbibliothek besitzt einen Teil des Nachlasses Bechers, der in Berlin einst einziger Meisterschüler von George Grosz war. Zum Jubiläum hat der Frankfurter Schöffling Verlag Bechers 1969 erstmals erschienenes Hauptwerk "Murmeljagd" neu aufgelegt.
In dem 700 Seiten langen Roman - von Kritikern hochgelobt - beschreibt Becher mit viel schwarzem Humor das Leben eines Exilanten vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht ein Wiener Journalist, den es 1938 auf der Flucht vor den Nazis in das Schweizer Engadin verschlagen hat. Bechers Buch ist politisch - aber auch mit Versatzstücken des Spionage- und Kriminalromans.
"Es ist die großartigste Lektüre meines Lebens gewesen", würdigte die österreichische Autorin Eva Menasse ("Vienna") Bechers Roman. Das Buch habe sie im Alter von 19 Jahren "wachgerüttelt". Der Schriftsteller Peter Härtling meinte, dass die überzeichneten Figuren im Roman an die Zeichnungen von George Grosz erinnerten. Das Werk sei der "Racheakt" eine Überlebenden. "Dieses Buch erträgt keine Helden."
Becher wurde am 2. Januar 1910 in Berlin als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Schweizer Pianistin geboren. Sein 1932 bei Rowohlt erschienenes Debüt wurde ein Jahr später als "entartete Literatur" von den Nazis verbrannt. Becher flüchtete über Österreich, die Schweiz und Brasilien nach New York. 1948 kehrte er nach Europa zurück und ließ sich wenige Jahr später bis zu seinem Tode im Jahr 1990 in Basel nieder. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. Ulrich Becher: Murmeljagd